HANUMAN VS. 7 ULTRAMAN (Urutora 6-kyodai tai kaijû gundan 1974 Sompote Sands u.a.)


Es herrscht Dürre auf der Erde. Kinder veranstalten einen Regentanz, und als ihr Anführer von Dieben ermordet wird, entscheiden Beschützerwesen einer weit entfernten Galaxis ihn als den Superhelden Hanuman wieder auferstehen zu lassen. Der versucht nicht nur der Dürre Herr zu werden, er muss irgendwann auch gegen Monster kämpfen, die ein Wissenschaftler versehentlich erweckt hat, als er mit seinen selbst entwickelten Raketen für Regenwetter sorgen wollte. Im Kampf gegen die Monster gerät Hanuman an seine Grenzen, so dass die Ultramen, die ihn erweckten, zur Hilfe eilen müssen...


Die Sonne ist ein Lebewesen mit einem Ohr für die Bedürfnisse der Menschen...

Die Inhaltsangabe macht bereits deutlich, dass "Hanuman vs. 7 Ultraman" ein Spaß für Kinder ist, denen es nach actionhaltiger Unterhaltung dürstet. Ob der Streifen dreier Regisseure auch als Kinderfilm gemeint ist, weiß ich nicht, ist mir dafür doch die thailändische Kultur zu unbekannt, und allein die ist schon einen Blick wert, so anders wie dieser verstrahlte Film dadurch ausgefallen ist. Es sind Elemente indischem Kinos zu erkennen, z.B. dann wenn sehr ausgedehnt und den Geduldsfaden des Zuschauers ausreizend getanzt wird, wohingegen auf den dort üblichen Gesang und die dort alltägliche Überlänge hier wiederum verzichtet wurde. Ebenfalls beigemischt werden fantastische Elemente, die an deutsche Erzählungen wie "Peterchens Mondfahrt" erinnern, was in Thailand entweder einen traditionellen oder einen religiösen Hintergrund zu haben scheint. Auf jeden Fall fliegt Hanuman gelegentlich zur Sonne, um mit ihr ein Gespräch über ihr menschenschädigendes Handeln zu führen, und das erinnert gerade in der Art der Umsetzung sehr stark an den Inhalt und die erste Verfilmung besagter Abenteuer von Peter und Anneliese. Selbstverständlich finden sich bei der hier angegangenen weiteren Thematik auch viele Elemente japanischer Filme, ist doch Ultraman spätestens seit der 60er Jahre im cineastischen Rahmen dort vorzufinden, ebenso wie die an "Godzilla" erinnernden Monstren, die aber erst nach etwa 50 Minuten Laufzeit im 104 Minuten laufenden Film auftauchen.

Erstaunlicher Weise sieht man "Hanuman and the 7 Ultramen" (wesentlich sinnvollerer Alternativtitel) diese Laufzeit überhaupt nicht an, ist er doch, von den eingangs kritisierten Tanzszenen einmal abgesehen, unglaublich kurzweilig anzuschauen, vorausgesetzt man kann mit seiner verstrahlten Art etwas anfangen, die selbst abgedrehte Werke wie "Invasion aus dem Innern der Erde" harmlos erscheinen lassen. Ich habe mich köstlich unterhalten gefühlt, immer damit rechnend dass eine Monotonie dieser angenehmen Erscheinung irgendwann den Garaus machen würde, aber das ist nie geschehen. Die extreme Naivität, der ungewohnte Grundton, die herrlich schlechten Schauwerte, all diese Elemente aus missglücktem Handeln und kindlich scheinendem Engagement verleihen "Urutora 6-kyodai tai kaijû gundan" (Originaltitel) eine Sympathie, die ihn kurzweiliger werden lassen, als man theoretisch gesehen bei dieser Herangehensweise annehmen sollte. Erheiternd kommt bei der von mir bei Black Lava ergatterten DVD-Veröffentlichung hinzu, dass sich der Untertitel höchst schlecht übersetzt liest, so dass entweder ein gutes Übersetzungsprogramm oder ein untalentierter menschlicher Übersetzer für den an Lachern nicht armen Untertitel verantwortlich ist. Was man diesbezüglich zu erwarten hat zeigt auch das Rückcover besagter DVD-Veröffentlichung von Zeno Pictures beim Durchlesen der deutschen Inhaltsangabe.

