Samstag, 4. November 2017

DER HARTE UND DER ZARTE (Loose Cannons 1990 Bob Clark)


Ein knallharter Cop bekommt bei einer neuen Mordermittlung einen Partner zur Seite gestellt, der seit einer überlebten Folter multible TV-Persönlichkeiten entwickelt hat, die er nach seiner Therapie im Kloster nicht so gut unter Kontrolle hat wie erhofft...


Den Mond anheulen kann vereinen...

Deutlich vom Erfolg der „Lethal Weapon“-Welle inspiriert, macht „Der Harte und der Zarte“ von Anfang an deutlich, dass er nicht so gut funktioniert, wie das Rezept des erfolgreichen Vorbildes einst. Wenn zu einer Actionszene erstmals das billige, uninspirierte 80er Jahre-Gedudel beginnt, ist man bereits zum ersten Mal herausgeworfen aus einem Film, der sich viel zu bemüht schaut und einfach nicht funktionieren will. Das beginnt bei der nicht überzeugenden, viel zu lahm ausgefallenen Actionchoreographie, das Integrieren dieser Szenen in eine viel zu verblödete Story und krankt allerspätestens bei der nicht vorhandenen Chemie zwischen Gene Hackman und Dan Aykroyd.

Aber wie hätten selbst zwei Profis wie diese beiden etwas retten können an einem Plot, dessen Motivation man bei dieser Charakterisierung überhaupt nicht versteht? Improvisations-Profi Dan Aykroyd ist ein höchst lustiger Mime, aber seine Grimassenschneiderei will hier einfach nicht funktionieren, verkörpert er doch eine Rolle, die man fünf Jahre später Jim Carrey erfolgreich auf den Leib geschrieben hätte. Mag manch kranker Blick noch funktionieren, so will ich trotzdem nicht begreifen was daran lustig ist, wenn er in gefährlichen Situationen plötzlich zum Road Runner, zur halben „Raumschiff Enterprise“-Besetzung oder zu Woody Woodpecker wird. Nicht einmal sein nächtlicher Streifzug als Dracula, den man nur akustisch aus der Perspektive des verstörten Kollegen mitbekommt, will ins Schwarze treffen, obwohl diese Idee in der Theorie doch recht reizvoll klingt.

Aber auch die Figur Hackmans will nicht überzeugen, versteht man doch nicht was sie ausmachen soll. Auf der einen Seite soll sie die typisch harte, abgefuckte Stereotype sein, die ein Bruce Willis so wunderbar geprägt hat, nur eine Spur asozialer ausgefallen, dafür ist sie nur wenige Momente später allerdings viel zu soft und sozial geprägt. Und selbst noch als Wackelkandidat, dessen Charakterschwerpunktsetzung nie ganz deutlich wird, versteht man auch nicht seinen Beweggrund sich dem Verrückten schließlich freundschaftlich zu nähern. Dies überzeugt erst, wenn es so weit ist und die beiden schließlich in einem zu Action-dominanten letzten Drittel glaubwürdig an einem Strang ziehen.

Dom DeLuise ist als Sidekick a la Joe Pesci aus den Fortsetzungen des Vorbildes gedacht, darf aber einfach nur dick und gelegentlich auch mal nervig sein und weiß nur einmal halbwegs zu belustigen, wenn er sich Sorgen darüber macht, dass nun auch die Hackman-Rolle in den Wahnsinn abrutscht, wenn diese gemeinsam mit der Aykroyd-Rolle den Mond anheult. Und warum man ausgerechnet „Porky‘s“-Regisseur Bob Clark an einen Actionstoff heranlässt, bleibt wohl ein ewiges Rätsel. „Loose Cannons“ (Originaltitel) bleibt um Weiten hinter der Teenie-Trilogie, dem sympathischen „Karriere mit links“ und erst recht hinter seinen grandiosen Horrorfilmen „Jessy - Die Treppe in den Tod“ und „Dead of Night“ zurück. Was wirklich Gutes sollte nach „Der Harte und der Zarte“ aber ohnehin nicht mehr von ihm kommen. Aykroyd erging es ähnlich, und Hackman sieht man zumindest an, dass er sich im hier besprochenen Film fremdschämt.


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