DER WERWOLF VON WASHINGTON (The Werewolf of Washington 1973 Milton Moses Ginsberg)


Kurz bevor er den Job als Pressesprecher im Weißen Haus annimmt, wird Reporter Jack in Ungarn von einem Werwolf attackiert. Da er das Erlebnis überlebt, wird er in Washington angekommen nun selbst bei Vollmond stets zum Werwolf...


Auf politische Gehirnwäsche hoffend...

In Anlehnung an den Filmtitel "Der Werwolf von London" präsentierte Autor und Regisseur Milton Moses Ginsberg, der mit diesem seinem zweiten Film auch gleich seinen letzten ablieferte, mit "Der Werwolf von Washington" eine komödiantische Variante des Werwolfthemas, aufgrund des Spielortes freilich mit politischen Seitenhieben versehen. Das Produkt soll ein Horrorfilm und Komödie in einem sein, der Streifen wird somit kein "Liebe mit Biss" oder "Teen Wolf", dafür ist der Humor auch großteils zu nüchtern vorgetragen. Hin und wieder grenzt er jedoch auch an Klamauk, subtiler freilich eingebracht, kein "Police Academy" werdend, aber doch auf trockene Art mit etwas arg albernem Touch versehen. Da kann der Horrorgehalt nicht wirklich wirken, und ein Werwolfkostüm, welches während der attackierenden Szenen und jenen der Verwandlung heutzutage nicht einmal mehr einen 10-jährigen erschrecken würde, ist auch nicht gerade hilfreich bei der Unterstützung unheimlichen Feelings.

Das liegt aber auch an der zu banalen Regieführung und Erzählweise, die uns Jack nie wirklich nahe bringt, innere Prozesse überschlagend präsentiert, und Jack nie wirklich bedrohlich oder mitempfindbar verzweifelt wirken lässt. Allerdings kann im letzten Punkt auch die deutsche Synchronisation täuschen, ist die Stimme der Hauptfigur doch selbst in ernster Betonung etwas arg sonderbar ausgefallen, wirkt grundsätzlich witzig und damit zu aufdringlich für einen Film, der sein humoristisches Anliegen eher dezent einsetzen möchte. In einer Gewichtung beider Genres, die nichts Halbes und nichts Ganzes abliefert, und bei der man durch die oftmals zu stümperhafte Umsetzung in eigentlich routinierter Inszenierung nicht immer weiß ob gerade Gezeigtes ernst oder witzig gemeint sein soll, kommt "The Werewolf of Washington" (Originaltitel) ohnehin in allen Bereichen zu weichgespült daher. Als Horrorfilm ist er nicht düster genug ausgefallen, als Politsatire zu zahm daherkommend, als Komödie ist er nicht witzig genug. Diese drei Faktoren sind das Dilemma eines Streifens, den man aufgrund seiner unangepassten Bemühungen sympathischer finden möchte, als er ausgefallen ist.

Letztendlich hat mich das Ergebnis gelangweilt, war es in seiner zu zahmen Art, gerade humoristisch gesehen, doch noch weit entfernt vom gewagten Grundton, den John Landis in den 80er Jahren mit "American Werewolf" erreichen sollte, trotz zurückgeschraubter Anarchohaltung im Vergleich zu seinen 70er Jahre-Werken und ebenfalls auf den 30er Jahre Filmklassiker im Titel verweisend, so wie der hier besprochene Film. Der Möglichkeiten, gerade aufgrund der Arbeit im Weißen Haus, politisch treffsicher vorzugehen, gab es viele. Ob nun für wahnsinnig gehalten oder als Werwolf geoutet, beide Möglichkeiten hätten das Weiße Haus in seinem Drang nach Außen korrekt zu wirken, als manipulativ und Verbündete verstoßend entlarven können. Nichts davon geschieht. Meist orientiert man sich am Standardrezept des Werwolf-Themas (Halte Dich von mir fern, töte mich, ...), und selbst da wirkt der Film, der in seinen modernen Bemühungen zu inkonsequent ausgefallen ist, ziemlich altbacken, zumindest mit Blick heutiger Sehgewohnheiten. Kurze Anflüge treffsicherer Gedankengänge, wie die Hoffnung es aufgrund der Symptome anstatt mit einer Werwolftransformation mit einer politischen Gehirnwäsche zu tun zu haben, lockern das zu durchschnittliche Geschehen ein wenig auf, sind aber zu rar gesät, um "Der Werwolf von Washington" zumindest anspruchslosen Vielsehern nahezulegen.


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