Montag, 26. Dezember 2016

CYBORG SHE (Boku no kanojo wa saibôgu 2008 Kwak Jae-yong)


2007 verliebt sich der einsame Jiro in eine Unbekannte, die mit ihm seinen Geburtstag verbringt. Ein Jahr später taucht sie wieder auf und offenbart ihm, dass sie ein Cyborg ist, den sein Ich aus der Zukunft geschickt hat, um jenes aus der Vergangenheit zu beschützen...


Die Liebesterminatrix...

„Cyborg She“ hat das Herz am rechten Fleck. Deswegen und aufgrund seiner eigentlich professionellen Umsetzung fällt es schwer sich einzugestehen, dass er nur teilweise funktioniert. Liegt es an ihm oder an mir? Ich weiß es nicht, aber so richtig warm wurde ich nicht mit dem ungewöhnlichen Mix aus Komödie, Drama, Science Fiction, Love Story und Katastrophenfilm. In „Cyborg She“ vereinen sich allerlei Filmerinnerungen, vom klassischen Superheldenfilm, über „Mannequin“ bishin zum offen zitierten „Terminator“ ist alles vorhanden, innerhalb einer Geschichte die viel will und deshalb etwas unausgegoren wirkt.

In seiner jeweiligen Phase ist „Cyborg Girl“ (Alternativtitel) ein Film der Extreme. Stilsicher inszeniert entgleist Regisseur Kwak Jae-yong, der auch für das Drehbuch verantwortlich ist, eben jene Stilsicherheit, wenn er sich im Komödienbereich zu alberne Ausrutscher erlaubt, im Dramenbereich etwas arg in den Kitschbereich eintaucht, und in den aufklärenden finalen 15 Minuten dem Zuschauer zu viele bereits bekannte Szenen zumutet.

Würde der Schlusstwist einen befriedigt zurücklassen, würde man ihm aufgrund der ansonsten vorhandenen wunderschönen Szenen diese gelegentlichen Ausrutscher nicht übel nehmen. Aber wenn sich der inhaltliche Kreis mit den finalen Ereignissen schließt, merkt man erst wie dünn der Auslöser der Geschichte ist, der zwar zu Ende durchdacht ist, aber einen etwas willkürlichen Nachgeschmack hinterlässt, baut doch alles auf die Idee eines alten Mannes auf, seinem jüngeren Ich einen Cyborg als besten Freund zu schicken. Das ist trotz der cleveren Verstrickungen mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ein ziemlich plumper Auslöser.

Man könnte also durchaus noch ein wenig an „Boku no kanojo wa saibôgu“ (Originaltitel) herumdoktorn, ihn gerne auch um etwa 20 Minuten kürzen, damit er sich richtig entfalten kann. Die Reise in die Vergangenheit setzt etwas zu fordernd auf die Melancholie des Zuschauers und erreicht bei gleichem Kitschpegel dabei nicht das Ergebnis der romantischen Reise in die Vergangenheit in einer herzzerreißenden Sequenz im viel zu unbekannten „Zurück aus der Vergangenheit“, die bei ihrer Zeitreisethematik ironischer Weise in ihrer Gegenwart spielt. Kwak Jae-yong erwartet von einem Moment auf den anderen, dass man sich in solch eine Retro-Reise hineinversetzen kann, leistet also nicht ähnliche Vorarbeit wie Cary Medoway in ihrem Werk.

Wer einen Vergleich zum ähnlich klingenden „I‘m a Cyborg, But That‘s Okay“ erhoffte, der ist im völlig falschen Film. War dort jeglicher Schritt durchdacht, so wirkt der hier besprochene Film oft zu willkürlich, Episode an Episode reihend, und dabei nicht halb so intelligent ausfallend wie der unfaire Blick auf besagtes Südkoreanisches Produkt. Sieht man „Cyborg She“ für sich und mit einer großzügigen Distanz, so besitzt er in seinen guten Momenten eine herzerwärmende und zum Schmunzeln einladende Geschichte, die emotional überraschender Weise mehr über die Mimik des männlichen Hauptdarstellers funktioniert als über die der verführerischen Schönen. Man muss Jiro einfach mögen, und deshalb möchte man auch seine Geschichte mögen. Zumindest funktioniert das immerhin zum Teil.


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