ASSASSINS - DIE KILLER (Assassins 1995 Richard Donner)


Ein gealterter Auftragskiller nimmt einen gut bezahlten Job an, um danach aus der Branche aussteigen zu können. Doch ein neuer, jüngerer Profi funkt ihm dazwischen. Ist dieser Mann von seinem eigenen Auftraggeber engagiert worden? Gehört er nun selbst zur Abschussliste? Zusammen mit einer Datendiebin, jener Person, die er eigentlich hätte töten sollen, dreht er den Spieß um...


Fanatischer Konkurrent...

Stallone hatte wenige Jahre vor "Assassins" (Originaltitel) mit "The Specialist" einen ähnlich thematisierten Film abgeliefert, dennoch musste ich beim Sichten des besser ausgefallenen Werkes um zwei konkurrierende Auftragskiller eher an "Mein Name ist Nobody" denken. Dort wie hier geht es um einen Fan, welcher dem Vorbild nicht geheuer ist, schließlich kann aus einem Fanatiker irgendwann dein Mörder werden, zumindest wenn dieser beruflich gleiche Pfade betritt und irgendwann einmal die Nummer eins sein möchte. Was in der Western-Komödie humoristisch angegangen wird, wird in dem Action-Thriller sehr ernst thematisiert. Und obwohl Humor und auch wahres Augenzwinkern fehlt, so vermittelt das Ergebnis von "Assassins" doch stets, dass er sich seiner Übertreibungen bewusst ist und eher in einer alternativen Comicwelt anvisiert ist, als in der unseren. Hier bemerkt man die Handschrift der Autoren, welche keine geringeren als die Wachowski-Brüder sind, die Jahre später mit "Matrix" einen großen Erfolg verbuchen sollten. Im Gegensatz zu diesem führen sie hier noch nicht Regie, Richard Donner, der mit den ersten drei "Lethal Weapon"-Filmen gerade große Erfolge verbuchte, schien der richtige Mann für das Projekt zu sein.

Zumindest beweist er, dass er den verspielten Actionbereich als alteingesessener, nicht nur auf ein Genre reduzierter, Regisseur auch dann beherrscht, wenn auf Komik verzichtet wird und stattdessen ein hoher Grad Ironie enthalten ist, angereichert mit dem Wissen über die Kenntnis der Gesetzmäßigkeit solcher Stoffe bei den Filmschaffenden und dem Publikum. Deswegen schauen sich Klischees hier auch nicht wie lästige Pflichten oder unkreative lange, weiße Bärte. Die Dynamik des Stoffes und ihr moderner Inszenierungsstil lassen durchblicken, dass man sich nicht auf alt Bewährtes ausruht, sondern bewusst mit den Standardeigenschaften derartiger Geschichten spielt. Das Buhlen um den ersten Platz macht die Comicposition deutlich, allein schon aufgrund dessen, dass er nur einseitig umkämpft wird, will einer von beiden Wettbewerbern doch schließlich aussteigen. Der weibliche Part des zentralen Figurentrios ist schließlich das Comic-Zugeständnis schlechthin, mit der offensichtlichen Verwandtschaft zu Cat-Woman aus dem Batman-Universum, hineinprojiziert ins digitale Zeitalter, irgendwo pendelnd zwischen taff und naiv, professionell und Amateur. Die nötige unverkrampfte Distanz verschafft sich das Werk durch den Umgang der Klischees aus dem Blickwinkel des Fanatikers, der sich in seiner irren Art an Rituale klammert, eine Zutat die dem Werk überhaupt erst die Chance ermöglicht, auf seine tolle Finalidee setzen zu können, die alles andere als Standard derartiger Werke darstellt.

Anstatt es ordentlich krachen zu lassen, lassen die Verantwortlichen des Streifens den Bösewicht in der Schlussphase schmoren - und mit ihm den Zuschauer, der die Vorbereitung des Finales hauptsächlich über ihn erfährt, anstatt über den Helden, und von Anfang an in dessen Pläne eingeweiht ist. Während man das Leiden des Gegners auf der einen Seite nachvollziehen kann, so spürbar Donner uns die Schwüle der Situation verdeutlicht, kann man sich gleichzeitig an dessen Unglück laben, wissend dass er geradewegs in eine Falle hinein läuft. Erneut zeigt sich eine Art Lustigkeit in humorloser Umsetzung, eingebettet in Nervenkitzel - welch herrliches Rezept. Freilich verläuft nicht alles nach Plan, so dass auch ein tatsächlicher Spannungsbogen jenseits des Eingeweihtseins aufkommen kann. Und dessen Wendungen wissen bis auf jene zu gefallen, die das Geschehen auch außerhalb des Konkurrenzkampfes der beiden Auftragskiller einen zu kleinen Radius beschert und damit eine arg persönliche Wendung zu viel präsentiert. Abgesehen von diesem Makel ist "Assassins - Die Killer" jedoch stilsicher erzählt, nicht immer logisch, aber doch clever umgesetzt, auch in seinen Actionszenen und mit all dem was ihn ausmacht weit mehr bietend, als das Standardprodukt um Auftragskiller. Mit dem ein Jahr zuvor erschienenen "Léon - Der Profi" kann sich "Assassins" jedoch nicht messen. Aber es würde mich wundern, wenn man solch hohes Ziel überhaupt anvisiert hat.


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Trailer,   OFDb

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