Sonntag, 13. Mai 2018

POLICE ACADEMY 2 - JETZT GEHT'S ERST RICHTIG LOS (Police Academy 2 - Their First Assignment 1985 Jerry Paris)


Die trotteligen Kadetten von der Polizeiakademie sind nun vollständig ausgebildet und gehen an die Arbeit. In der Abteilung des Bruders von Lassard sollen sie einen heruntergekommenen Stadtteil wieder aufpeppen, indem sie eine dort wütende Rockerbande dingfest machen sollen. Gegen dieses Ergebnis arbeitet Captain Mauser, der bei einem Misserfolg die Nachfolge von Lassard antreten würde...


Ben Hur nur in der Deutschfassung...

Zur Entstehungszeit der Fortsetzung von "Police Academy" konnte man noch nicht ahnen wie langlaufend die Filmreihe mit immerhin sieben Teilen, einer TV-Serie und einer Zeichentrickserie werden würde. Dementsprechend macht es zu ihrem Zeitpunkt Sinn den nächsten Schritt zu wagen und die Kadetten als nun fertig ausgebildete Polizisten den Polizeidienst antreten zu lassen. Dementsprechend gibt es ein Wiedersehen mit vielen beliebten Figuren des Vorgängers, wenn auch einige aufgrund ihres monotonen Gag-Gehaltes nicht gerade geeignet für eine Fortsetzung sind, so allen voran Marion Ramsey, deren stille, fiepsige Art bereits in Teil 1 fertig abgearbeitet wurde und nun ihren ersten von noch vielen kommenden Aufgüssen erlebt, jedes Mal zum Ende hin zur Erkenntnis kommend, dass man seine Stimme auch lauter einsetzen kann. Gähn! Michael Winslows Geräuschimitationen vertraute man nicht mehr so ganz, so dass der eindimensionale Komiker nun noch die Eigenschaft beschert bekam besonders talentiert im Handkantenkampf zu sein. Das bietet ihm die Möglichkeit zu einer schlechten Bruce Lee-Parodie, bietet jedoch keinerlei Mehrwert für eine ziemlich nervige Figur. Zumindest gelegentlich wissen die Akustik-Gags zu zünden, so z.B. in der völlig unsinnigen Szene in einem Restaurant zu Beginn, die wie viele weitere Winslow-Gags die Akustik im realen Leben ignoriert, die dort angekommen zu Jones Tisch führen müsste.

Für Kleinkrämerei ist jedoch kein Platz in "Police Academy 2", haben wir es doch hier mit einem geistlosen Klamaukfilm zu tun, und der will lediglich Partystimmung verbreiten, weswegen er auch den Aufhänger des Vorgängers ignoriert, dass erst von dort an jeder Vollidiot Polizist werden konnte. Einzig der naive Lassard stand den Rekruten in nichts nach, was seiner Senilität geschuldet war, ansonsten war die Zulassung eines jeden Freaks auf der Polizeischule revolutionär. Blickt man auf die länger im Polizeidienst arbeitenden Figuren von Teil 2 bekommt man den Eindruck, dass die Situation des Erstlings auf der Akademie keine Neuheit gewesen sein muss, ist der Bezirk in den die besten Männer besagten Abgangs eingesetzt werden doch bevölkert von Vollidioten, die den Figuren aus Teil 1 in nichts nachstehen. Aufgrund der hier dargebotenen neuen Figuren verzeiht man diesen Widerspruch nur allzu gerne, denn dass auch die Fortsetzung innerhalb ihrer Möglichkeiten noch so prima zu funktionieren weiß, verdankt sie eher diesen anstatt den Wiederkehrern aus Teil 1. Die sind charmant wie eh und je, aber wirklich lustig sind in erster Linie die neuen Figuren ausgefallen.

Und was bekommt man da herrliches geboten, allen voran der Captain Harris-Ersatz Captain Mauser, der keineswegs zur Kopie seines Vorgängers wird, sondern eine ganz eigene Art Ekel darstellt, mit seiner schleimigen Art Vorgesetzten gegenüber und seinem zurück entdeckten Rückgrat, wenn es darum geht Leute unter ihm weiter nach unten zu treten. Art Metrano spielt seinen Part so wundervoll würdelos, dass man Ekel Harris überhaupt nicht vermisst. Metrano weiß ihn locker zu toppen und wirkt wie eine zu Fleisch gewordene Comicfigur. Ihm zur Seite steht eine der für kommende Fortsetzungen wichtigsten neuen Figuren: Proctor (gesprochen von Christian Tramitz). Der hat inmitten von allen Idioten die größte Vollmeise, gibt es doch keinen dümmeren als ihn, was er in Teil 2 nur gelegentlich unter Beweis stellen darf. Aber seine Zeit der größeren Beachtung wird noch kommen. Auf der Seite der Verbrecher glänzt Bobcat Goldthwait als Rocker mit schriller Stimme. Sein grenzwertiger Humor ist mehr denn je Geschmackssache, doch während er einigen Leuten gehörig auf den Senkel geht, finde ich sein in Sachen Überagieren nicht zu toppendes Spiel angenehm krank, was aufgrund mancher grotesker Situationen, in die der skurrile Charakter gesetzt wird, zu wundervollen Lachmomenten führt.

