Dienstag, 27. Dezember 2016

THE BOX - DU BIST DAS EXPERIMENT (The Box 2009 Richard Kelly)


Die 70er Jahre: Es klingelt an der Tür. Vor der Tür steht ein Päckchen. Darin befindet sich ein Apparat mit einem großen Knopf. Ein später auftauchender Besucher erklärt dem jungen Pärchen, dass sie beide eine Millionen Dollar erhalten, wenn sie den Knopf drücken. Gleichzeitig würde jedoch eine ihnen unbekannte Person auf der Erde sterben. Die Frau drückt den Knopf...


Gestapeltes Wasser über dem Bett...

Das Problem an „The Box - Du bist das Experiment“ ist der, dass bereits sein an die „Twilight Zone" erinnernder Aufhänger völlig blödsinniger Natur ist. Würde dem Pärchen irgend etwas näher erklärt, so dass aus Worthülsen eines wirr wirkenden Fremden mehr als leeres Geschwätz wird, könnte man mit der Verführung der beiden arbeiten, die dann, wie geschehen, eine Geschichte in Gang setzt, deren weiteren Verlauf die beiden nicht erahnen konnten, sich aber dennoch selbst zuzuschreiben haben. So wie erzählt würde jedoch nie irgendwer die Worte des Fremden ernst nehmen. Seine Geschichte ist an den Haaren herbei gezogen, das Kästchen völlig leer, man würde höchstens verspielt den Knopf drücken, da ohnehin nichts geschehen würde. Aber ernsthaft über die Sachlage diskutieren und sich gar verunsichern lassen, würde jede erwachsene Person in diesem Universum ganz sicher nicht.

„The Box“ ist ein Film, der gerne ein aufregender zweiter „The Game“ wäre, versehen mit übernatürlichen Elementen, die einen in eine andere Wahrnehmung entführen, während den Protagonisten die Luft zum Atmen genommen wird. Nun soll es ihnen an den Kragen gehen. Gibt es eine Chance den Hals aus der selbstgeknüpften Schlinge zu ziehen? Besteht Hoffnung wenn der Test doch auf pseudo-philosophische, esoterische Art nach Hoffnung sucht? Das ist alles zu konstruiert, zu sehr gewollt und leider, leider völlig geistlos erzählt, so dass nur all zu naive Persönchen den Film zu ernst nehmen können. Das Problem: wer es nicht kann, hat auch nichts davon zuzuschauen. Der muss sich über 90 Minuten lang viel zu ernst erzählten, albernen Mumpitz ansehen, der gerne irre tiefgründig wäre.

Hätte ich nicht irgendwann den Director‘s Cut von „Donnie Darko“ gesichtet, würde ich mich wundern warum der Regisseur und Autor Richard Kelly mit dem einen Werk ein tiefgründiges Meisterwerk geschaffen hat und mit dem anderen geistigen Durchfall. Doch eben jener Director‘s Cut dieses eigentlichen Liebhaberstücks (die klassische Fassung gehört zu meinen Top 5 überhaupt) weist ähnliche Schwächen auf, wenn auch nicht ganz so gravierend, an denen auch der hier besprochene Film leidet. „Donnie Darko“ wurde im DC seiner Mystik beraubt, seiner heimlich im Hintergrund laufenden Parallelhandlung um die veränderte Mentalität der Menschen während der 80er Jahre, und er erklärt in seiner Science Fiction-Hauptgeschichte zuviel dessen, was der Zuschauer selbst hätte entdecken müssen.

Die Mystik fehlt auch „The Box“, auch wenn er arg darin bemüht ist die Hintergründe rätselhaft zu halten. Lange Zeit weiß man nicht was das alles soll, ich würde lügen wenn ich das Gegenteil behaupten würde, aber ab da wo von außerirdischem Leben die Rede ist, ist der Film vorhersehbar und verliert auch seinen letzten Reiz. Leider verkommt „The Box“ zu einer Lächerlichkeit, eben weil er all die Stationen ernsten und beängstigenden Kinos tapfer und bierernst abarbeitet. Bei fehlender Identifikation und albernem Geschehen puscht das die unfreiwillige Komik enorm, bishin zu den Finalerlebnissen, die hoch emotional gemeint sind und keinen halbwegs bodenständigen Menschen zu Tränen rühren.

Zwar machen die Darsteller ihre Arbeit alle gut, aber auch sie können gegen den hier herrschenden Unsinn nicht ankämpfen. Was zunächst eine wackelige Angelegenheit aufgrund des eingangs aufgegriffenen Problemes ist, wird mit fortschreitender Laufzeit zu einem immer peinlicher werdenden Produkt, um dessen Aufhänger es ein wenig schade ist, machte dieser als Covertext doch wirklich neugierig. Wer auch verkopften, nüchternen Stoffen eine Chance geben kann, dem empfehle ich stattdessen Hanekes „Caché“ zu gucken, der beginnt zumindest mit einem halbwegs ähnlichen Aufhänger und ist bei völlig anderen darauf aufbauenden Situation durchdacht, konsequent und spannend geraten und damit das Gegenteil von „The Box“.


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