Sonntag, 12. Juni 2016

DER MÖRDER MIT DER TIGERKRALLE (1985 Jirí Menzel)


Zwei schweizer Kriminalisten reisen nach London um einer Spur eines Frauenmörders nachzugehen...


Die toten Pfoten von London...

Durch ihre Schwarz/Weiß-Malerei mit Gut und Böse und manch bizarrer Bösewichter laden die Geschichten des berühmten Krimi-Autors Edgar Wallace immer wieder zum humorvollen Umgang ein. Selbst ernst gestaltete Verfilmungen seiner Stoffe neigen dazu gerne die augenzwinkernde Erzählmethode zu wählen, aber auch Verfilmungen mit dem tatsächlichen Schwerpunkt Komödie wurden seit eh und je gedreht. In den 30er Jahren kasperte Theo Lingen in „Der Doppelgänger“ nach einer Geschichte von Edgar Wallace rum, Alfred Vohrer, der vorher solch sympathisch düstere Werke wie „Die toten Augen von London“ schuf, beendete seine Arbeit an der Rialto-Wallace-Reihe mit der Komödie „Der Mann mit dem Glasauge“. Die Tschechen veralberten die Grusel-Krimis mit ihrem nur mäßig ausgefallenem „Der geheimnisvolle Mönch“, und auch speziell parodistisch wurde sich an den Stoffen des in den 30er Jahre verstorbenen Autors versucht, finanziell erfolgreich umgesetzt mit „Der Wixxer“ und „Neues vom Wixxer“.

„Der Mörder mit der Tigerkralle“ ist ein merkwürdiger Bastard von Film, der sich mit keiner der oben genannten Komödien vergleichen ließe, lässt er doch lediglich zwei Außenseiter durch eine Edgar Wallace-Welt tappsen. Und hat man den Film einmal gesichtet bemerkt man ziemlich schnell, dass die Verweise auf dessen Stoffe zwar des Aufhängers wegen eingestreut werden, der Kern der Geschichten jedoch nicht parodiert wird. In Menzels Werk soll lediglich herumgealbert werden und dafür suchte man sich lediglich einen Wallace-Rahmen als Grundlage aus.

Um „Die Schokoladenschnüffler“ (Alternativtitel) fair betrachten zu können, muss man sich eigentlich vom Wallace-Blick abwenden und schauen was er als schlicht geratene Nonsens-Komödie a la „Die Supernasen“ (mit dem er sich das herrlich bescheuerte Ding Dong-Lied im Soundtrack teilt) zu bieten hat. Und da fällt es recht schwer ein Urteil zu bilden, zumal Humor Geschmackssache ist, und gerade alberner die Gemüter spaltet.

So manch nette Idee kann man dem Film nicht absprechen, gibt es doch z.B. eine Schießerei zu sichten, in welcher lediglich die Banditen wie wild herumballern ohne zu bemerken, dass die Ermittler nie zurück schießen. Der eine vergnügt sich mit einer Frau, der andere lässt sich vom Alkohol ablenken. Und die Gauner, die schießen als gäbe es kein Morgen. Nette Idee!

Stilistisch hat sich auch mancher mehr schlecht als recht umgesetzte Gag im Fahrwasser der Zucker/Abrahams/Zucker-Komik eingeschlichen, z.B. in jener Szene, in welcher die Hauptfigur im Flugzeug eine Milch bestellt. Und so theoretisch lustig eine wilde Verfolgungsjagd in einem Hotel im Benny Hill-Stil klingt, so bemüht ist sie schlussendlich doch umgesetzt. Bemüht trifft es ohnehin sehr gut, kommt „Der Mörder mit der Tigerkralle“ manches Mal doch gar nicht aus den Hufen, um im nächsten Moment wieder besonders albern werden zu wollen, was dann meist nicht funktioniert.

Ewig langezogene Szenen, wie die Parallelszene des einen Schweizers, der eine Endlosschwätzerin verführen möchte und des anderen Schweizers, der anstatt Milch erstmals Whiskey trinkt, nagen an den Nerven, bremsen den Streifen immer wieder aus, wenn man gerade wieder neuer Hoffnung war ob der Nonsens nicht doch langsam besser werden würde, was aber nie passiert so unentschieden er zwischen diversen Humorarten unreflektiert und an unpassenden Stellen eingesetzt hin und her pendelt, ohne dabei ein abwechslungsreicher Humorcocktail zu werden.

Da die Komödie im Zentrum steht und der mysteriöse Teil der Geschichte gar nicht erst versucht wird zumindest ansatzweise etwas düsterer umzusetzen, bietet Menzels Film auch nichts, was den zu bemühten, unausgegorenen Humor ein wenig auffangen könnte. Der Kriminalfall interessiert niemanden, während man dabei zusehen darf wie alle Beteiligten mal mehr und meist weniger lustig herumkaspern, wobei Gert Burkard mit seiner zurückhaltenden, wenigstens etwas Würde besitzenden, Darstellung des Inspektor Higgins am angenehmsten auffällt, auch wenn seine Rolle nicht ansatzweise das Kultpotential seiner Darbietungen aus „Didi - Der Doppelgänger“ und „Didi und die Rache der Enterbten“ besitzt.

Sicherlich habe ich im Komödienfach schon schlimmere Werke gesichtet, man kann „Der Mann mit der Tigerkralle“ mit viel Wohlwollen noch als mittelmäßig bezeichnen, aber das fällt bereits schwer wenn man wie ich mit alberner Komik etwas anfangen kann. Menschen die bereits beim ersten Anflug von Zoten die Nase rümpfen, werden mit Menzels Komödie so gar nichts anfangen können. Und wer sich hier eine Wallace-Parodie erhofft, der hat ebenfalls das Nachsehen, sind die Spielereien mit den Versatzstücken auf die Romane des guten Mannes doch viel zu rar gesät um solche Erwartungen erfüllen zu können.


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