Sonntag, 8. April 2018

DIE VÖGEL 2 - DIE RÜCKKEHR (The Birds II - Land's End 1994 Rick Rosenthal)


30 Jahre nach den Geschehnissen in Bodega Bay attackieren Vögel Menschen auf Gull Island. Der Vater einer jüngst hinzugezogenen Familie bemerkt als erstes das merkwürdige Verhalten der Vögel, und zunächst will ihm keiner glauben. Aber das ändert sich recht bald...


Das Leben nach der Nicht-Apokalypse...

Alfred Hitchcocks "Die Vögel" gehört meiner Meinung nach zu den besten Tier-Horrorfilmen schlechthin, wahrscheinlich ist er gar der beste überhaupt, und da die gefiederten Freunde nur selten in diesem Sub-Genre zum Aggressor werden, muss sich ohnehin jeder Beitrag dieser Tier-Gattung einen Vergleich mit Hitchcocks Meisterwerk gefallen lassen, egal wie unfair das sein mag oder nicht. Warum man also in einem kaum betreten Terrain wie dem Vogel-Horror gleich komplett übertrieben in die Vollen gehen muss und gleich eine offizielle Fortsetzung des großen Vorbildes drehen muss, will sich mir nicht erschließen, so gnadenlos enttäuscht man aufgrund dieses Vergleiches nur sein kann, zumal "Die Vögel 2 - Die Rückkehr" nicht nur eine Alternativstory oder ein Remake des Vorgängers bildet, wie es manch andere angebliche Fortsetzung tut, sondern sich, wenn auch recht spät, bewusst auf die Geschehnisse des Filmklassikers bezieht und dessem großartigen Schluss damit gewaltig in die Eier tritt.

Entließ uns Hitchcock aus seinem Film mit einem apokalyptischen Szenario, so will uns die Fortsetzung weiß machen nach einigen Tagen sei es damals schlichtweg vorbei gewesen, so dass das Verhalten der Tiere ein temporäres Problem war, das warum auch immer ein Ende gefunden hat. "The Birds 2 - Land's End" (Originaltitel) will weder eine Erklärung für heute, noch für damals abliefern, erklärt nicht warum es einst endete und heute wieder begann, und für die versteckte Erklärung in Hitchcocks Original, dass Vögel lediglich den Respekt der arroganten Menschen einforderten, schien ohnehin nicht begriffen worden zu sein. Stattdessen gibt es ein wenig Hohlgeschwätz über die Rache der Natur, freilich fern jeden Zusammenhangs heruntergebrabbelt, was ganz gut zum Verhalten der Hauptfigur passt, die viel zu früh einen kritischen Blick auf das gefiederte Volk wirft.

Wenn ich nun noch berichte, dass der Film sich in seiner konservativen Art lange Zeit mehr für ein integriertes Familiendrama interessiert als für die Horrorattacken der Vögel, könnte man nun meinen Rosenthals Werk könnte man getrost in die Tonne kloppen. Ignoriert man aber einmal den lediglich krampfhaft angegangenen Zusammenhang zum großen Vorbild und schaut sich "Die Vögel 2" als eigenständigen Film an, dann weiß die Fernsehproduktion mit heruntergefahrenen Erwartungen eigentlich angenehm routiniert zu unterhalten. Einen zweiten Glücksgriff wie "Psycho 2" hatte man sicherlich ohnehin nicht erwartet, die Rückkehr der Vögel ist keinesfalls innovativ ausgefallen. Aber der Mann, der einst Carpenters "Halloween" fortsetzen durfte, ist zumindest ein gekonnter Routinier und weiß was er innerhalb der wenigen Möglichkeiten herausholen kann. Ebenso wie sein "Halloween 2" ist auch diese Fortsetzung blutiger ausgefallen als sein Vorgänger, im Gegensatz zu Myers Rückkehr ist dies jedoch kaum der Erwähnung wert, schaut sich "Die Vögel 2" für sein Erscheinungsjahr doch trotzdem arg zahm umgesetzt.

Aber das passt zum angenehm konservativen Grundton des Streifens, in welchem es um Familienzusammenhang, Freundschaft und Treue in guten wie in schlechten Zeiten geht und selbst der ignorante Bürgermeister weit mehr zur Nebensache wird, als es die meisten Produktionen nach "Der weiße Hai" zugelassen haben. Trotzdem darf auch der einen grausamen Tod finden, denn im rechtschaffenen Spießerkino der Amis muss jede Missetat moralisch bestraft werden. Die Vogelattacken wissen trotz simpler Tricks und Tierdressuren genug zu gefallen, um sich unterhalten zu fühlen und einen gewissen Spannungsgehalt kann man der Inszenierung Rosenthals definitiv nicht absprechen. Zudem schafft er es beim Zuschauer eine innere Verbindung zur Familie aufzubauen, und dies obwohl lediglich die Kinder sympathisch wirken, die beiden Elternteile sind einem ziemlich egal. Ob es nun an den beiden Autoren, der Regie oder schlichtweg am Spiel der Kinderdarsteller liegt, die beiden Mädchen werden authentisch als Kinder eingefangen, trotz klassisch gekünstelter Ami-Film-Konversationen, und zumindest der liebevolle Umgang mit diesen beschert dem Familienvater doch noch ein Hauch Sympathie.

Wer also einem konservativ und zahm ausgefallenen Horrorfilm eine Chance geben kann, der kann sich den an sich in der Filmwelt belanglosen "Die Vögel 2" ruhig einmal geben, langweilig ist er nicht. Aufregend sieht jedoch auch anders aus, ich persönlich mag aber die Harmonie, die er außerhalb der Vogelattacken stets auszustrahlen weiß, und das beschert dem Werk in meinen Augen einen gewissen Charme. Ihn als Fortsetzung von Hitchcocks großartigem Genre-Beitrag zu verkaufen ist freilich völliger Unsinn, auch wenn man darin bemüht ist mit einem kurzen Verweis auf den Vorgänger eine Brücke zu diesem zu schlagen. Unabhängig vom Meisterwerk erzählt hätte man es diesem Vogelhorror sicherlich leichter gemacht sein (dennoch kleines) Publikum zu finden. Verglichen mit solcher Konkurrenz wie "Die Krähen" und "Die Vögel - Attack from Above" hat der schlichte "Die Vögel 2" jedoch die Nase vorn. Warum man sich aber, wenn schon als Fortsetzung angegangen, zu Promotionzwecken den Star des Originals, Tippi Hedren, für eine Nebenrolle mit an Bord holt, und diese einen anderen Charakter als dort spielen lässt, will sich mir wieder einmal nicht erschließen.


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