ZURÜCK AUS DER VERGANGENHEIT (The Heavenly Kid 1985 Cary Medoway)


Bobby stürzt im Teenageralter bei einer Mutprobe in den 60er Jahren mit einem Auto von einem Abgrund. Bevor er im Jenseits jedoch die obere Stadt passieren darf, muss er sich auf Erden bewähren und wird deshalb in den 80er Jahren auf diese zurück geschickt, um sich um den tolpatschigen Lenny zu kümmern. Lenny, der den Toten als einziger sehen und hören kann, bekommt von Bobby Nachhilfe in Sachen Coolness und Mädchen, und trotz der veralteten Methoden funktioniert alles nach diversen Fehlschlägen recht gut. Als Bobby jedoch entdeckt, dass Lenny der Sohn seiner großen Liebe von damals ist, kann er dies nur schwer verarbeiten...


Auch Tote lassen sich ungern von einem Lastwagen überrollen...

Schlicht erzählt, viel geklaut und kaum bekannt braucht es nicht verwundern, dass der damals oft auf Sat 1 gelaufene Teenie-Film "Zurück aus der Vergangenheit" in Deutschland nie den Weg auf DVD geschafft hat. Dabei braucht man mit dem zweiten und letzten Film des Regisseurs Cary Medoway gar nicht zu streng ins Gericht zu gehen, ist er doch trotz aller offensichtlicher Mängel ein charmantes Produkt, das sich durchaus lohnt zu gucken, für Cineasten mit guten Englischkenntnissen gar mehr, da die Synchronisation seiner Zeit nicht gerade vorteilhaft ausgefallen ist. Dass der Film aber selbst mit ihr funktioniert, beweist nur die Stärke der Emotionen, die er auszulösen weiß, ist "The Heavenly Kid" (Originaltitel) doch ein wundervoller Mix aus Humor und Kitsch, der Nostalgie und Trauer auf gekonnte Art manipulativ zu nutzen weiß.

Wer komplett unempfänglich für Kitsch ist, wird freilich ausgeschlossen, und ohnehin muss man ein Flair für den schlichten, kleinen 80er Jahre-Film für zwischendurch besitzen, um mit "Zurück aus der Vergangenheit" etwas anfangen zu können. Aber wenn die Chemie zwischen Zuschauer und Film funktioniert, schließt man die kleine Fantasy-Komödie schneller in sein Herz als man als Außenstehender nachvollziehen kann. Dass diverse Story-Plots und Ideen dreist aus "Teen Wolf", "Käpt'n Blackbeards Spukkaschemme" und manch anderen Streifen geklaut wurden, interessiert dabei herzlich wenig, denn der sympathisch routiniert besetzte Film trifft die richtigen Töne. Schlichte Lacher im Humorbereich und emotionale Momente werden stets von den liebevollen Figuren getragen, so dass sie ohne großes Kino sein zu müssen funktionieren. An zartbesaiteten Tagen kann man gar ein Tränchen verlieren, wenn Bobby sich seiner Trauer stellt, oder Lenny zu Beginn eines wundervollen Songs, der auch das Titellied des hier besprochenen Filmes ist, seinem Schutzengel zum Abschied winkt.

Im Humorbereich trumpfen oft jene Gags, die aus Bobbys Unsichtbarkeit für die anderen Menschen entstehen. Dass sich diese wahrscheinlich schon zu seiner Zeit tricktechnisch längst überholt schauen, stört dabei überhaupt nicht, ebenso wie die wackelnde Logik, die Bobbys Gesetzmäßigkeiten immer so nutzt wie sie gerade benötigt werden. Emotional trifft Medoway stets den richtigen Punkt, so dass selbst Peinlichkeiten wie der Fakt, dass im besagten Steinbruch angeblich immer noch die Autowracks von einst stehen, nicht weiter stören, da das ausgelöste Gefühl bei einem empathischen Publikum dominiert und sich in der Schwermut dieser Szenen herzlich wenig um Realismus schert. Das funktioniert deshalb so gut, weil "Zurück aus der Vergangenheit" ohnehin nur ein Märchen für Erwachsene sein soll. Und da dieses in einer Leichtigkeit erzählt wurde, die sich nicht nur auf ihr Recht zur Ignoranz ausruht, sondern auch Respekt vor ihren Figuren beweist, geht die Rechnung auf und einer kurzweiligen und emotional intensiven Unterhaltung steht nichts im Weg. Wer von dieser wunderschönen Erzählung um Freundschaft und verlorene Chancen angesteckt wird, wird Lenny immer wieder von Bobby heimsuchen lassen.


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