Samstag, 27. Februar 2016

IT FOLLOWS (2014 David Robert Mitchell)


Nachdem die Teenagerin Jay bei einem Date Sex mit ihrer Verabredung hat, lastet auf ihr ein Fluch. Ein Wesen, welches seine Gestalt verändern kann, ist stets in ihrer Nähe und möchte ihren Tod. Nur der Geschlechtsverkehr mit einer anderen Person würde Jay vorerst vor dem Fluch befreien...


Das langsame Grauen...

David Robert Mitchell macht in seinem zweiten Langfilm alles richtig um einen guten Horrorfilm zu kreieren. Er präsentiert uns eine interessante Bedrohung, hält ihre Mystik hoch, indem er uns nur das nach und nach verrät was für die Geschichte von Bedeutung ist, taucht dies in stimmige Bilder, untermauert die vordergründige Erzählung mit einer analytischen Hintergrundstory (die Sexualität bricht in die Wohlfühlwelt der Teenager ein) und schenkt jeder Szene genau jene Akustik die zu ihr passt. Von Stille, über Brummtöne bis hin zur peppigen Synthesizermusik reicht sein Repertoir.

Nicht nur der Synthesizer erinnert an John Carpenter und seinen legendären „Halloween“. Zitiert wird der Film auch in Bild und Geschichte, so z.B. in der allerersten Aufnahme, in welcher wir eine Blätter-bedeckte Allee im Herbst zu sehen bekommen. Das Wann im Film wirkt fast zeitlos. Die Technik samt Autos wirkt als ob wir uns in den 80er Jahren befinden, lediglich das elektrische Lesebuch von Jays Freundin und das sterbende Detroit, welches Mitchell erst sehr spät erkennen lässt, machen deutlich dass „It Follows“ in der Gegenwart spielt. Somit erschafft er nostalgisches Flair und vermittelt gleichzeitig, ohne wahre Gesellschaftskritik zu äußern, unter welchen Problemen die Jugendlichen bewusst oder auch unbewusst leiden, noch bevor sie mit dem Fluch konfrontiert werden.

Die Armut könnte auch erklären warum es der Jugend an der üblichen Technik seiner Zeit fehlt. Das wäre zwar nicht wirklich glaubwürdig bei der Kostengünstigkeit in diesem Sektor, erlaubt es Mitchell jedoch Teenager so unverfälscht zu zeigen wie sie sind. Noch nicht jeder aus der Gruppe hat seine sexuelle Seite entdeckt, die Figuren wissen nicht mehr und nicht weniger was man ohne Lebenserfahrung weiß, und ihre Naivität ist immer präsent in einer Phase, in welcher man glaubt diese nach der Kindheit hinter sich zu haben. Die Kids im Film scherzen, lästern und grübeln authentisch. Mitchell erschafft eine völlig realistische Wiedergabe des Teenagerlebens in einem Vorort, und auf dieser Basis weiß auch das übernatürliche Grauen glaubwürdig zu wirken, so dass „It Follows“ nicht nur ein theoretisches Erlebnis wird, sondern auch ein spannendes Mitfühlen für den Zuschauer, selbst Tage nach dem Sichten noch.

Denn was auf dem ersten Blick aufgrund seiner langsamen Geschwindigkeit und seines alltäglich wirkenden Äußeren nicht zu gruseln vermag, wird zu einem Nervenkitzel sondergleichen wenn Mitchell uns mit allerhand psychologischen Mitteln und Tricks das Gefühl spürbar macht verfolgt zu werden und nichts dagegen tun zu können. Wer den Fluch hat wird nie wissen ob er wirklich vorbei ist. Das Gefühl der Verfolgung wird einen ein Leben lang verfolgen. Und genau durch diesen Fakt zieht das unauffällig menschliche Äußere des Wesens seine Kraft. Langsam gehende Menschen, die sieht man immer im wirklichen Leben, im Film gerne auch von der Kamera scheinbar ungeachtet im Hintergrund erkennbar. Manchmal erklärt sich mit der Zeit von selbst ob es das Wesen ist, manchmal erfahren wir es nie.

Die Geschichte könnte man als einen Mix aus „Final Destination“, „The Grudge - Der Fluch“ und „Halloween“ bezeichnen. Letztgenannter steht wie erwähnt auch inszenatorisch Pate, jedoch wandelt sich der Film im Finale hin vom 70er Jahre Stil zu jenem aus den 80er Jahren, wenn man sich eher in einem „Nightmare on Elm Street“-Film fühlt als in Carpenters Werk. So oder so verbeugt sich Mitchell immer wieder vor den großen Werken und Zeiten des Genres im Bereich der modernen Klassiker, biedert sich denen aber nie an, kopiert sie auch nie, sondern kommt im eigenen individuellen Gewand daher und wird damit ein ebenso selbstständiges Werk wie die Vorbilder und damit ein ähnlich großer Film unserer Zeit wie es die Vorbilder für ihre waren.

Das Geschick des psychologischen und soziologischen Verständnisses, das Verstehen der verschiedenen Blickwinkel auf die Geschichte und die technische Professionalität mit der alles eingefangen wird, erschafft uns mit Hilfe glaubwürdiger Darsteller und einer interessanten Geschichte mit nachvollziehbaren Ängsten einen solch dichten und wirksamen Horrorfilm, den man einfach auf sich wirken lassen kann, der seine Glaubwürdigkeit aber auch bei eingeschaltetem Kopf nicht verliert. Unglaubwürdigkeiten lassen sich durch das uns Unbekannte der Geschichte stets anderweitig erklären, bekannte geradezu fürs Kino typische Fehler werden umgangen oder bewusst frontal attackiert, indem man sie gegen die Wirklichkeit eintauscht. „It Follows“ sollte man sich nicht entgehen lassen. Allerdings benötigt man ein Faible für langsam erzählte Filme. Aber wer „It Follows“ versteht würde nie die Langsamkeit des Streifens kritisieren, ist doch jegliche noch so lange Kameraeinstellung durchdacht und für die Wirkung des Streifens unverzichtbar.


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