DER LETZTE ZUG VON GUN HILL (Last Train from Gun Hill 1959 John Sturges)


Als seine Frau von zwei Fremden ermordet wird, folgt Marshal Morgan der Spur mittels eines Sattels bis Gun Hill, um die Mörder dingfest zu machen. Einer von ihnen entpuppt sich als Sohn eines alten Freundes, der aufgrund seines Reichtums die Macht in Gun Hill erlangt hat und es als Witwer nicht zulässt, dass man ihm sein einziges Kind nehmen will. Aus Freunden werden Rivalen. In wenigen Stunden startet der letzte Zug von Gun Hill, den Morgan gemeinsam mit den Mördern nehmen will. Bis es so weit ist hat er die ganze Stadt gegen sich - zumindest fast...


Zwei Ehrenmänner im Kampf um einen Mann ohne Ehre...

In diesem Westernmix aus Drama und Thriller geht es um Ehre und um eine ausweglose Situation, die, egal welches Ende auch anvisiert wird, kein Happy End nehmen wird. "Der letzte Zug von Gun Hill" ist ein großer Stoff ohne falsches Getue, sprich fern von unangenehmen Klischees um Indianer, harten Kerlen und verdrehtem Rechteempfinden. Er ist nachvollziehbar erzählt, setzt einen Idealisten ins Zentrum seiner Geschehnisse, der nicht anders kann, nicht nur aufgrund des Verlustes seiner eigenen Frau wegen, stellt diesem jedoch einen Mann gegenüber, der ebenfalls nicht anders kann, wissentlich dass seine Erziehung versagt hat, was noch lange kein Grund ist seinem einzigen Sohn den Rücken zu kehren. Dank eines guten Drehbuchs bleibt auch der Gegner Belden ein Ehrenmann, der seine Macht in der Stadt lediglich zum Schutz seines Sohnes nutzt, sicherlich nicht erstmals diesen Luxus für sich spielen lässt, so unterwürfig solidarisch, wie sich die Bewohner ihm gegenüber verhalten, aber auch nicht den totalitären Führer auslebend, so wie ähnlich gelagerte Figuren oft im Genre des Wild West-Filmes charakterisiert werden.

Die Ironie des Ganzen ist der Kampf um einen verzogenen Sohn ohne Ehre und Reue, sich feige hinter Papas Macht versteckend, in der von ihm gewohnten Sicherheit lebend dass der Vater ihm wohl heraus helfen wird. Er unterschätzt Morgan, handelt stets rückgratlos, hilflose Situationen stets zu seinem Vorteil nutzend, so wie es auch die alles auslösende Tat widergespiegelt hat. Dank einer ermordeten Ehefrau indianischer Herkunft kann das Drehbuch ganz nebenbei mit dem in Amerika stets gelebten Problems des Rassismus abrechnen, ohne es zum Hauptaugenmerk der Geschichte zu machen. Somit kann sich der eigentliche Plot voll und ganz auf den Nervenkitzel der ausweglosen Situation konzentrieren, weder geschwätzig, noch zu wortkarg ausgefallen, und zudem bereichert mit einer interessant ins Geschehen eingearbeiteten, charakterlich emanzipierten Frauenrolle, die als Nebenrolle eine wichtige Funktion der Geschichte einnimmt, ohne dem zentralen Männerduell dabei die Suppe zu verwässern.

Die gehaltvolle Geschichte wird von Regisseur John Sturges stimmig umgesetzt, spannungsgeladen erzählt, fußend auf einem dramatischen Hintergrund und den Zuschauer am Dilemma beider Seiten teilhaben lassend, eben weil man beide Seiten emotional nachvollziehen kann. Letztendlich strahlt das fertige Werk eben jene Ehre aus, von der auch ihre Figuren leben. Und diese werden ebenso wie die Randbesetzung hervorragend geschauspielert, in den Hauptrollen prominent besetzt mit Kirk Douglas und Anthony Quinn. "Der letzte Zug aus Gun Hill" (Alternativtitel) endet für alle drei wichtigen Figuren tragisch, so wie es vorherzusehen war. Und eben weil dies von Anfang an klar ist, schaut sich die Geschichte so intensiv. Man ist geradezu gebannt wohin die ausweglose Situation genau führt, woraus der ohnehin gelungene Film eine weitere Stärke zieht. Da ich Western wie diesen ohnehin dem blutigen Italo-Western vorziehe, war "One Angry Day" (Alternativtitel) genau der richtige Film für mich, in seinem Mix aus Emotion und rationalem Erzählen. Und ich kann dieses Werk wahrlich nur jedem interessierten Cineasten weiter empfehlen.


Weitere Besprechungen zu Der letzte Zug von Gun Hill:


Trailer,   OFDb

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen