2018/07/01

BREAKING BAD - STAFFEL 2 (Breaking Bad - Season 2 2009 Bryan Cranston u.a.)


Nachdem Tuco einen seiner Mitarbeitet tot geschlagen hat, steht es schlecht um Walter und Jesse, waren doch beide Zeugen dieser Tat. Nachdem man sich innerhalb einer Entführung nach Mexiko erfolgreich gegen den mächtigen Drogendealer zur Wehr setzen konnte, beschließen die beiden Amateure dessen Platz in seinem Revier einzunehmen...


Die Macht des Geldautomaten...

Während die erste Staffel zur Mitte hin eine kleine Verschnaufpause einlegte um in ruhiger Gangart die Zwischenerlebnisse zu erzählen, ist Staffel 2 fast gänzlich in diesem ruhigen Stil erzählt. Drama und Thriller bekommen ungeheuer gute Spannungsmomente beschert, diese ruhige Herangehensweise darf man also nicht missverstehen und mit Stillstand oder dem Hang zur Langeweile verwechseln, aber derart außer Atem vor lauter Nervenkitzel, so wie im Großteil der Vorgängerstaffel, ist man in "Breaking Bad" in seinem zweiten Jahr nur zu Beginn, wenn die Geschichte um Tuco zu einem Ende geführt werden muss. Gerade wenn man, so wie ich, die komplette Serie schon einmal gesehen hat, überrascht der gemütliche Marsch durch die vielen Ereignisse der zweiten Staffel schon ein wenig, weiß man doch wie nervenkitzelnd es in den kommenden Jahren noch des öfteren zugehen wird. Aber in der hier besprochenen Season bleibt das Geschehen selbst dann relativ ruhig und besonnen, wenn es innerhalb des Gangstermilieus Probleme zu bereinigen gibt, wofür gerade jene sehr stille Folge ein gutes Beispiel ist, in der Jesse Junkys zur Rede stellen muss, die einem seiner Dealer Geld und Ware abgezockt haben.

Gerade in dieser Folge wird auch dem letzten Zuschauer klar wie soft Jesse in seinem Inneren tickt, und dass er nicht ewig der neue Tuco bleiben wird. Folgerichtig wird ab dem entscheidenden Wendepunkt der zweiten Staffel, mittels einer von drei neu eingeführten, wichtigen Figuren für die Zukunft der Serie, betont was für ein Wunder es ist wie weit Walter und Jesse selbstständig auf ihre unerfahrene Art innerhalb des Milieus gekommen sind. "Breaking Bad" beweist durch derartiges immer wieder, dass man sich dessen was erzählt wird in jedweder Konsequenz bewusst ist, und dieses psychologische Verständnis, das sich auch in den Figurenzeichnungen wiederspiegelt, macht die Serie so wertvoll, gerade jetzt, wo der Dramenbereich über jenen des Thrillers dominiert.

In Staffel 2 werden auf interessante, nicht hinhaltende Art die Karten neu gemischt, um die Serie auf die Ereignisse ab Staffel 3 vorzubereiten, die ein anderes Level erreichen werden als alles bislang Erlebte. Hierfür werden nicht nur, wie eben erwähnt, neue für die Serie sehr wichtige Figuren eingeführt (Saul, Gustavo und ganz zum Schluss auch Mike), sondern auch Figurenentwicklungen bei bereits gut gekannten Personen vorgenommen, oft als Vorbereitungen für zukünftige Geschehnisse, die der Zuschauer innerhalb eines kaum vorhersehbaren Plots logischer Weise zu diesem Zeitpunkt längst nicht erahnen kann. Allen voran geht freilich die Entwicklung Walters Ende der Staffel in die entscheidende Phase. Seine Bewusstseinsgesinnung in der Folge im Baumarkt kann man als das Erwachen des Heisenbergs bezeichnen. Von nun an muss sich auch der Zuschauer umorientieren mit wem er es zu tun hat. Manch einem ging bezüglich des Gut- und Böseverständnisses dieser Rolle erst in Staffel 5 ein Licht auf - unverständlich wie ich meine, für die Staffeln 1 und 2 aber noch aufgrund der anderen Auslegung kaum anders möglich.

Zudem muss die zweite Staffel Aufräumarbeit leisten, denn so wichtig für den dramaturgischen Effekt und dem Aufhänger der Geschichte auch die Faktoren Krebserkrankung und Schwangerschaft waren, sie müssen nun durchstanden werden, um im Kommenden halbwegs befreit von diesen Erzählhemmnissen weiter berichten zu können. Hier kann man erneut die großartigen Drehbuchautoren loben, die es selbst in den unangenehmsten Momenten diesbezüglich schaffen mittels eines hohen Spannungsbogens ein Maximum an Unterhaltung aus solchen Situationen herauszupressen. Hier ruht man sich nicht einzig auf die großartig vertiefte Charakterisierung jedweder Figur aus, hier gibt man erzähltechnisch wirklich alles um dem Zuschauer ein hohes Unterhaltungsniveau zu servieren. Dass das Publikum in dieser ganzen Phase des zweiten Jahres noch in Watte gepackt wird, ahnt es zu diesem Zeitpunkt nicht, sind die hier erzählten Geschehnisse doch zwar aufwühlend, bewegend und aufregend genug um einen stets auf Trab zu halten, gewitzt zu täuschen und auch für scheinbare Banalitäten zu interessieren, aber das ist im direkten Vergleich noch arg zahm gehalten. Sicherlich bleibt die Serie auch nach ihrem zweiten Jahr großteils ruhig erzählt, aber der hier pausierende Nervenkitzel wird von nun an des öfteren an die Oberfläche geraten und noch einiges vom Zuschauer abverlangen. Die Schonzeit ist bald vorbei.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen