2018/06/11

PLAY - TÖDLICHES SPIEL (Mockingbird 2014 Bryan Bertino)


Ein Ehepaar, eine Studentin und ein Tagedieb bekommen eines Tages unabhängig voneinander eine Videokamera geschenkt, im Glauben bei einem Preisausschreiben gewonnen zu haben. Kurz darauf meldet sich ein Fremder per Videokassette, man möge weiter filmen und Aufgaben erfüllen, da man ansonsten sterben werde...


Die Angepassten, die Verschreckte und der Narr...

Mit "The Strangers" landete Bryan Bertino 2008 einen kleinen Hit, den ich persönlich trotz einiger atmosphärischer Spannungsmomente für überschätzt hielt. Aber zumindest war der Streifen ordentlich und mühevoll inszeniert, so dass man über das Ergebnis streiten konnte, bei "Play - Tödliches Spiel" sind sich die meisten mit Blick aufs Internet scheinbar jedoch einig, mit diesem im Found Footage-Stil gehaltenen Werk hat der gute Mann eine wahre Gurke abgedreht. Wer also glaubt sechs Jahre Pause zwischen einem Werk müssten zwingend für künstlerische Vorbereitungen stehen, der wird mit diesem Horrorbeitrag eines besseren belehrt, guckt sich der Streifen doch wie auf die Schnelle hingerotzt, so als habe man die The Asylum-Studios mal wieder einen Wackelkamerafilm drehen lassen. 

Den Mitarbeitern dort fehlt, ebenso wie Bertino hier, jegliches Gefühl mit Hilfe des Found Footage spannungsgeladene Momente einzufangen, ein Unterfangen das nur bei sehr sensibler Herangehensweise funktionieren kann, um Perlen wie "Die Höhle", "Paranormal Activity" und "The Blair Witch Project" hervorzubringen. Bertino scheitert gar noch viel früher, denn Zugang zu den Protagonisten über die gefaketen Privataufnahmen will der Zuschauer ebenso wenig finden, allein schon weil die Geschehnisse nicht erkennbar eingefangen werden. Man begreift nicht immer was gerade passiert. Man wird nicht Teil des Geschehens, was eigentlich mit der Methode der Handkamera nicht schwer zu erreichen ist, und somit interessiert man sich nicht für das was gerade kaum erkennbar passiert, auch da man mit den Menschen nicht warm wird.

Authentisch wirkt ohnehin nichts, so wie von Beginn an verzweifelt mit bescheuerten Methoden versucht wird die Personen stets im Bild zu halten. Zwar steuert das Drehbuch den Grund des unnötigen Weiterdrehens in eine halbwegs glaubwürdige Richtung, wenn es thematisiert, dass die Kameras nicht zu stoppen sind, seltsamer Weise brüllen sich die Ehepartner trotz dieses Wissens später gegenseitig an, sie mögen die Kamera stoppen und aufhören zu filmen. Bei dem bisschen Information, welche der Film bereit hält, hätte man als Regisseur und Autor diese Ungereimtheit locker korrigieren können. Warum die Figuren selbst in angespannten Situationen noch immer darauf achten, dass sie im Bild zu sehen sind, weiß sicher nur Bertino mit billiger Ausrede zu beantworten.

Allerdings fällt nicht erst hier auf, dass das Drehbuch nur so vor Ungereimtheiten, Unlogiken und anderweitigen Schwächen große Löcher im Plot beinhaltet. Nachvollziehbar ist das Gezeigte ohnehin nur für ein Publikum, das gedankenlos und pausenlos Gewinnspiele mitmacht, Gewinne nicht überprüft, nichts von dem was passiert reflektiert, sich ohnehin keine eigenen Gedanken macht und alles tut was einem gesagt wird. Denn nur so funktioniert "Mockingbird" (Originaltitel), der keinen der drei parallel Ungewöhnliches erlebenden Gewinner auf die Idee kommen lässt die Polizei zu rufen, nicht mit der Kamera zu filmen, sich keine Angst machen zu lassen, oder einfach bei großer Angst das Haus zu verlassen. Zudem glaubt Bryan Bertino, der nicht nur die maue Regie verbrochen hat, sondern auch für das unterirdische Drehbuch zu seiner eigenen miesen Idee verantwortlich ist, Fremde könnten jeden einzelnen Schritt vorausberechnen, damit am Ende alle Fäden so zusammenlaufen, wie es schließlich geschieht. Und warum am Ende jeder mindestens einmal von einer tödlichen Kugel getroffen wird, ein kaum möglicher Zufall, will sich mir ebenfalls nicht logisch erschließen.

"Play - Tödliches Spiel" ist reißerische Scheiße, die auf der Erfolgswelle des Found Footages und des Kinoerfolgs "Saw" aufspringt und dabei ein lustlos abgedrehtes, sich trotz aller Unsinnigkeiten viel zu ernst nehmendes, Filmchen abgeliefert hat, von dem man sich verspricht, dass es sich aufgrund seiner Aufhänger und des Stempels "vom Regisseur von The Strangers" von allein verkaufen wird. Heutzutage greift manch einer aufgrund des Clowns auf dem Cover zu, sind Killerclown-Streifen doch spätestens seit dem Kinofilm "Es" unglaublich angesagt. "Mockingbird" gehört dieser Kategorie jedoch nicht an, der Clown ist lediglich eines der besagten Opfer, aber zumindest eines, das trotz idiotischster Verhaltensweisen, also trotz jeglicher Möglichkeit zur Identifikation mit ihm, mit seinen Monologen halbwegs Schwung in die Bude bringt. Ohne ihn hätte ich wahrscheinlich irgendwann komplett gelangweilt zur Vorspultaste gegriffen.


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