ARRIVAL (2016 Denis Villeneuve)


Als an 12 Stellen der Erde außerirdische Raumschiffe über dem Boden schwebend verweilen, beauftragt man in den USA die Sprachforscherin Louise Banks, zusammen mit dem Physiker Ian Donnelly, Kontakt zu der unbekannten Spezies aufzubauen und deren Sprache zu entschlüsseln, um herauszufinden was die Mission der Besucher ist...


Schwebende Muscheln...

Es erfreut festzustellen, dass immer häufiger Großproduktionen auftauchen, die eine ruhigere Gangart als der Spezialeffekt-überladende Standard in den Kinos an den Tag legt. Alternativ zur Fortführung des "Krieg der Sterne"-Spektakels beschert uns Denis Villeneuve die andere Seite des Genres, den gesellschaftskritischen, empathischen, philosophisch angehauchten Science Fiction, jene Gattung die in den 70er Jahren ihr intellektuelles Hoch erfuhr, wohingegen spätere Produkte oft durch esoterische Elemente diesbezüglich verwässert wurden. So ergeht es auch dem ansonsten vorbildlich erzählten "Arrival", der, nicht nur in dieser Eigenart, einige Parallelen zu "Contact" bildet. Auch die Pluspunkte des Vergleichsfilmes mit Jodie Foster sind erhalten. Neben der ruhigen, sachlichen Gangart, die Raum für Charakterentwicklung lässt und sensibel ins Geschehen einsteigt und dies ebenso umsichtig fortführt, fällt die intelligente Herangehensweise auf, die gekonnt ein von den Schöpfern des Werkes vorbereitetes Rätsel entschlüsselt. Man lässt uns nicht nur an den körperlichen und geistigen Herausforderungen teilhaben, z.B. wenn der Einstieg ins Raumschiff weit anstrengender zu bewerkstelligen ist, als vom Laien erwartet, man sitzt auch in der ersten Reihe bei Teilerfolgen und Misserfolgen, weil man der Forschung mehr Raum schenkt als lauten Begebenheiten. Geistreich wird besagtes Rätsel entschlüsselt, während parallel ein realitätsorientierter, kritischer Blick auf den Umgang mit den Außerirdischen auf der ganzen Welt getroffen wird, inklusive politischer Auswirkungen auf der Erde.

Politik, Wissenschaft und Militär sind sich uneins über die Vorgehensweise, verschiedene Länder reagieren anders auf die Fremdlinge, verschiedene Mentalitäten gehen bei gleicher Zielsetzung verschieden vor. Wermutstropfen dieses an sich vielschichtigen, rationalen Blicks ist das positive Vorführverhalten der US-Amerikaner, so dass "Arrival" nicht einzig zur Entdeckung und dem Hinterfragen möglicher Wahrheiten genutzt wird, sondern auch zu Propagandazwecken missbraucht. Während man dies aufgrund seiner frühen Erscheinung noch recht gut verdauen kann, einfach deshalb weil das uns ansonsten Dargebotene interessant, empathisch und professionell inszeniert vorgesetzt wird, liegt der gegen Ende immer verstärkter auftretende esoterische Touch weit folgenschwerer im Magen. Eben weil "Arrival" wissenschaftlich und menschlich zugleich erzählt ist, hätte er die zu stark realitätsentrückte Sichtweise seiner Auflösung nicht benötigt, die zum Träumen anstatt zum Verstehen und Hinterfragen einlädt. Das komplexe Konstrukt, welches uns als Auflösung offenbart wird, hätte im Stile von "Interstellar" präsentiert werden müssen, zugegebener Maßen ebenfalls esoterischen Einfluss beinhaltend, jedoch nicht so stark ausgeprägt wie hier. Hier jedoch wird der träumerische Aspekt in einem Gehalt eingebaut, der die restlichen, positiven Elemente gegen Ende zu ersticken droht. Scheinbar wollte man das schwer nachvollziehbare Ende möglichst verständlich inszenieren, bzw. den Nichtverstehern dieses mit gefühlsübersprudelnder Realitätsentrückung ein alternatives positives Finale bescheren, um das Kino nicht enttäuscht zu verlassen.

Aber selbst dieses zu stark eingewobene Ärgernis kann nicht verhindern, dass ich eher positiv mit "Story of Your Life" (Alternativtitel) abschließe. Diese Ruhe mit welcher er erzählt ist, das Verhindern vieler unangenehmer Erwartungen, die dem Film die Möglichkeit ebnen den tatsächlich interessanten Aspekt der Geschichte hervorzuheben und das Zurückhalten im Spezialeffektebereich, welcher gerade aufgrund des Verzichts auf anderer Ebene zu beeindrucken weiß (gerade in jenen Szenen, in welchen wir die Außerirdischen erblicken dürfen), das alles macht "Arrival" zu einem solch angenehmen Ausnahmewerk im Stile eines "Monsters". Die Auftritte der Aliens kommen fast kammerspielartig daher, bilden stets einen eigenen, isolierten Raum im Restgeschehen, den Spielort ebenso betreffend, wie die Stimmung besagter Szenen. Und mag die Auflösung mit dieser fixen Idee, die uns in unserer Denkweise schwer fällt nachzuvollziehen, auch zu phantastisch erscheinen, sie ist eine geniale Idee, die weitere offene Fragen beinhaltet, vielleicht auch kleine Denkfehler, aber definitiv zu faszinieren weiß, gerade auch mit Hinblick auf die restliche Lebenserfahrung der Protagonistin in Zukunft und Vergangenheit und den zuvor absichtlich am Rande eingebrachten Fakt, dass Sprache Gehirnaktivitäten beeinflusst. Mit fast schon poetischen Phantastereien, wie der Schriftsprache der Außerirdischen, wird der Film mit zusätzlichen Gimmicks bereichert, ohne dass eines davon den Blick auf die Haupteckpunkte der Geschichte entweichen würde. "Arrival" ist in seiner stark übereinstimmenden Art der "Contact" seines Jahrzehnts, und jeder Cineast wird für sich selbst empfinden, ob dies als positiv oder als negativ einzuordnen ist. Geistreich ist der Film, trotz seiner halbwegs geistfreien Abschweifungen gegen Ende, definitiv ausgefallen.


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Trailer,   OFDb

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