ICH.DARF.NICHT.SCHLAFEN. (Before I Go to Sleep 2014 Rowan Joffe)


Als Christine eines Morgens ohne Erinnerung erwacht, offenbart ihr der Mann mit dem sie die Nacht verbrachte er sei ihr Ehemann, und Christine leide seit einem Unfall vor 15 Jahren an Amnesie. Jede Nacht wird das Gedächtnis gelöscht, immer wieder erwacht die etwa 40jährige als etwa 20jährige. Mit Hilfe eines Psychiaters, von dessen Existenz der Ehemann keine Ahnung hat, beginnt Christine ein Videotagebuch zu führen, um herauszufinden was mit ihr geschah, wem sie trauen kann und in der Hoffnung sich wieder zu erinnern...


In jedem Hotelzimmer liegt stets ein Bügeleisen...

Wer denkt beim Durchlesen der Inhaltsangabe nicht automatisch an die Adam Sandler-Komödie "50 erste Dates", in welchem selbige Handlung humoristisch aufbereitet wurde? Die Ideen bezüglich des Umgangs mit besagter Erkrankung entwickeln sich dort erst im Laufe der Zeit, in Rowan Joffes Film, der auf einem Erfolgsroman basiert, von dem ich nicht weiß ob er vor der Sandler-Komödie geschrieben wurde oder sich dort dreist bedient, sind sie die Grundlage mit welcher die Geschichte beginnt. Geklaut hin oder her, aber der Aufhänger klingt für das Genre des Thrillers reizvoll, also habe ich den Film kurz nach dem Kaufen recht schnell gesichtet. Aber wie so oft, so hält auch hier das Ergebnis nicht das was die Erwartungshaltung verspricht. Wie man aus einer derart mit Potential angereicherten Grundidee Durchschnitt abliefern kann, will sich mir einfach nicht erschließen, begnügt sich der Autor doch mit den 08/15-Elementen eines jeden Thrillers, in welchem Menschen nicht wissen wem sie trauen können, und so nett sich das bis zum Schluss auch schauen mag, so ist der Film doch verglichen mit dem was möglich gewesen wäre recht mager ausgefallen.

Wie man herausliest funktioniert "Ich darf nicht schlafen" (Alternativtitel) als Zwischendurchverzehr ganz gut, aber zum wirklichen Tipp wird er nicht. Das liegt u.a. daran, dass Joffes Film lediglich zwei Verdächtige bietet und der erfahrene Zuschauer ziemlich schnell erkennt, dass es einer von beiden nicht sein kann, der ein Spiel mit Christine spielt. Zwar sind einem die Beweggründe nicht bekannt, die bei Offenbarung dieser tatsächlich überraschend auf den Zuschauer niederregnen (obwohl selbst diese Wendung nichts neues im Genre ist), aber der sich bestätigende Verdacht ist nun einmal längst ausgelutscht im Thriller-Bereich und reißt in der 1000. Variante keinen mehr vom Hocker. Glücklicher Weise agieren die Schauspieler solide, auch wenn ich Nicole Kidmans Engagement in "The Others" und "Birth" wesentlich motivierter fand. Aber wer will es ihr verübeln bei solchem Durchschnitt im interessanten Gewandt?

Eine schöne Idee des Streifens ist es hingegen, ähnlich wie in "Memento" mit der Thematik zu arbeiten, dass nicht jeder Information in den Videotagebuchaufzeichnungen zu trauen ist. So hört Christine im Gegensatz zum Zuschauer ahnungslos manche fehleingeschätzte Aussage von den Vortagen und vertraut diesen freilich, ohne zu hinterfragen ob sie sich damals eventuell geirrt haben könnte. Nebensächlichkeiten werden zu Verdachtsmomenten, fehlende Empathie aufgrund der gravierenden Situation, in welcher man sich erst einmal mit sich selbst beschäftigen muss, sorgt für Misstrauen und Trugschlüssen. Wenn der Zuschauer in die Auflösung eingeweiht wird, kommt diese recht wirksam mit einem Paukenschlag daher, besagter Moment weiß tatsächlich gut zu wirken, danach herrscht jedoch wieder Routine, wenn auch von dem Pluspunkt zehrend, dass sich Christine am nächsten Tag nicht mehr erinnert, wohingegen der Zuschauer die Maus in der Falle beobachten darf.

Gerade der Aspekt des Vergessens hätte Potential für einen bösartigen Schluss geboten. Leider entschied man sich für das extreme Gegenteil. So wird "Ich.Darf.Nicht.Schlafen." nicht nur ein Happy End beschert, es fällt zudem extremst kitschig aus, verschärft unrealistisch wirkend durch die zu sehr auf Modell getrimmten Darsteller der Schlussszene. Nach einem eher durchschnittlichen Film, von dem man sich wesentlich mehr erhofft hat, ist dies ein extrem ärgerlicher Schluss-Bonus. Aber ohnehin weichte bereits neben der zu vorhersehbaren Geschichte die Inkonsequenz des Autors das Gesamtergebnis auf. Erneut mit Blick auf den Sandler-Film fand ich dort die Entscheidung gut, dass das Erinnerungsvermögen nie zurück kehrt, wohingegen Christine sich nach und nach erinnert, warum auch immer jetzt erst. Bezogen auf den Auslöser Videotagebuch wirkt die Rückkehr einzelner Fragmente der Vergangenheit nicht glaubwürdig. Zumindest werden aber auch diese genutzt, um die Wahrnehmung der Hauptfigur zu täuschen. Aufgrund der auch dort bereits aus dem Genre bestens bekannten Mechanismen zum in die Irre führen, wird der erfahrene Cineast jedoch nicht vom Autor getäuscht. Aber das dürfte nach allem was ich über "Before I Go to Sleep" (Originaltitel) berichtete nun auch keinen mehr verwundern.


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Trailer,   OFDb

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