UFOS ZERSTÖREN DIE ERDE (Yôsei Gorasu 1962 Ishirô Honda)


Ein Meteorit, halb so groß wie die Erde, aber mit wesentlich mehr Masse und Gravitation versehen, verschlingt Himmelskörper die er passiert, so dass er auf seinem Kurs Richtung Erde immer gewaltiger wird. Wissenschaftler versuchen Gorath, wie er genannt wird, zu zerstören, bevor er unseren Planeten erreicht. Falls dies misslingt, soll alternativ die Erde aus ihrer Umlaufbahn verschoben werden. Bei beiden Projekten müssen die Weltregierungen zusammen arbeiten, so dass bei all den Debatten um Geld und Zuständigkeit die Zeit immer knapper wird...


Was mit den Saturnringen geschah...

Wie so oft ist die deutsche Titelgebung absichtliche Täuschung, scheinbar zur besseren Vermarktung, denn ein Werk im Stile eines "Fliegende Untertassen greifen an" oder eines "Krieg im Weltenraum" braucht man nicht zu erwarten. "Ufos zerstören die Erde" kommt völlig ohne Ufos und Außerirdische aus, die Bedrohung ist natürlichem Ursprungs, aber nicht weniger faszinierend, als es Ufos wären. Als eine Art Vorgänger von "Armageddon" und Co, noch lange vor "Meteor", wenn auch verspielt unsinniger daher kommend im Stile eines "Ein Riss in der Welt", präsentiert uns "Godzilla"-Schöpfer Ishirô Honda einen halbwegs sachlichen Science Fiction-Streifen. Dem fehlt es trotz allem nicht an Spannung, fantastischer Gimmicks, wissenschaftlicher Unsinnigkeiten und dank der personifizierten Darstellung des bedrohlichen Kometen Goraths auch nicht an einer monströsen Bedrohung, dennoch steht hier bereits, im Gegensatz zur US-Amerikanischen Konkurrenz jener Zeit, die Arbeit und der Verdienst der Wissenschaft im Zentrum und keineswegs das Militär. Es wird geforscht und überlegt, wenn auch noch nicht auf dem Niveau eines "Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All", dafür kommt Hondas Werk zu verspielt und wahnwitzig daher, aber der Weg für sinnvollere Werke dieser Art wird definitiv bereits vorbereitet.

Dennoch können Honda und sein Team nicht aus ihrer Haut heraus. Der Spaß an der Zerstörung kitzelt in ihren Fingern. So darf der monströs feurig lodernde Gorath immer wieder Himmelskörper zerstören und in einer imposant ausgefallenen, überraschend ausführlich gezeigten Einleitung, gar die Heldenrakete verschlucken. Und auf der Erde zerstören Sturmfluten Städte und Natur. Sogar ein "Godzilla"-ähnliches Monster, diesmal im Walross-Stil, wird eingebracht, dies ganz nebenbei und für die Geschichte nicht wirklich von Bedeutung, aber doch putzig anzuschauen. "Astronaut 1980" (Alternativtitel) bietet somit einiges an Schauwerten in seiner theoretisch etwas lahm klingenden Idee für jene Zuschauer, die im Science Fiction-Bereich stets nur auf Spezialeffekte hoffen. Für diese griff man des öfteren auch auf den Bereich der Miniaturbauten zurück, was sich oft leider nicht übersehen lässt, einer Baustellenszene, mit umher fahrenden Spielzeug-Baggern jedoch einen charmant trashigen Touch beschert, weit mehr naiv wirkend, als die klassisch billig durchs All tuckernden Raketen.

Spaßigem oder nostalgischem Retrocharme sollte man als Zuschauer somit zugeneigt sein, um etwas mit dem arg naiven Ergebnis von "Ufos vernichten die Erde" (Alternativtitel) anfangen zu können. Aber das fällt nicht schwer, bei solch sympathischer Umsetzung, in welcher die menschlichen Akteure jedoch zugegebener Weise etwas arg zurückfallen. Selbst die öfter auftretenden Figuren, innerhalb einer Geschichte in der es keine wirklichen Hauptrollen gibt, werden nicht vertieft, und werden somit keine greifbaren Persönlichkeiten. Aber der aufgeregte Erzählstil und der Blick auf die Bedeutung der Arbeit einer jeweiligen Person, sorgen dafür, dass dieses Makel nicht wirklich negativ greift, zumal die Aussage des Streifens letztendlich ohnehin jene ist, dass die Menschheit Auge in Auge mit der Gefahr aus dem Weltall zusammen arbeiten muss, um zu überleben. Da ist kein Platz für den Wunsch eines Individuums, da hilft lediglich Solidarität. Dennoch blendet "Gorath" (Alternativtitel) den menschlichen Faktor nicht völlig aus. Singende Astronauten, Lügen und Lauschen zum Zwecke der Informationsbeschaffung, was lächelnd als schrullige Charaktereigenschaft von Vorgesetzten/Familienmitgliedern angenommen wird, finden ebenso ihren Weg in den Film, wie Liebe, Eifersucht, Ehrgefühl und die Schwächen von Politikern.

"Gorath, the Mysterious Star" (Alternativtitel) mag manches Mal in Sachen Unsinn ordentlich in die Kacke hauen, ein reines Trash-Produkt ist er jedoch nicht geworden, dafür ist er zu gekonnt ausgefallen, wenn auch irrsinnige Ideen auslebend. Der Streifen ist als Unterhaltungsfilm angelegt, er hat nicht die Ambitionen an sich wie am Ende gleichen Jahrzehnts "2001 - Odyssee im Weltraum". Deshalb guckt er sich in seinen Weltraumszenen auch stark wie eine Episode "Raumschiff Enterprise", irgendwo zwischen naiv utopisch, unsinnig und gelungen pendelnd, dabei den Bereich der Idiotie nie zu stark streifend, so dass verträumten Filmnostalgikern die Illusion nicht komplett geraubt wird. Das Ergebnis von "Suspicous Star Gorath" (Alternativtitel) ist abenteuerlich, spannend und naiv ausgefallen und gleichermaßen mit Blick auf die Forschung und die Zerstörungsfreude ausgelegt, so dass er mit seinem simplen Anliegen als das zu funktionieren weiß, was er sein möchte: Unterhaltungs-Kino. Und für den lediglich anvisierten Trivialbereich ist es positiv anzumerken, dass er den Geist der Forschung so positiv vorlebt, wie es in diesem Genre erst Jahre später üblich werden sollte - wenn auch hier noch ziemlich unsinnig eingefangen. Das beschert "Yôsei Gorasu" (Originaltitel) aber immerhin jenen naiven Charme, der Genrefilme dieser Zeit zu solch einer besonderen Spezies Liebhaberstück werden lässt.


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Trailer,   OFDb

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