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Samstag, 6. Mai 2017

ANGRY BIRDS - DER FILM (The Angry Birds Movie 2016 ClayKaytis u.a.)


Vogel Red ist genervt vom ewig fröhlichen Alltag auf der Vogelinsel. Als eines Tages Schweine an Land kommen und sich recht zwielichtig als Freunde ausgeben, ist Red der einzige, der den Besuchern kritisch gegenüber steht. Und Red soll recht behalten...


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Der auf einem Computerspiel und der darauf gefolgten TV-Serie „Angry Birds“ basierende Kinofilm „Angry Birds - Der Film“ versteht sich zu großen Teilen seiner Geschichte als Appell ans kritische Denken. Er fordert auf Dinge zu hinterfragen. Und das scheint heutzutage wichtiger denn je, geht das Infragestellen vorgesetzter Normen doch immer mehr verloren. Vielleicht könnte man es deswegen gut heißen, dass eine solch wichtige Thematik in einen Mainstreamfilm gesteckt wird, jenem Ort, wo man genau jene erreicht, die das kritische Denken verlernt zu haben scheinen, so sehr wie sie sich auf alles stürzen was in den Massenmedien für gut befunden wird.

Was strategisch einfallsreich und wirksam klingt, erweist sich jedoch als eine Botschaft ertränkt in Party-Action, Klamauk und bunten Bildern, so dass ohnehin nur jene die Botschaft ernst nehmen oder erkennen, die zu diesem Thema ohnehin schon aufgeklärt sind. Der Rest kann sich vom oft geistlosen Getue der Kultvögel zudröhnen lassen, wie ein Seehund mit den Flossen klatschend, wenn starre wiedergekäuerte Erfolgsrezepte von sicher gehen wollenden Produzenten Einfallsreichtum ersetzen und Stangenware getarnt als Provokation servieren. Die kommt freilich so weichgespült daher wie das komplette Genre des familientauglichen 3D-Zeichentrickfilms mittlerweile geworden ist, eine Warnung also für jene die hofften „Angry Birds“ könne der Ausnahmefilm in diesem Meer an übertriebenem Liebreiz, pflichtmäßigem Abarbeiten eines formelhaften Drehbuchs und dem Preisen einer unreflektierten Spaßgesellschaft sein.

Elemente die das Gegenteil suggerieren sind durchaus vorhanden, das zeigt bereits besagter Appell ans kritische Denken. Manche Gags am Rande sind tatsächlich intelligent ausgefallen, Reds zynischer Umgang mit der arglos fröhlichen Gesellschaft zu Beginn treffen den Nerv der Zeit. Und für Deutsche wirkt die hier aufkommende Thematik der Einwanderung aktueller denn je, egal ob man sie gut heißt, verachtet oder ihr kritisch gegenüber steht. Doch wohin führt diese Rezeptur innerhalb eines Filmes, der sich ansonsten gnadenlos den Regeln seines Genres unterwirft, eines das nichts mehr mit dem sympathisch albernen „Shrek“, dem erwachsenerem Humor von „Antz“ oder dem klassischen Zeichentrickcharme von „Toy Story“ zu tun hat, sondern zu einer Filmgattung verkommen ist, welche die Hohlen nährt, den Realitätsverweigerern dabei hilft sich von der Wirklichkeit immer mehr zu entfernen und deren Denken mit den immer wieder propagierten, fragwürdigen, wiederkehrenden Aussagen prägt, zumindest bei jenen die ergänzende (pop)kulturelle Medien ignorieren?

„Angry Birds - Der Film“ ist ein Wolf im Schafspelz, der so tut als ob er aufklären wolle, angepasster aber kaum sein könnte. Das zeigt sich bereits animationstechnisch wenn die zeitgemäß angepassten, innovationslos animierten, kunterbunten 3D-Vögel so gar nicht zum grundlegenden Appell des Films passen wollen (ganz im Gegensatz zu der kurz aufkommenden Sequenz im klassischen Zeichentrickstil, der dem Film gut gestanden hätte). Die nett anzuschauenden grünen Schweine (neben der Vogelbabys das optische Highlight in der Figurenwelt von „Angry Birds“) bekommen einen leicht bitteren Nachgeschmack aufgrund des plumpen Versuches die einfallslos animierten Minions zu kopieren, die von den Stammzuschauern familiengerechter Trickfilme längst zum Kult erklärt wurden (warum kann besagtes Fan-Publikum sicherlich nicht einmal argumentativ erklären, der Kult lebt vom Impuls, warum etwas als gut oder schlecht empfunden wird, wird nicht hinterfragt).

Unterhaltungstechnisch funktioniert „Angry Birds“ zwischendurch trotzdem immer wieder. Das Ärgernis über die von mir angesprochenen Themen bremst den Film nur leider immer wieder aus und lässt einen verärgert (passend zum Film) die Augen verdrehen, denn man erkennt was alles mit diesem Stoff möglich gewesen wäre, wenn man sich nicht dem Massengeschmack hingegeben hätte. Vielleicht schaut sich auch deswegen das geistloser ausgefallene Finale wesentlich entspannter und unterhaltsamer als der lange Mittelteil, kommt einem das Szenario dort doch nicht so geheuchelt vor wie der Rest der Geschichte, so dass die ohnehin fortlaufend enthaltenden sprudelnden Ideen einmal kompromisslos funktionieren können. Somit lässt sich „The Angry Birds Movie“ (Originaltitel) zumindest halbwegs amüsant gucken.


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