Freitag, 17. Februar 2017

DER LANGE BLONDE MIT DEN ROTEN HAAREN (La moutarde me monte au nez 1974 Claude Zidi)


Der Mathematiklehrer Pierre landet aufgrund vertauschter Unterlagen und einer Verkettung ungünstiger Umstände in der Klatschpresse als Geliebter einer berühmten Schauspielerin...


Von einer eingegipsten Gummipuppe...

Seit Pierre Richard mit „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ einen Hit gelandet hatte, wurde jeder gefühlte dritte Film des Komikers in Deutschland irgendwie als Anlehnung an diesen betitelt. Ob nur in einer Nebenrolle agierend in „Der Blonde mit den blauen Augen“, den Titel nur leicht streifend mit „Der Sanfte mit den schnellen Beinen“ oder ganz dreist eine Fortsetzung des Erfolgsfilmes vorgaukelnd in „Der große Blonde auf Freiersfüßen“, es wurde getrickst und verfälscht, um irgendwie am vergangenen Erfolg gebunden Zuschauer ins Kino zu locken, anstatt die Werke für sich sprechen zu lassen. Zu den einfallsreichsten Titeln dieser Art darf aufgrund seines absichtlich absurden Widerspruchs „Der lange Blonde mit den roten Haaren“ gezählt werden, der sich auf eine relativ kurze Phase des Filmes stützt, in welchem Pierre rosa gefärbte Haare hat.

Mit der eigentlichen Geschichte hat dies recht wenig zu tun, ist es doch nur ein Ungeschick von hunderten, welches Pierre passiert ist. Und dem geschieht wahrlich viel Unangenehmes in Claude Zidis Werk, so dass man diesen als wirklich geradezu typischen Pierre Richard-Film zählen kann. Zu seinen besten gehört „Lucky Pierre“ (Alternativtitel) nicht, dazu ist er etwas zu lahm inszeniert und zu konstruiert erzählt. Aber er geht als Zwischendurchverzehr, gerade für Freunde des großen Blonden, in Ordnung, zumal er in der letzten halben Stunde flotter und kurzweiliger ausfällt als zuvor.

Einfallsreich sieht anders aus, und die lustigsten Szenen besitzt der Film meist dann, wenn Pierre Richard gar nicht zur Stelle ist. So gibt es eine sehr lustige Szene in einem Operationssaal zu sehen, in welcher der amtierende Chirurg aufgrund unangenehmer Nachrichten ein größeres Blutbad anrichtet, als man es in manchem Horrorfilm zu sichten bekommt. Und wenn in einer anderen Szene die aufgrund der Boulevardpresse wütend gewordene Schauspielerin in einer Saloonschlägerei so wild auf die Stuntmänner einprügelt, dass die ihres Lebens nicht mehr sicher sind, haben wir den zweiten humoristischen Höhepunkt des Streifens erreicht.

Was das Pech des Pierre, der Hauptperson, betrifft, das wird etwas zu hochgeschaukelt, selbst für meinen Geschmack. Wo ein „Der Tolpatsch mit dem sechsten Sinn“ aufgrund der absurden Erlebnisse in der überdrehten Dosis zu gefallen wusste, da fallen die Chaosketten in „Der lange Blonde mit den roten Haaren“ wesentlich durchschnittlicher aus, und schauen sich gelegentlich anstrengend anstatt belustigend.

Wie bereits erwähnt geht das als Durchschnittskost in Ordnung, zu Schmunzeln bekommt man schließlich genug vor die Nase gesetzt. Und mit Jane Birkin hat man Pierre Richard zudem eine wahre Schönheit an die Seite geschrieben, sogar mit einer kurzen Nacktaufnahme versehen. Diese in Kombination mit dem amourösen Thema veranlasste die Texter des deutschen DVD-Covers dazu den Film idiotischer Weise wie eine Erotikkomödie klingen zu lassen, was erneut beweist wie bemüht man in Deutschland ist Geld mit Pierre Richard zu machen, der nie den Bekanntheitsgrad von Louis de Funès erreicht hat, was sehr schade ist, so talentiert wie dieser Mann in jedes Chaos stürzt.


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