Freitag, 17. Juni 2016

SAUNA - WASH YOUR SINS (Sauna 2008 Antti-Jussi Annila)


1595, der Krieg zwischen Schweden und Russland ist vorbei, Gesandte beider Parteien begehen das Grenzgebiet um für den Friedensvertrag die Grenzpunkte abzustecken. Mitten in einem Sumpfgebiet stoßen sie auf ein Dorf, welches dort nicht existieren dürfte und welches sich exakt in der Mitte der geplanten Grenze befindet. Die Gesellschaft im Dorf ist vergreist und fast kinderlos, und man fürchtet die Sauna ganz in der Nähe, die schon vor der Ankunft der Dorfbewohner dort gestanden haben soll. Der Soldat Eerik und sein Bruder Knut vermuten nach ersten Zweifeln dort eine übernatürliche Macht. Müssen sie Buße für ihre Kriegsverbrechen tun?...


Wenn die Rechtfertigung zu Morden endet...

„Sauna“ ist in stilistisch hochwertigen Bildern abgefilmt, glänzt mit inszenatorischer Zurückhaltung und damit dass sich der Zuschauer selbst in den gezeigten Geschehnisse zurecht finden muss. Es dauert ein wenig bis man versteht worum es geht. Das Publikum soll das Treiben auf dem Bildschirm aufmerksam verfolgen und mitdenken. Und dementsprechend erwachsen schaut sich ein Film zu einem Thema, welches auch einen erwachsenen Stil verdient.

Der übernatürliche Aspekt der Geschichte bleibt rätselhaft, er wird nicht bis zur vollkommenen Zufriedenheit des Zuschauers erklärt. Wirklich schlimm ist dies jedoch nicht und von Regisseur Annila ohnehin gewollt, denn der Film interessiert sich eigentlich nur zweitrangig für seinen Horrorpart. Das Drama steht viel mehr im Zentrum, und wie es sich für ein gutes Drama gehört somit auch die Figuren, die das Drehbuch gekonnt charakterisiert, so dass es für die Schauspieler sicher ein Freudenfest war sie zu verkörpern, so selten wie man in diesem Beruf, zumindest im Filmbereich, die Chance bekommt solch interessanten Figuren Leben einzuhauchen.

Jeder Charakter hat Ecken und Kanten. Helden gibt es nicht. Subjektive Ausreden ersetzen objektive Begründungen. Diverse Blickwinkel setzen unterschiedliche Wahrheiten. So ist der Krieg. Die Geschichte um den Trupp Grenzsetzer beider Parteien besitzt mit besagten Figuren derart viel Potential, dass eine Horrorgeschichte eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre um die Geschichte interessant zu erzählen. Das müsste zwar nicht zwingend bedeuten, dass der Horrorpart einem solchen Projekt schadet, in diesem speziellen Fall tut sie es meiner Meinung nach jedoch.

Je mehr sich „Evil Rising“ (Alternativtitel) dem Horror zuwendet, desto schwächer wird er. Da kann man von Glück reden, dass der übernatürliche Teil der Geschichte erst kurz vor Schluss dominiert. Nachdem er einige Zeit erst gar nicht zum Einsatz kommt, wird er zunächst lediglich zu einer Randerscheinung. Mit dem Mysterium rund um das Dorf wird er zu einer rätselhaften Grundlage, auf welcher sich die Charaktere sehr förderlich weiter entwickeln dürfen, und erst etwa 15 Minuten vor Schluss, dominiert der Horror, und der zuvor so ungewöhnlich erzählte Film wird auf Genreebene austauschbar.

Am Schluss angekommen gibt es die typische Moral zu sichten, das Mysterium bleibt fast komplett ungelüftet, und es gab viel Rauch um Nichts. Nicht dass selbst diese maue Phase des Streifens nicht optisch toll eingefangen und hervorragend geschauspielert wäre, aber „Sauna“ holt schließlich nichts aus seinem vorhandenen Potential heraus. Menschliche Verzwickungen, Misstrauen, Ehre und Lügen hätten die Geschichte interessanter fortgeführt und beendet als der gewählte Horrorpart. Und das ist sehr schade. „Filth“ (Alternativtitel) ist ein interessanter Film, keine Frage, und alles andere als ein identitätsloses Produkt aus der Masse. Doch trotz aller Raffinesse und den durchdachten Zwischentönen, auch im Horrorbereich, wirkt der übernatürliche Part unnütz, da der Film um seine Aussagen zu treffen auch einen irdischen Weg hätte wählen können. Trotz allen Klagens ist aber allein die Darstellung der beiden Hauptrollen, von denen eine etwas an Walter White aus „Breaking Bad“ erinnert, das Einschalten bereits wert.


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