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Sonntag, 16. Juli 2017

MAD MAX 3 - JENSEITS DER DONNERKUPPEL (Mad Max Beyond the Thunderdome 1985 George Miller u.a.)


Nachdem er beraubt wurde, stößt Max auf die Stadt Bartertown, deren Gründerin ihm ein Geschäft unterbreitet. Als Max sich darauf einlässt, sich jedoch nicht an die vereinbarten Abmachungen hält,  wird er ins Exil geschickt. Am Ende seiner Kräfte angelangt sackt er mitten in der Wüste zusammen und wird von einer Gruppe Kinder aufgelesen, die ihn für den Messias hält, der sie dorthin Heim bringt, wo ihre Vorfahren einst herkamen...


Bratpfannen gegen Bösewichter...

Wer auch immer auf die selten dämliche Idee kam aus „Mad Max“ einen Kinderfilm zu machen, egal ob nun für Byron, dem der Film gewidmet ist, oder nicht, der sollte sich ordentlich schämen, ist das was manch einer ein mutiges Projekt nennen dürfte nicht nur nicht geglückt, es lädt auch ebenso zum Fremdschämen ein wie einst „Ein Junge und sein Hund“, der seinerzeit in einigen Dingen sicherlich Pate für „Mad Max 2“ stand.

Nicht nur dass sich die Brutalität des bereits bekannten Zukunftsbildes, auch wenn sie stark abgeschwächt wurde, nicht mit der Mentalität eines Kinderfilmes vereinen lässt, auch der komplett undurchdachte Plot, der darauf setzt dass man sich über das Gesehene bloß keine Gedanken macht („Mad Max 4“ sollte es Teil 3 diesbezüglich nachmachen), lässt es nicht zu, dass aus „Mad Max 3 - Jenseits der Donnerkuppel“ ein guter, alternativ zur Ursprungsreihe, funktionierender Film wird.

Fans der ersten beiden Teile werden ohnehin verprellt, wenn Benzin- und Diesel-betriebene Fahrzeuge nicht mehr das Hauptgeschehen dominieren, das bizarre Zukunftsbild von einst gegen eine Jahrmarkts-ähnliche Freakshow ausgetauscht wird und ein wunderlicher Stamm von Kindern, unversehrt, scheinbar nie einer Attacke durch Anarchisten ausgesetzt, in der letzten Oase der Zukunft wohnend und trotzdem auf Utopia hoffend, an die unbeliebten Ewoks aus „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ erinnern. Hier wird der Zeitgeist deutlich, in welchem der Film entstand, wurde geistreiches Provo-Kino doch immer mehr gegen undurchdachtes Unterhaltungskino für die ganze Familie ausgetauscht, und das weiß am hier besprochenen Werk auch ohne Blick auf die beiden ersten Teile zu nerven.

Wenn Kinder sich gnadenlosen Banditen per Bratpfanne zur Wehr setzen, die einzige Autoverfolgungsjagd dafür genutzt wird mit kindlischer Begeisterung Tuff Tuff Tuff-Lokomotive zu spielen und das Ganze zudem noch hin und wieder mit Musik untermalt wird, die auch in einem „Pippi Langstrumpf“-Film Platz gefunden hätte, dann atmet man nicht mehr den Stoff, den der Ur-Fan der Reihe sehen will. Dann setzt man auf ein völlig neues Publikum.

Nicht nur dass typische 80er Jahre-Schrulligkeiten dem Zeitgeistcharakter einer dystopischen Welt nach dem Krieg seine eigene Identität berauben und somit das Entstehungsjahr in eine alternative Zukunft teleportiert, auch neu aufgekommene Unannehmlichkeiten dieser Zeit, wie das Besetzen eines Stargastes, egal ob dieser schauspielern kann oder nicht, in diesem Falle die damals gerade angesagte Tina Turner, bekommen ihren Platz in einem Film beschert, der nur noch Produkt ist, Geldmacherei und somit alles andere als ein Herzensprojekt. Das zeigt allein die schlecht choreographierte Verfolgungsjagd am Schluss, die bei weitem nicht die Mühe beschert bekommen hat, die noch hinter dem großartigen Finale des Vorgängers steckte.

Viel mehr konzentriert man sich diesmal auf barbarische Spielereien, die in einer Serie wie „Lexx“ zu gefallen wissen, dort aber auch nur, weil sie augenzwinkernd betrachtet werden. Die Löwenarena namens Donnerkuppel und das selten dämliche Schicksalsrad für Gesetztesüberschreiter, wird hingegen viel zu ernst genommen innerhalb eines Filmes, in dem nicht nur Kinder sich gegen einem Haufen skrupelloser Barbaren locker zur Wehr setzen können, sondern eine neu aufgebaute Zivilisation in dieser bitteren Zeit zudem so einfach ohne Sicherheitsvorkehrungen einzunehmen ist, wie es uns Richtung Finale völlig dreist demonstriert wird.

Ich weiß nicht woran es liegt, dass sich „Mad Max Beyond Thunderdome“ (Originaltitel) trotzdem noch halbwegs brauchbar guckt, anstatt dass sein Fremdschämen ihn gnadenlos vernichtet, aber auf ganz dünnem Eis schreitend funktioniert die Umkehrung des zweiten Teiles halbwegs, vielleicht auch weil Spiegelungen zu diesem bewusst angegangen werden. Max bleibt diesmal freiwillig zurück für die bessere Zukunft einer Gesellschaft. Und auch er könnte eines Tages ein Happy End erleben, wenn er irgendwann die Lichter in der Ferne sieht und Teil der neu gegründeten Gesellschaft werden kann. Aber was ist das Hausen in den Ruinen einstiger Großstädte für ein Happy End, alternativ zum vorherigen Wohnort der Kinder, am fließenden, sauberen Wasser gelegen, in einem „Planet der Affen“-ähnlichen kleinen Dorf, an dessen Ort sogar ein paar Pflanzen wachsen?

Aber wer sich solche Fragen stellt, gehört bereits nicht zum Zielpublikum dieses dümmlichen Filmes, der sich nur auf Denkverweigerer verlässt, oder auf jene, die es so geil finden actionreiches Familienkino zu sichten, inklusive der für das junge Zielpublikum obligatorischen Rutschpartie-Szene, dass es ihnen vor lauter infantiler Schauwerte egal ist, dass alles um sie herum keinen Sinn ergibt. Damit kann man aber zumindest dem Mainstream-Publikum von heute, welches scharf auf „Deadpool“, „Transformers“ und Co ist, „Mad Max 3“ als kleinen Filmklassiker gleichem Niveaus ans Herz legen.


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