Donnerstag, 21. Juli 2016

DAS GRENZT AN LIEBE (And So It Goes 2014 Rob Reiner)


Der stets mies gelaunte Oren und die sensible Leah wohnen nebeneinander und nähern sich trotz ihrer Unterschiede einander an. Dass Oren zur Zeit auf die Tochter seines Nichtsnutz von Sohn aufpassen muss, da dieser für kurze Zeit ins Gefängnis muss, erleichtert die problematische Annäherung zumindest teilweise...


Tränen und Wut...

Rob Reiner ist ein großartiger Regisseur. Und ebenso lobende Worte kann ich auch über die beiden Schauspieler Diane Keaton und Michael Douglas äußern. Wenn diese nun in einem Film zusammentreffen, der inhaltlich nach einem todsicheren Konzept klingt, dann ist die Vorfreude groß. Leider wurde „Das grenzt an Liebe“ nicht das Stück Wohlfühlkino, welches ich mir von ihm erhofft hatte. Wusste ein vergleichbarer Stoff in „Besser geht‘s nicht“ und in „Was das Herz begehrt“ für große Kinomomente zu sorgen, da wollen bei „And So It Goes“ (Originaltitel) die einzelnen positiv klingenden Zutaten nicht ineinander greifen.

Das beginnt bereits damit, dass Douglas und Keaton nicht wirklich miteinander harmonieren. Die Kamera mag ihre Zusammenkunft einfach nicht. Das ist nicht kompatibel, warum auch immer, wissen sich beide doch zu schätzen und sind doch beide, wie bereits erwähnt, auch Kompetenzen ihrer Berufsgattung. Allerdings macht es ihnen das Drehbuch auch nicht all zu leicht, gerade was die Figur der Leah betrifft, die ein weinerliches Etwas ist, in einer Penetranz die nichts mehr mit Liebenswürdigkeit sondern nur noch mit Nervensäge zu tun hat. Ihre zerbrechliche Art wäre aber immerhin ein Grund, bzw. für mich der einzige Grund, warum die Bösartigkeit der Figur des Oren so arg zurückgeschraubt wurde.

Sicherlich ist er kein feiner Kerl und unsensibel noch dazu. Aber da habe ich beim Lesen der Inhaltsangabe doch mit einem anderen Kaliber Arschloch gerechnet als die Light-Variante, die uns hier vorgesetzt wird. In seinem Inneren ist er von Anfang an gar kein so übler Bursche. Das Drehbuch schenkt ihm auch direkt einen Hintergrund zur Entschuldigung warum er so mies drauf ist, und diese Entschuldigung ist derart zwischenmenschlich lieb ausgefallen, dass sie psychologisch so gar nicht zu jener Art Verbitterung passen will, die der Tod seiner Frau in Oren ausgelöst hat.

Dieses mangelnde Feingefühl an psychologischer Glaubwürdigkeit ist es mitunter auch, was das Gezeigte zu bemüht aussehen lässt. Figurenentwicklungen kommen sprunghaft daher, folgen lediglich dem Pflichtablauf Hollywoods dieser Gattung Film ohne zu hinterfragen warum der Ablauf so sein soll oder gar muss. Die Graustufen zwischen Schwarz und Weiß sind riesig und deshalb rar vorhanden, und das macht diese Tragikomödie, die gerne irre sensibel auf den Zuschauer wirken würde, fast schon zu einem emotionslosem Erlebnis, würde nicht trotzdem noch eine Spur Restsympathie für das Projekt und die Darsteller im Raum schweben.

„Das grenzt an Liebe“ ist ein lobenswertes Werk in Bezug darauf, dass Hollywood sich inhaltlich an alten Menschen orientiert, ihnen Liebschaften in ihrem Alter so zugesteht wie es im richtigen Leben auch stattfindet und für dieses Ziel sogar seine Stars ehrlich mit ihrem Alter umgehen lässt. Die Ausarbeitung dieses Projektes ist jedoch alles andere als lobenswert zu nennen. Psychologisch undurchdacht, damit unglaubwürdig und zu bemüht inszeniert und dadurch kaum in der Lage Empathie für die Figuren zu erzeugen. Bis zum Schluss war es mir egal ob die beiden nun ein glückliches Paar werden oder nicht. Und das bedeutet eigentlich den Todesstoß für einen romantisch orientierten Film, auch wenn dieser an manchen Stellen die Filmromantik gekonnt gegen realitätsnahe Nüchternheit austauscht.


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