DER WERWOLF VON LONDON (Werewolf of London 1935 Stuart Walker)


Der Botaniker Dr. Glendon wird während einer Expedition in Tibet von einem Werwolf gebissen. In der Nacht vor dem nächsten Vollmond wird er daheim von Dr. Yogami aufgesucht, der ihm offenbart dass er der Werwolf war und Glendon nun auch zu einem werden wird. Einzig die Blüte jener exotische Pflanze, die der Botaniker zur Zeit versucht bei künstlichem Mondlicht erblühen zu lassen, kann verhindern, dass sich beide in Bestien verwandeln. Leider scheitern Dr. Glendons Versuche mit der Pflanze bislang, und so kommt es wie es Dr. Yogami vorausgesagt hat...


Der jaulende Wissenschaftler...

Sechs Jahre bevor die Universal Studios den heute noch berühmten Monsterfilm "Der Wolfsmensch" produzierten, versuchte sich besagtes Studio bereits am Werwolf-Thema. Der bei uns unter dem Titel "Der Werwolf von London" erschienene Film macht einiges richtig, was sein prominenterer Vertreter später falsch machen sollte. So ist die Hauptrolle wesentlich überzeugender besetzt, und das Werwolf-Kostüm weiß trotz seiner stark menschlichen Reduzierung weit mehr zu gefallen, als jenes aus dem mit "Frankenstein trifft den Wolfsmenschen" fortgesetzten Streifen. Selbst die Verwandlungssequenz weiß weitaus mehr zu überzeugen, was an der gelungenen Umsetzung Stuart Walkers liegt, der eine weit weniger aufwendige Verwandlungsmethode durch das Fortbewegen des Mutierenden interessant gestaltet. Stets läuft er hinter Mauern und Gegenständen umher, und wenn er wieder auftaucht, ist er ein Stück mehr verwandelt. Das weiß zu gefallen.

Zudem wurde ein nicht wirklich nötiger Aspekt der Geschichte mit Liebe zum Detail gestaltet, und dies ist die zu untersuchende exotische Blume des Botanikers, die recht glaubwürdig getrickst wurde, wenn auch durch die nostalgische rosa Brille betrachtet. Getoppt wird sie jedoch durch eine weitaus ungewöhnlichere, da monströse, Pflanze, die uns während einer Party bei ihrer Fütterung gezeigt wird, wenn sie einen Frosch verschlingt. Dieses Gewächs ist derart mysteriös gestaltet, dass sie einen eigenen Horrorfilm verdient hätte. Tricktechnisch war sie weit überzeugender gestaltet als die olle Palme aus dem 60er Jahre-Streifen "Das Geheimnis der Todesinsel", ganz zu schweigen von den Horrorbäumen aus "Verhängnisvolle Fracht" oder "From Hell it Came". 

Inhaltlich konzentriert man sich parallel zum Werwolfsaspekt mit der Ehe des Wissenschaftlers, die sich aktuell trotz gegenseitiger Liebesbekundung in keinem guten Zustand befindet. Der Besuch jenen Jugendfreundes der Ehefrau, der schon immer Gefühle für sie hegte, macht die Situation freilich nicht besser, zumal die emanzipierte Frau sich von ihrem Ehemann nicht verbieten lässt Zeit mit diesem lieb gewonnenen Freund zu verbringen. Stets unternehmen die beiden etwas alleine, da Dr. Glendon bei Nachtaktionen, aus Angst seine Gatting zu töten, nicht teilnehmen kann. Die Ahnungslosigkeit der Ehefrau führt zur Wut aufgrund der angeblichen Vernachlässigung, was den Jugendfreund hoffen lässt, der behauptet das junge Ding nie so unglücklich erlebt zu haben wie es aktuell der Fall ist.

"Unholy Hour" (Alternativtitel) ist in seiner Inszenierung nicht immer so rund ausgefallen, wie es zur ersten Hälfte scheint. Zwar schreitet die Geschichte bei gutem Tempo vorwärts, doch verwundert bereits ein nicht Einlösen der Werwolfregeln ziemlich früh, wenn es heißt der Wolfsmensch würde hauptsächlich jene töten, die er liebt. Trotzdem trifft es stets wen Fremdes. Mehr als einen Toten die Nacht benötigt der Dämon im Manne nicht, dadurch bleibt das Treiben trotzdem halbwegs glaubwürdig, trotzdem fragt man sich warum eine solche Regel benannt wird, welche dem klassischen dramaturgischen Ablauf, der obligatorisch die Ehefrau zum vermeintlichen letzten Opfer machen muss, im Wege steht und aus genau diesem Grund auch nicht befolgt wird.

Letztendlich ist dieser Kritikpunkt Kleinkrämerei, damit kann man leben, aber leider ist "Werewolf of London" (Originaltitel) in seiner zweiten Hälfte nicht mehr ganz so gut erzählt wie zuvor. Der dramatische Aspekt wird nicht intensiv genug herausgearbeitet, manche zwischenmenschlichen Dialoge wirken zu aufgesagt im Theaterstil umgesetzt, und letztendlich fehlt es an atmosphärischen Settings, welche dem in vielen Punkten schwächeren "Der Wolfsmensch" seine Sympathien bescherte. Somit ist "Der Werwolf von London" trotz all seiner Vorzüge weder ein besserer, noch ein schlechterer Horrorbeitrag des klassischen Werwolfsthemas geworden, was im Zuge der Berühmtheit des Vergleichsfilmes jedoch bedeutet, dass es etwas traurig ist, dass so wenigen Menschen der hier besprochene Streifen ein Begriff ist.


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