2018/06/14

YO-YO GIRL COP (Sukeban deka - Kôdo nêmu = Asamiya Saki 2006 Kenta Fukasaku)


Betreiber einer Internetseite benutzen frustrierte Schüler für terroristische Aktivitäten. Die aggressive Asamiya, die zwischen Knast und Teen-Cop wählen durfte, soll in einer Schule in Shibuya ermitteln, zu der alle bisherigen Spuren führen. Zum Lösen des Falls hat sie lediglich drei Tage Zeit...


Suizid Romeo und Cyber Julia...

Was sich aufgrund einer mit einem Yo-Yo bewaffneten Schülerin wie eine ausgeflippte, moderne Variante des "Nikita"-Themas liest, basiert auf einem älteren Manga, der bereits in den 80er Jahren per Kinofilme, Videoproduktionen und Fernsehserien mehrfach verfilmt wurde und mit "Yo-Yo Girl Cop" in den 00er Jahren eine Neuverfilmung beschert bekam. Scheinbar lief diese nicht so gut wie erhofft, kam es doch seit dem zu keiner Fortsetzung mehr. Ich persönlich finde das schade und kann es auch nicht verstehen, hat sich der so aufgepeppt klingende Film für einen Japan-Girlie-Action doch angenehm zurückhaltend angeschaut, sprich man verließ sich darauf dass der Aufhänger gepaart mit einer simplen Story, in welcher die Charaktere von Bedeutung sind, bereits ausreicht um gute Unterhaltung zu bieten. Dementsprechend verzichtet man auf groteske Übertreibungen a la "Vampire Girl vs. Frankenstein Girl", setzte nicht auf einen völlig undurchdachten, stumpfen Plot wie in "Persona - Die Macht hinter den Masken", sondern wählte den Mittelweg des simplen, nicht dummen, aber auch nicht cleveren Actionfilms, angereichert mit Teenie-Mentalität, moderner Optik, klassischem Coolness-Faktor und mittelmäßig hohem Tempo.

Die Zutaten schauen sich neben besagtem französischem Vergleich wie ein Mix aus "Heathers" und "21 Jump Street", eingepackt in eine typische Japan-Mentalität, jedoch ohne die Dramaturgie des Stoffes derart dick in Kitsch zu kleiden wie dort ansonsten üblich ist. Ohnehin wirkt alles einen Schritt reduziert inszeniert. Die alberne Japan-Komik, diesmal demonstriert anhand zweier Chemie-Nerds, findet nur kurz Platz in "Sukeban deka: Kôdo nêmu = Asamiya Saki" (Originaltitel), Actionszenen sind relativ rar gesät, selbst das Yo-Yo kommt weit weniger oft vor als erwartet. Letztendlich erkannten die Verantwortlichen des Streifens welche Gewichtung ideal für den funktionieren Sehwert für zwischendurch ist. Der Film will weder Kunst noch der nächste "Matrix" sein, er soll lediglich Spaß bereiten, irgendwo zwischen Irrsinn, Familien-Drama und Girlie-Action angelegt, und scheinbar war das dem Stammpublikum dieser Art Film zu schlicht angegangen, die sind immerhin ganz andere Kaliber aus diesen Breitengraden gewohnt, als Ausnahmezuschauer, der nur gelegentlich das asiatische Kino aufsucht, bin ich hingegen keineswegs abgeneigt vom Ergebnis.

Mehr noch, das Sichten dieses äußerst sympathischen Streifens, der weder vom Gewaltgrad her extrem ausgefallen ist, noch die Schülerinnenthematik für Erotikzwecke ausnutzt, hat mich neugierig auf die 80er Jahre-Version des Stoffes gemacht, die ich mir demnächst ebenfalls einmal zu Gemüte führen werde. Eben weil "Yo-Yo Girl Cop" trotz seiner Zutatenreduzierung ansonsten stilistisch und mental ein typisches Kind seiner Zeit ist, dürfte es spannend sein das Ganze im 80er-Stil Japans zu sichten. Mit dem nicht sonderlich aufregenden, aber funktionierendem Aufhänger der Geschichte ist alles wie nichts möglich, das macht so neugierig auf vergangene Produkte dieser Manga-Thematik. Wer nicht erst den Fuck-Off-Stempel der abgedrehten Provowerke Japans benötigt, der sollte ruhig einmal einen Blick auf den schlichter ausgefallenen "Yo-Yo Girl Cop" werfen. Wer noch nichts dergleichen aus Japan kennt, wird wahrscheinlich bereits das Treiben hier als äußerst schräg empfinden. Für Einsteiger scheint ein solches Werk von daher ideal zu sein, um zu erkennen ob man mit dieser Art Film überhaupt etwas anfangen kann oder nicht.


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