Sonntag, 24. Juli 2016

FROSTBITE (Frostbiten 2006 Anders Banke)


Die Teenagerin Saga zieht mit ihrer Mutter Annika in eine kleine Stadt. Saga wird auf eine Party eingeladen, auf der aus Mangel an Drogen unbekannte Pillen geschluckt werden, die ein Arzt des städtischen Krankenhauses entwickelt hat. Dieser untersucht unter dem Deckmantel der Gen-Forschung einen Vampir. Während Annika als neue Mitarbeiterin des Hospitals besagtem Arzt auf die Schliche kommt, verwandeln sich die Teenager auf der Party nach dem Verzehr des Medikaments langsam in Blutsauger...


Rave to the Grave...

Die atmosphärische Gegend, gerade im Winter, und die Landessprache machen es mir einfach Sympathie mit einem Horrorfilm aus Schweden aufzubauen. Das verleiht einem Werk aus diesem Land bereits ein eigenes, stimmiges Flair mit dem Optimismus und Neugierde geweckt werden. Da das ganze Szenario nun noch dauerhaft bei Nacht spielen darf, da es noch einen Monat lang dunkel bleiben wird, steht einer guten Stimmung bei guter Umsetzung nichts mehr im Weg. Und so bleibt es glücklicher Weise bei „Frostbite“ auch, der mit einer guten Besetzung, lobenswerter Kameraarbeit und einer interessanten Geschichte punkten kann und der positiven Ausgangslage somit gerecht wird.

Mit eher zurückhaltender Komik versehen gehört „Frostbiten“ (Originaltitel) zu dem Bereich der Horror-Komödie. Glücklicher Weise ist er einer jener Sorte in welcher der Horror-Part nicht zu kurz kommt. Anders Bankes Werk setzt auf eine düstere Stimmung ohne je ein wahrhaftig unheimliches oder gruseliges Werk zu inszenieren. Auch intensive Spannungsmomente sucht man vergebens, aber all dies benötigt „Frostbite“ mit seinen interessanten Charakteren und Szenarien nicht, die einen schnell und intensiv ans Geschehen binden, welches aus diversen nebeneinander her laufenden Plots bestehen, die einander beeinflussen.

Das meiste der Geheimniskrämerei erahnt man, Überraschungen gibt es nur sehr wenige. Dass es einen Monat lang Nacht bleibt verkommt zur Nebensache in einem Handlungszeitraum von einem Tag und wird somit nicht zu einer besseren Alternative zum mauen, ein Jahr später erschienenden „30 Days of Night“. Dafür wird er dies für den ebenfalls mauen "Return of the Living Dead 5", von dem man sich den Pillen-Hauptplot auf der Party entlieh.

Die einzelnen Geschichten bieten allesamt reizvolle Grundlagen und erzählen alle etwas anderes innerhalb einer in sich geschlossenen Vampirthematik. „Frostbite“ ist also kein Episodenfilm, wie man jetzt eventuell missverstehen könnte, jeder einzelne Handlungsstrang besitzt lediglich unterschiedliche Schwerpunkte innerhalb eines zusammenhängenden Geschehens. Und wenn man wie ich den langsamen Aubau einer Geschichte bevorzugt, dann wird man Freude daran haben zuzusehen wie Banke es geradezu zelebriert eine dichte Grundstimmung aufzubauen, Personen in Position zu bringen und den Spaß an der Vorfreude aufs Höchste herauszukitzeln.

Für die Explosion, zu der es zwangsweise irgendwann kommen muss, interessiert sich der gute Mann herzlich wenig, und das wird manchem Filmfreund nicht schmecken, genießt es Banke zwar drei Szenarien interessant einzuleiten und lange Zeit atmosphärisch packend in der Schwebe zu lassen, bei zwei von ihnen verpufft das Ganze jedoch in einem fast schon belanglosem Finale, einfach weil es ein Finale geben muss. Und da schließt „Frostbite“ mit eher mittelmäßigen Kämpfen, bevor er mit einer augenzwinkernden Pointe, die auch nicht wirklich vom Hocker reißt, aus dem Film entlässt.

Das liest sich negativ, und das werden auch viele Cineasten beim Sichten so empfinden, mir hat die ganze Chose jedoch so viel gute Unterhaltung beschert, dass es mir egal war, dass die letzten 20 Minuten von 97 Minuten Laufzeit nur noch Pflichtprogramm sind, und nicht mehr so einfallsreich ausfallen wie zuvor. Auch die letzte Phase ist immer noch wundervoll inszeniert, abgefilmt und gespielt. Und von der zu monströsen Gestalt des Obervampirs einmal abgesehen wissen auch die Kreaturen- und Spezialeffekte zu gefallen. „Frostbite“ verpufft jedoch inhaltlich, da muss man nichts schön reden. Ein nennenswerteres Finale wäre wünschenswert gewesen.

Jedoch nicht obligatorisch, wie sich zeigt, geht „Frostbite“ an seinem schwächelnden Finale doch nicht kaputt - höchstens für jene Zuschauer, die den sich sehr lange aufbauenden Plot als unangenehmes Zeitschinden empfunden haben. Die werden wahrscheinlich sogar das wesentlich rasantere Finale als den besten Part des Streifens empfinden. Für mich war Bankes Werk auf jeden Fall ein intensives und interessantes Erlebnis. Ich empfand die Stimmung in „Frostbite“ als düster und locker zugleich, ich mochte den zurückhaltenden Humor, empfand jeglichen Nebenplot als interessant und ebenso die Figuren. Dank einer atmosphärisch dichten Erzählung ist der Streifen somit für mich ein kleiner Geheim-Tipp geworden, auch wenn er am Schluss gar nicht so genau weiß wohin das, was er so sorgfältig aufgebaut hat, letztendlich führen soll. Einem gut inszenierten Film kann man so etwas Entscheidendes aber tatsächlich verzeihen.


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