Wirklich nötig gehabt, hätte "The 6 Ultra Brothers vs. the Monster Army" (Alternativtitel) dieses Humordoping nicht, ist er doch wie erwähnt äußerst kurzweilig ausgefallen und amüsiert nicht nur aufgrund unfreiwilliger Komik, immerhin ist der Streifen an vielen Stellen auch freiwillig komisch gemeint. Dies zeigt das Einbringen eines Komiker-Duos, welches sich wahrscheinlich für die thailändische Version von Lauren und Hardy hielt, in ihrem infantilen Getue, welches auch nicht Halt vor schlagenden Purzelbäumen macht, jedoch eher an den Trivialstklamauk der flotten Teens-Fortsetzungen erinnert und an Clownakrobatik aus dem Zirkus. Wie man heraus liest wird selbst die freiwillige Komik mit europäischen Augen von heute zur unfreiwilligen, und das ist gar nicht schlimm. Immerhin macht sie einen charmanten Streifen kurzweilig und ist nicht zum Spott gedacht. Denn allein die zur zweiten Filmhälfte auftauchenden Monster sind in ihrer unterschiedlichen Art liebevoll gestaltet, und manch gewagte Idee am Rande macht auch die reichhaltige Fantasie der Verantwortlichen des Streifens deutlich. Hervorhebenswert wäre diesbezüglich das Töten eines der Monster, indem ihm nach und nach die Haut abgezogen wird, bis wir von der einstigen Gummikreatur nur noch das Skelett sichten, bis dieses schließlich in sich zusammenfällt. Ich bezweifle einmal, dass es derartiges in einer der etlichen "Godzilla"-Fortsetzungen und -Nachahmer je zu sichten gab.

Auch der Einfallsreichtum mit finanziell nicht gegebenen Mitteln möglichst visuell das einfangen zu wollen, was einem vorschwebte, zeigt das Engagement eines Teams, welches gegen Windmühlen kämpft und durch diese verzweifelten Versuche lobenswert zu erwähnen ist. Freilich belächelt man jeden dieser optischen Versuche, so trivial wie sie mit verwöhnten Augen von damals und heute in Erscheinung treten, aber nicht ohne Wohlwollen den Tricktechnikern gegenüber, die zumindest bei solch magerer Finanzierung versucht haben Szenen umzusetzen, die bei dem geringen Budget eigentlich nicht möglich waren. Freilich präsentieren auch diese völlig dämliche Ideen, z.B. wenn sie Hanuman nicht klassisch liegend positioniert fliegen lassen, sondern im Stehen, was unglaublich dämlich aussieht. Aber das Herz schlägt bei den Verantwortlichen des Streifens am rechten Fleck, und wenn es kompatibel mit dem Herzen des Zuschauers ist, kommen beide zusammen. Freilich wird das Zielpublikum sehr gering sein (das wird es auch damals schon), immerhin können nur wenige Menschen mit solch verstrahlten Stoffen etwas anfangen, und Anhänger von Monsterfilmen werden meist professioneller und ohne solch langes Hinhalten wie hier bedient. Viele werden "Hanuman vs. 7 Ultraman" ohnehin nur respektlos als Lachnummer abstempeln, was der Streifen gewissermaßen aufgrund seiner dominanten und häufig auftretenden Unzulänglichkeiten auch zu verdienen scheint. Aber das ist nur eine Seite der Medaille wie ich finde.

Allerdings ist es jene Seite der Medaille, die den hohen Unterhaltungswert des Streifens ausmacht. Wenn man Unsinnigkeiten beiwohnen darf, wie einem Wissenschaftler, der eine Rakete in die Luft schießen will um Regen zu erzeugen, für dieses Vorhaben vor dem Abschießen des Prototyps aber bereits Dutzende von Raketen angefertigt hat, obwohl er nicht wissen kann ob diese den erhofften Erfolg erbringen, ist die unfreiwillige Komik des Streifens auf einem Hoch. Bei aller Sympathie ist das hier besprochene Werk freilich einzig aufgrund seines unübersehbaren Trash-Gehalts das Reinschalten wert, und vielseitig interessierte Trash-Fans bekommen eine ganze Bandbreite von unfreiwilliger Komik präsentiert. Ob es schlechte Spezialeffekte sind, falsch angewendete Klischees, ob es der naive Blick auf all die erzählten Dinge ist, die herrlich überzogen kitschige Dramaturgie zwischen Frau und Kind oder der herrlich verdrehe Blick auf Themen wie Wissenschaft und Esoterik (wie ist der Forscher an seine irrationale Assistentin geraten?), "Hanuman vs 7 Ultraman" ist ein Rundumschlag an Fehlentscheidungen und mangelnden Möglichkeiten, und dies gekleidet in einer verdrehten Art angereichert mit allerhand verstrahlter Zutaten, allein im Kampf gegen die Monster. So wird der theoretisch gar nicht so verkehrt angegangene Film beim richtigen Publikum zur absoluten Lachgranate mit hohem Unterhaltungswert. Wahre Freude wird man mit dem Streifen jedoch erst erleben, wenn man auch den Charme dieser Produktion erkennt und nicht nur ihre Unzulänglichkeiten.


Trailer,   OFDb

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