YETI, DER SCHNEEMENSCH (The Abominable Snow Man 1957 Val Guest)


In einem buddhistischen Kloster stößt der englische Forscher Dr. Rollason auf ein amerikanisches Team, welches aufgrund neuer Beweise hoch oben im Himalaya-Gebirge eine Expedition auf der Suche nach dem Bigfoot starten will. Rollason bekommt die Chance teilzunehmen und nimmt diese wahr, obwohl es sich nicht gerade um ehrbare Leute handelt...


Das große Warten auf des Menschheits Untergang...

Ich habe in meinem Cineastenleben schon allerhand Fantasy- und Horrorfilme zum Thema Bigfoot, Yeti und Sasquatch gesehen, und so ziemlich jeder Beitrag dazu war Mist. Ausnahmen boten lediglich zwei schlichte Unterhaltungsfilmchen, und das war die Komödie "Bigfoot und die Hendersons", die nicht ins Genre passt mit ihrer zahmen Familienunterhaltung, sowie der B-Film "The Abominable", der mit wenig Anspruch gesegnet recht gut zu funktionieren weiß. Der Titel verweist auf den jüngst von mir gesichteten "The Abominable Snow Man", der bei uns als "Yeti, der Schneemensch" erschien und eine Hammer-Produktion besetzt mit Peter Cushing ist. Wenn es eine Chance gab ein gelungenes Produkt zu dem Mythenwesen zu erhaschen, so dachte ich mir, dann doch in diesem Falle. Nach Sichten des Streifens habe ich zwar noch immer keinen wahrlich guten Yeti-Film gesehen, aber zumindest ist der mit Retrocharme gesegnete Beitrag von Val Guest, der für Hammer auch die Quatermass-Filme "Schock" und "Feinde aus dem Nichts" inszenierte, so sympathisch ausgefallen wie besagter B-Film aus den 00er Jahren. Das ist bei der schlechten Quote zu diesem Thema immerhin bereits ein Glücksgriff.

Wirklich gut geht der Streifen nicht los, denn die Szenen im buddhistischen Kloster sind etwas arg geschwätzig ausgefallen. Gerade der optisch an Boris Karloff in "Der Rabe - Duell der Zauberer" erinnernde Oberbuddhist geht mit der Zeit gewaltig auf den Senkel, reißt er doch stets die Augen weit auf um zwielichtig oder zumindest grotesk zu wirken, aber er liefert lediglich ein monotones Affentheater ab, welches in seiner leeren, pseudowichtigen Geschwätzigkeit nicht gerade dabei hilft atmosphärisch gut durchzustarten oder Interesse für den Zuschauer zu wecken. Mit Ankunft der Amerikaner kommt Stimmung in die Bude, macht Guest den kulturellen und damit einhergehenden intellektuellen Unterschied zu den Engländern doch ohne große Umschweife deutlich, und das soll einer der Pluspunkte des Streifens im allgemeinen bleiben. Selbst oben im Himalaya, egal ob in ruhigen Szenen oder in Augenblicken der Angst, der kulturelle Unterschied wird stets hervorgehoben, zeigt uns die Unhöflichkeit der Amerikaner mit der groben Kelle, aber auch (ob beabsichtigt oder nicht) jene der Engländer auf subtilere Art. Rollason ist voll von Vorurteilen, Selbstgerechtigkeit und sieht sich, nicht immer zu recht, über den Ungebildeten stehen. Somit gibt es Sympathiefiguren nur in den Nebencharakteren, und das ist ungewöhnlich für seine Zeit zu nennen, wie gesagt eventuell auch gar nicht so gewollt, aber es weiß zu wirken.

Im Himalaya am erhofften Stützpunkt angekommen, kommt "The Snow Creature" (Alternativtitel) endgültig in Fahrt. Hier kommt nun atmosphärische Stimmung auf, auch aufgrund der glaubwürdig umgesetzten Location, die zu guten Teilen tatsächlich im Freien spielt und von der Kamera imposant eingefangen wird. Hier mitten im Frost will man sich schon ohne Bedrohung im Rücken nicht den Arsch abfrieren, die gefährliche Situation macht das Ganze um so unangenehmer, und ein Schneesturm soll dafür sorgen, dass es noch ungemütlicher wird als ohnehin schon. Erschwerend kommt hinzu, dass man sich einer Bedrohung nicht stellen kann, wenn man so gut wie nichts sehen kann. "The Abominable Snowman of the Himalayas" (Alternativtitel) entpuppt sich mit der Zeit jedoch als humaner Streifen, sprich die Thematik orientiert sich schließlich an der Frage, wer die wahre Bedrohung ist, der Schneemensch oder der Mensch. Um dies konsequent umzusetzen, verzichtet der Film lange Zeit auf das Zeigen der Kreatur, lediglich Körperteile wie Arme und Beine bekommen wir zu sichten. 

Das Warten bis zum Erblicken des kompletten Wesens lohnt sich und hält eine Überraschung parat, die das Erwartete entgegen kehrt. Vielleicht enttäuscht die Richtung, die "Yeti, der Schneemensch" gegen Ende einschlägt manchen Freund härterer Stoffe, immerhin fährt der Horrorgehalt hier stark zurück, aber da man sich damit an die klassische Form des Horror-Dramas a la "Frankenstein" orientiert, geht das Ergebnis eigentlich in Ordnung, vorausgesetzt man hat zu solch eher lächerlicher Thematik nicht ernsthaft mit einem großen Filmerlebnis gerechnet. Wahrscheinlich gibt es zu diesem Thema deshalb keinen gelungenen Film, da der Gedanke an solch eine Kreatur, bzw. der Glaube es könne ein derartiges Wesen existieren, einfach zu lächerlich ist um es konsequent umsetzen zu können. Die hier besprochene Produktion ist diesbezüglich den besten Weg gegangen und hat es tatsächlich halbwegs geschafft die Peinlichkeit der Thematik zu umgehen. Hut ab!


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen