2018/02/28

THE DEAD 2 - INDIA (2013 Howard J. Ford u.a.)


Als die in Afrika erstmals aufgetretene Zombieseuche auch in Indien ausbricht, macht sich der in diesem Land als Ingenieur arbeitende Amerikaner Nicholas auf den Weg zu seiner 300 Meilen entfernten indischen Freundin Ishani. Ein ortsansässiges Waisenkind begleitet ihn, um ihm den Weg zu zeigen...


Ein Ingenieur auf den Weg in die Slums...

Der britische Zombiefilm „The Dead“ hob sich von den Durchschnittswerken und den schlechten Beiträgen, die seit Jahren den DVD-Markt überfluten, mit seiner Bodenständigkeit, interessanten Charakteren und einem guten Spannungsbogen erfreulich ab. Allein das zweideutige Ende der Geschichte machte neugierig auf eine Fortsetzung. Als diese drei Jahre später tatsächlich entstand, interessierte sie sich nicht mehr für den Helden des Erstlings und verlagerte den Handlungsort von Afrika nach Indien. Das ist zwar schade, dank der erneuten Anwesenheit der Ford-Brothers in Sachen Drehbuch und Regie und derer im Vorgänger lobenswert aufblitzenden Sensibilität für andere Kulturen, blieb meine Hoffnung jedoch recht hoch es bei der Fortsetzung ebenfalls wieder mit einem überdurchschnittlichen Genre-Beitrag zu tun zu haben. Doch auch wenn „The Dead 2 - India“ nach Außen den Eindruck macht ebenfalls eine besonnene, professionell erzählte Ausnahme im Bereich des Zombiefilms zu sein, so ist das Ergebnis doch alles andere als befriedigend ausgefallen.

Selbstverständlich hat man die schluffende Art der Zombies aus dem Vorgänger beibehalten und auch die handgemachten Goreeffekte, beides Eigenarten, die eine Verwandtschaft zu den alten europäischen Zombiefilmen des vergangenen Jahrhunderts herstellen. Und auch die Hauptfigur der Geschichte handelt erneut bedacht und sensibel und ist alles andere als ein reißerischer Held, sondern stattdessen bodenständig angelegt wie die ruhige Erzählart, für die man sich auch in der Fortsetzung erneut entschied. So toll sich das alles auch lesen mag, all diese Mühe nutzt nichts in einem spannungsbefreiten, monotonen Szenario, dem die dichte Atmosphäre aus Teil 1 und eine packende Dramatik fehlt. Stets setzt man trotz zurückhaltendem Stil auf äußere Schauwerte. So darf der still gezeichnete Held allein in den ersten 20 Minuten ständig sein Fortbewegungsmittel ändern, damit er mal in der Luft agieren kann, mal mit dem Auto Zombies überfahren darf und manches Mal antiquiert heldenhaft auf einem Motorrad wirken darf. Auch dass er von einem kleinen Waisenjungen begleitet wird, wird vielen Zuschauern nicht schmecken. In der Deutschversion nervt bereits seine Synchronstimme. Aufgrund nicht vorhandener Untertitel auf der deutschen DVD konnte ich leider nicht auf den Originalton umschalten.

All diese Kritikpunkte mögen noch Ansichtssache sein, die bei anderer Wahrnehmung, anderen Lebenserfahrungen und einer passenden Tageslaune völlig anders empfunden werden können, als es mir erging. Der entscheidene Schwachpunkt an der Fortsetzung ist jedoch seine Optik während der Zombieattacken. Während der Rest des Films angenehm ruhig eingefangen ist, wenn auch nicht mehr in solch beeindruckenden Kulissen abgefilmt wie in Teil 1, wird die Kameraführung während der Zombieszenen unruhig, nicht derart hektisch geschnitten und verwackelt wie es in Werken a la „Resident Evil 2“ und „Schlachtnacht“ der Fall war, aber doch höchst unangenehm anzuschauen, erst recht wenn man mit den Erwartungen eines Teil 1 an „The Dead 2“ herangeht. Auch entrückt aus dieser ungerechten Perspektive zerstören die hektischen Aufnahmen vorhandenes Potential, so dass der Schauwert Zombie stark geschädigt wird.

Selbst wenn man im Laufe der Zeit endlich akzeptiert hat es bei der Fortsetzung mit einem schwächeren Werk zu tun zu haben, so schaut sich der zweite Film dieses Themas der Ford-Brothers doch auch eigenständig betrachtet keineswegs reizvoller. Auch aus dem Schatten des Vorgängers getreten, ist „The Dead 2 - India“ lediglich ein mittelmäßiger Film, dem es an interessanten Geschehnissen mangelt, welche der immergleichen Zombieepidemie-Leier einen besonderen Sehwert beschert, um sich aus der Masse hervorzuheben. Zumindest was die Sensibilität anderer Kulturen betrifft, erweist sich auch die Fortsetzung als lobenswerte Ausnahme. Wenn über das Ende der Welt oder den möglichen göttlichen Sinn einer solchen Epidemie sinniert wird, wirkt die Fortsetzung jedoch weit mehr aufgesetzt als der erste Teil, der diese Art Thema nur kurz anriss, ihren Esoterikgehalt jedoch bestens ins vorhandene Szenario einzukleiden wusste, so dass selbst dieser Part bodenständigen Rückhalt erfuhr. Genau an solchem Feinsinn fehlt es „The Dead 2“ fast komplett, oftmals erfährt man diesbezüglich eher theoretisch bemühte Ansätze, die nicht immer ehrlich wirken.


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