Als einmalige Figur ohne spätere Rückkehr ist Mahoneys neuer Partner Stuhlmann vertreten, der eigentlich aufgrund seiner Unhygiene lustig sein soll, und dies anfangs auch ist, hauptsächlich aber aufgrund der trotteligen Art wie Peter Van Norden die Rolle interpretiert so wunderbar zu funktionieren weiß. Wie jeder andere Anwesende hier ist sein Spiel und seine Komik keine Kunstform, sondern reinster Klamauk, aber es funktioniert auf solch herrlich niedrigem Niveau, warum auch immer, also warum meckern? Andere Eintagfsfliegen, wie der Bruder Lassards, sind nicht der Rede wert, dienen ihrem Zweck für diesen einen Teil, wenn überhaupt, und hinterlassen keine feuchten Augen beim Gedanken sie in den kommenden Teilen der Reihe nicht wiederzusehen. Stuhlmann hingegen hätte ich gerne wiedergesehen. Ich wüsste mal gerne warum man zukünftig auf ihn verzichtet hat.

Dass der Plot hauchdünn ausgefallen ist und erneut nur eine Nummernrevue geworden ist, die der Vielzahl an Figuren möglichst viel Manege bieten soll, dürfte klar sein. "Police Academy 2" lebt von seinen Figuren, und wenn man mit diesen nichts anfangen kann, steht man auf verlorenem Posten, auch wenn hier noch, im Gegensatz zu vielen Folgefilmen, mancher Figur auch tatsächlich lustige Szenen zugeschrieben werden. Rocker Zed darf bei einem Schnulzenfilm weinen und outet sich ohnehin immer wieder aufgrund diverser Kommentar als Weichei, Stuhlmann stört sich nicht an Katzenkot im Müsli oder an Ameisen an weggeworfenen Schokoriegeln, und als besonders treffsicher darf wohl jene Szene bezeichnet werden, in welcher Mauser im Büro vor sich hinbrabbelt dass Mahoneys Arsch bald ihm gehöre, Mahoney dies mithört, weil er nicht angeklopft hat, und Mauser dementsprechend blamiert ist. Ein dieser Situation folgender Spruch Mahoneys wäre nicht nötig gewesen, aber er rundet die herrlich peinliche Szene wunderbar ab, was u.a. beweist wie wichtig tatsächlich Unschuldsmiene Guttenberg für das Funktionieren der ersten Teile ist.

Insgesamt ist "Police Academy 2" eine Spur plumper als sein Vorgänger ausgefallen, u.a. weil das hier Gezeigte keine Ausnahmesituation mehr ist und letztendlich so gar nichts zu erzählen hat. Mehr denn je setzt man auf chaotische Charaktere, anstatt auf Inhalt, allerdings beweisen sich die Autoren und Darsteller der ersten Fortsetzung noch als recht kreativ im Gestalten absichtlich dämlicher Charaktere, so dass die Komödie mit schlichten Erwartungen definitiv zu unterhalten weiß. Leider flacht sie gegen Ende etwas ab und das zu actionreich ausfallende Finale rückt die Polizisten in ein besseres Licht, als es der Idee dieser Filme gut tut. Die Fortsetzungen sollten in diesem Punkt noch mehr in die Kacke hauen als hier, gönnt man sich im ersten Sequel doch zumindest noch das Einbauen funktionierender Gags inmitten der ereignisreichen Schlussgeschehnisse. Letztendlich funktioniert der Film aber immer abseits großer Action am besten, so z.B. wenn er Banalitäten aufzeigt, Rivalitäten untereinander austrägt, oder hirnlose Dialoge präsentiert. Letztgenanntes betreffend lohnt der Griff zur Deutschfassung, die um einiges lustiger ausgefallen ist als der Originalton. Für kommende Fortsetzungen ist "Police Academy 2" in sofern von Bedeutung, als dass hier so einige Running Gags gestartet werden.


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