KLEINE TEUFEL (Devil Times Five 1974 Sean MacGregor)


Ein Kleinbus eines Heimes für geistesgestörte Kinder hat mitten im Nirgendwo einen Unfall. Fünf überlebende Insassen entkommen und finden Unterschlupf im Ferienhaus einer reichen, streitsüchtigen Familie, die sich der scheinbar hilfsbedürftigen Kleinen annimmt. Nach und nach ermorden sie ihre Beschützer, ohne dass diese eine Ahnung haben wen sie in ihr Haus gelassen haben...


Mikeys Filmahnen...

"Kleine Teufel" ist ein cineastisch früher Gehversuch Kinder als das Böse in einem modernen Horrorfilm zum Zentrum zu machen. Der zwei Jahre vor "Ein Kind zu töten" und "Das Omen" entstandene Streifen verzichtet im Vergleich zu diesen Meisterwerken auf eine übersinnliche Erklärung, und lässt seine mordenden Kleinen lediglich Psychopathen a la "Mikey" sein. Allerdings wird dieser reizvolle bodenständige Ansatz dem fertigen Werk bereits aufgrund der Unbedarftheit der Verantwortlichen des Streifens wieder genommen, so holprig und unüberlegt wie diese den Stoff angegangen sind. Doch dieser Look, der sich kaum den Regeln einer regulär inszenierten Horrorgeschichte anpassen will, beschert dem fertigen Streifen meiner Meinung nach zumindest ein gutes Stück Restcharme, der das fertige Produkt zwar nicht zu retten weiß, ihn aber zumindest für eine Sichtung interessant gestaltet.

So überlebt z.B. einer der christlichen Erzieher des Heimes ebenfalls den Autounfall, wird als Verfolger und Mitwisser eingebracht und nach dem Erreichen des Hauses, in dem auch die Kinder Unterschlupf fanden, wird er lediglich schnell von den zu Betreuenden getötet, noch bevor er Kontakt zu den Bewohnern aufbauen kann, so dass sein schneller Tod veranschaulicht, dass man sich seiner möglichen Bedeutung für die Geschichte nicht bewusst war. Dass der Film sich viel Füllmaterials zwischen den Horrorszenen bedient, kann man ihm eigentlich nicht verübeln, immerhin muss es lange dauern bis man Kindern die schrecklichen Taten zutraut. Ob das Füllmaterial deswegen derart geschwätzig ausfallen musste, wie geschehen, und wahrlich jedem Erwachsenen nur müde Charakternichtigkeiten zuschreibt, sei einmal dahingestellt, mag für die meisten Zuschauer auch ärgerlicher Natur sein, aus irgendeinem Grund gefallen mir jedoch auch diese schundig inszenierten Szenen. Vielleicht tun sie dies auch weil die Figuren mit heutigen Augen so fremdartig erscheinen, obwohl sie die klassischen Klischees von Gut und Böse erfüllen sollen. Ich weiß es nicht.

Das übliche Problem eines kinderorientierten Horrors, dass die Glaubwürdigkeit der Taten der kleinen Übeltäter leidet, eben weil Kinder über ungenügende körperliche Kraft verfügen und kognitiv noch nicht so ausgefeilten Überlegungen nachgehen können, wie es die Drehbuchautoren gerne hätten, ist freilich auch hier vorhanden, klügeln die Kinder doch teilweise Todesfallen aus, die zwar über ihre übermäßig kranke Intelligenz begründet wird, deswegen aber noch lange nicht als Erklärung ihrer Raffinesse zu überzeugen weiß. Zu gefallen weiß hingegen, dass sich auch die Kinder untereinander ebenso zoffen wie es die Großen tun, aber trotzdem stets gemeinsam an einem Strang ziehen, wenn es darauf ankommt. Das spiegelt kindliches Verhalten eigentlich recht gut wieder. Man ist nicht all zu nachtragend, und der Grund des jeweiligen Streits ist schnell vergessen, wenn der Spaß die Situation dominiert, im hier vorliegenden Fall freilich entfacht durch das hemmungslose, fröhliche Morden.

Dieses wird verspielt dargestellt, so dass das Dezimieren der Erwachsenen tatsächlich herrlich krank daher kommt, sobald man sehen darf wie die Kinder mit ihrer Tat umgehen. Darauf bezogen ist der Alternativtitel "Peopletoys" eine treffsichere Wahl. Die Aussage, dass die Kleinen sich laut der Protagonisten höchst merkwürdig benehmen, kann man jedoch nicht teilen, wirken sie vor den Augen der Erwachsenen doch lediglich wie spielende Kinder mit charakterlich unausgefeilten Eigenarten, eventuell auch wie Kinder die auf fantastische Art etwas zu verarbeiten haben. Dementsprechend geht man mit dem ungläubigen Restpart der Großen eher konform als mit den warnenden Helden der Geschichte, die freilich Recht behalten sollen. 

Die individuellen Macken der Psychopathen sind weit mehr Charakter als die Figurenzeichnungen der Älteren, was auch aufgrund des unterschiedlichen Alters der Kinder seinen eigenen Reiz versprüht. Ein düsterer Schluss und hier aufgezählte psychologisch treffsichere Überraschungen stehen im Gegensatz zu psychologischen Unsinnigkeiten, einer holprigen, überforderten Inszenierung und (zugegeben sympathisch) mauen Mimen, denen die deutsche Synchronisation in nichts nachsteht. Nach all den schlechten Kritiken im Netz, war ich überrascht wie charmant das Endergebnis ausgefallen ist, unterhaltsam sieht aber freilich tatsächlich anders aus.


Weitere Besprechungen zu Kleine Teufel: 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen