2018/05/26

HUBERT UND STALLER - STAFFEL 7 (2017 Philipp Osthus u.a.)


Die unsensiblen Polizisten Hubert und Staller ermitteln in Bayern auf dem Land, meist in Mordfällen...


Bäumchen wechsel Dich...

Mag es auch einige zu bereinigende Fehler in den ersten zwei Staffeln gegeben haben, "Hubert und Staller" war von Beginn an eine überdurchschnittliche TV-Serie, gerade mit Blick auf ihre Entstehungszeit, und konnte sich bis Staffel 5 von ihrer Klasse her stetig steigen. Staffel 6 wiederholte das hohe Niveau ihrer Vorgängerstaffel, obwohl man auf eine Figur der Anfänge der Serie zurückgriff, die der Krimi-Reihe einst nicht gut tat. Dank einer Neupositionierung dieser Person und dem richtigen Einsetzen dieser, wurde sie zwar nicht zum Gewinn des Gesamtkonzeptes, aber zu einer tolerierenden Nebensächlichkeit, die gelegentlich den zu erzählenden Geschichten gar Mehrwert bescheren konnte. Glücklicher Weise kann man dies auch über ihr Wirken in Staffel 7 berichten, Barbara Hansen wirkt erneut nie wieder so grausig wie zu ihren Zeiten als Journalistin.

Leider haben sich stattdessen einige andere Ärgernisse in die Serie eingeschlichen, die nicht nur erstmals zu einem Rückschritt im Unterhaltungswert führen, sondern in ihrer Gesamtheit "Hubert und Staller" zu einer etwas zu routinierten Krimiserie degradieren - eine die zwar noch immer auf sympathische Art und Weise zu gefallen weiß, aber die Raffinesse der vergangenen Jahre und das gewisse Fingerspitzengefühl für den besonderen Moment verloren hat. Erneute Wechsel in der Besetzung sind einer der Gründe für diesen Qualitätsverlust. Sonja Wirth und Anja Licht werden ersetzt, dies zwar mit angenehmen Mimen und durch Figuren mit sympathischen Touch, aber ohne die Besetzung tatsächlich durch Besonderheiten zu bereichern. Ärgerlich kommt hinzu, dass durch das Fehlen von Frau Dr. Licht der Figur des Hubert der Gegenpol zu seiner Ignoranz genommen wird, jene Seite, die ihm unterschwellig Menschlichkeit und Tiefe bescherte, und die dafür sorgte, dass seine unsensible Art in ihren unbegrenzten Momenten um so mehr wirken konnte.

Aber ohnehin scheint man die Figur des Hubert nicht mehr zu begreifen. Nicht nur dass seine Ignoranz nun keinen Gegenpol mehr beschert bekommt (mit Ausnahme eines kurzen Momentes, in welchem sich der Polizist Sorgen um seinen Partner macht), in kleinen, versteckten Nebensächlichkeiten wird aus dem ehemals belesenen und weit weniger oberflächlichen Menschen als es nach außen schien nun auch innerlich ein Ignorant. Hubert ist bei weitem nicht mehr so belesen und prinzipienkorrekt eingestellt wie stets subtil in Unauffälligkeiten angedeutet wurde. Nun redet er selber häufig dummes Zeug, lügt auch mal um zu imponieren, oder setzt auf Unsinnigkeiten, die ihm früher nichts bedeutet hätten. Dies alles ebenfalls nur in Nebensächlichkeiten auftauchend, so dass es nur den Stammzuschauer, der es sehr genau nimmt, verärgern kann, aber doch gravierend genug, dass der gut beobachtende Zuschauer sich über eine solche Charakterveränderung ärgern kann, zumal Hubert damit zum Meckerzausel mit weit weniger ausgleichenden Sympathien wird.

Aber nicht nur auf dieser Ebene funktionieren die Drehbücher nicht mehr so gut wie früher. Manche Sprüche wirken aufgedrückter und weniger realistisch in den stets menschlich gehaltenen Polizeialltag integriert, Staller bekommt weit weniger Macken zugeschrieben als es üblich war und insgesamt dümpeln die meisten Episoden eher seicht vor sich hin, anstatt wahres Interesse zu entfachen. "Hubert und Staller" war noch nie die Art Krimi-Serie, die mit außergewöhnlichen Kriminalfällen zu faszinieren wusste, es war gerade die Stärke der Reihe die Ermittlungen fast wie Nebensächlichkeiten anfühlen zu lassen, eben weil die Charaktere und ihre Mimen so hervorragend zu funktionieren wussten. Da es an dieser Seite nun bröckelt, wird die Banalität der zu durchschnittlich angegangenen Kriminalhandlungen aber nun zu einer Schwäche der Reihe, eine die noch nicht all zu schwer schadet, aber doch mehr denn je ins Auge fällt. Als stärkste Ideen der 7. Staffel darf Girwidz' Wandel ins Coole gelten, wenn er in der letzten Episode einem Schriftsteller imponieren möchte, und auch der Abschied von Frau Dr. Licht ist großes Kino und beschert Hubert ein letztes Mal wahre Tiefe.

Es erfreut, dass auch inmitten der angegangenen Defizite "Hubert und Staller" routinierter umgesetzt noch immer so gut zu unterhalten weiß, aber dass es in so kurzer Zeit einen solch rapiden Qualitätsverlust gab, darf den Stammzuschauer schon zu recht enttäuschen. Und scheinbar wird es nicht besser, kündigte Helmfried von Lüttichau kürzlich doch seinen Abschied von der Reihe an, die künftig als "Hubert ohne Staller" fortgesetzt wird, mit Girwidz an der Seite Huberts bei den Ermittlungen. Bis es so weit ist beschert uns die ARD aber zunächst noch ein Weihnachtsspecial auf Spielfilmlänge mit Staller, und dessen Ausstieg soll wohl nicht ohne die Möglichkeit zur Rückkehr angelegt sein. Mit Blick auf diese Informationen macht es nicht Mut zu hoffen, dass die hier besprochene Staffel ein Ausrutscher bleibt. Ganz im Gegenteil scheint dies der Anfang vom Ende zu sein. Ich stelle mich zumindest innerlich erst einmal auf einen weiteren Qualitätsverlust in der 8. Staffel ein, lasse mich aber gerne positiv überraschen.


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