EIN DICKER HUND (1982 Franz Marischka)


Millionär Bittermagen und sein Hausarzt Pfiff sind zwei alte Herren, die gerne Wetten abschließen. Um die neueste zu gewinnen tischt Bittermagen seinem Neffen Tommi und Pfiffs Tochter Julia auf, dass er sterbenskrank wäre und schickt die beiden als konkurrierendes Team mit jeweiligem Partner auf eine ereignisreiche Schnitzeljagd...


Ein dünner Plot...

Dass die 60er und 70er Jahre Klamaukkomödien Deutschlands mit Heimatfilmcharakter und Schlagersingsang ihr Ende gefunden haben, wollte manch einer in den 80er Jahren einfach nicht wahr haben. So tauschte man beispielsweise besagten Schlager gegen NDW aus, um Nena und Markus in "Gib Gas - Ich will Spaß" gegen die alte Garde auszutauschen, oder, wie im hier vorliegenden Falle, sparte man sich die Musikeinlagen fast komplett und mixte alte Vertreter besagter Gattung Film mit neuen, bzw. gerade wieder aktuellen Stars. Während Relax als eine der miesesten NDW-Bands tatsächlich als Band, anstatt als gespielte Rolle, zwei Hits beitragen darf, wird von Schauspielerseite aus überhaupt nicht gesungen. Der Humor der alten Dekade bleibt jedoch erhalten und zeigt in seiner Gnadenlosigkeit das Untalent der hier beteiligten Verantwortlichen hinter der Kamera auf.

Ich selbst habe mich im Laufe der Zeit der Komödienkost der 60er und 70er Jahre geöffnet und bin von meiner bisherigen Arroganz herabgestiegen, um den Werken eine tatsächliche Chance zu geben. Tatsächlich habe ich dadurch einige sympathische Werke entdeckt, sei es der grenzwertige, aber überraschend gut funktionierende, "Otto ist auf Frauen scharf", oder der harmlosere, aber äußerst unterhaltsame, "Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut", in welchem man es sogar schaffte Paul Löwinger positiv agieren zu lassen, dem es im selten dämlichen "Musik, Musik, da wackelt die Penne" inmitten von Peinlichkeiten gelang am peinlichsten zu agieren. "Ein dicker Hund" strahlt weder die Sympathie, noch den gelungenen Humor der ersten beiden Beispiele aus, wird in seiner grenzdebilen Infantilität und dem Unvermögen der meisten Beteiligten aber auch keine Trash-Granate wie letztgenannter Streifen. Zu verkrampft auf lustig getrimmt, ohne das Gespür für Timing, Choreographie und guter Witze zu besitzen, setzt er jeden seiner Darsteller des gnadenlosen Fremdschämens aus, was je nach Schauspieler überraschend oder als Dauerzustand ausfällt.

Willy Millowitsch spielt wie früher, also peinlich und wenig überzeugend, Heinz Schenk absolviert einen Gastauftritt, der eher Leergeschwätz als tatsächliche Lustigkeit beinhaltet, Gunther Philipp, einer der Lichtblicke der vergangenen Komödien-Dekade, wird verheizt, bekommt kaum Chancen zu zeigen was er kann, ist sich aber ebenso wie der Rest für keine Peinlichkeit zu schade (was in anders gearteten Werken oftmals ein Vorteil sein konnte), Helga Feddersen lässt wahrlich alles bis zur Ekelgrenze mit sich machen, im verzweifelten Versuch dadurch ein witziges Ergebnis zu ernten, was sie inmitten all der unlustigen Zoten am würdelosesten erscheinen lässt, und als Jungstar engagierte man Thomas Ohrner, der nicht nur ebenso unbegabt wie Hansi Kraus, der Jungstar der vergangenen Dekade, schauspielert, sondern zu alle dem auch noch unsympathischer wirkt als dieser. Man muss fast gesehen haben wie dilettantisch hier alle gemeinsam ein Kräftemessen des schlechten Humors abliefern, um wahrlich ein Ergebnis untersten Niveaus zu erreichen. Selbst Zuschauer die in den vergleichbaren Werken der zwei Jahrzehnte zuvor den Kopf schüttelten, werden einen extremeren Niveauabfall bemerken, als es bei den umstrittenen Klamauk-Komödien ohnehin schon immer der Fall war.

Franz Marischka, dem wir auch die üblen Filme "Sunshine Reggae auf Ibiza", "Die unglaublichen Abenteuer des Guru Jakob" und die "Lass jucken Kumpel"-Reihe zu verdanken haben, zeigt wieder einmal dass er es nicht kann. Verzweifelt versucht er dieses Meer an Peinlichkeiten, welches von einer nicht vorhandene Geschichte ablenken soll, mit zusätzlichen Schauwerten aufzuwerten, so z.B. mit einer längeren Szene bei den Winnetou-Festspielen, freilich kann man aber mit solchem Blickfang inmitten von dauerbestrahltem Unvermögen nichts mehr retten. Zahm umgesetzt, aber doch vorhanden, versucht es der gute Mann gelegentlich gar mit etwas weiblicher Nacktheit, wohingegen sich die Frauen mit Thomas Ohrner in Unterhose begnügen müssen, aber auch hier siegt selbstverständlich das Fremdschämen - leider auch mit Blick auf Gunther Philipp, der in solchen Momenten als Lustgreis nichts von seinem üblichen grotesken Charme zu versprühen weiß. Ich weiß nicht wie ich es in geselliger Runde geschafft habe diesen Müll bis zum Schluss zu schauen, aber ich habe es geschafft, ständig über die Dreistigkeit jemandem derartiges gegen Geld vorzusetzen lachend, anstatt über die gewollten Witze.


Trailer,   OFDb

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