25.08.2019

THE FIRST PURGE (2018 Gerard McMurray)


In den USA ist eine neue Partei an der Macht, welche bislang unlösbare Probleme damit beheben möchte, dass einmal im Jahr eine sogenannte Purge-Nacht stattfindet, in welcher jegliche Verbrechen straffrei bleiben. Zunächst wird dieses Projekt auf Staten Island getestet. Die Nacht entpuppt sich jedoch für alle Beteiligten nicht als das, was man von ihr erwartet hat...


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Im selben Jahr, in welchem die "The Purge"-Reihe auch als Fernsehserie fortgesetzt wurde, erschien auch der vierte Kinofilm zu diesem Thema, uns diesmal die Vorgeschichte der uns bekannten Ereignisse präsentierend. Dabei geht es weniger darum darzulegen, wie es gesellschaftlich zur ersten Purge kam, dieser Bereich wird nur gestreift, als viel mehr darum aufzuzeigen wie diese erste Nacht der Anarchie vonstatten ging. Mit dieser Entscheidung geht zwar einiges an Potential verloren, letztendlich ist es aber verständlich, dass man sich bei einer solchen Produktion dem Stammpublikum verpflichtet fühlt, welches schnell den Actionteil der Handlung vorgesetzt bekommen möchte. Dementsprechend muss man sich auch nicht wundern, dass auch der vierte Teil, wie bislang alle anderen auch, etwas arg naiv ausgefallen ist, durchdacht ist bei weitem nicht alles, und je mehr sich "The First Purge" dem Ende neigt, desto naiver wird er auch. Glücklicher Weise teilt er aber auch eine andere Gemeinsamkeit mit seinen Vorgängern: er ist mit heruntergeschraubten Erwartungen und ausgeschaltetem Kopf ein durchaus unterhaltsamer Streifen, den man sich ruhig als Ergänzung zum Rest einmal geben kann.

Die Idee einer Vorgeschichte zu einer bereits existierenden Film-Reihe ist längst Standard bei amerikanischen Produktionen. Und wo andere Reihen mit dieser Vorgehensweise oftmals Widersprüche und Ungereimtheiten produzieren, oder als Mogelpackung fungieren, in welcher nicht wirklich brauchbare Informationen einer Vorgeschichte vorhanden sind, da arbeitet "The Purge 4" (Alternativtitel) recht bewusst mit den Möglichkeiten, die eine Rückschau bietet. Zwar ist es nicht so, dass sich die zweite Regiearbeit des für die Webserie "The Twilight Zone" mitverantwortlichen Gerard McMurray in vielen Szenen nicht sonderlich von den Ereignissen vorangegangener Teile unterscheidet, gerade was "The Purge 2" und "The Purge 3" betrifft, aber sie sind da, die Gedankenansätze und Ereignisse einer wahren ersten Purge-Nacht. So ist der Blickwinkel interessant zu nennen, welchen der Film dadurch einnimmt, dass wir Zuschauer weit informierter über das hereinbrechende Ereignis sind, als es jegliche Figur des Streifens ist. Das nutzt man storytechnisch zwar auch für Überraschungen, wenn erwartete Elemente der Vorgänger (zunächst) nicht auftauchen, letztendlich lebt der vierte Teil aber von dem beunruhigenden Fakt, dass selbst die Gegner der Purge-Idee diese Nacht unterschätzen, und wir dies wissen. Besonders gut hat mir diesbezüglich der gedankenlose Umgang jener Leute gefallen, die an diversen Orten der Stadt eine Purge-Party feiern, nichts ahnend, dass man damit zum willkommenen Buffet für nach Blut lechzende Killer wird. Diese Idee empfand ich als eine der realistischsten des kompletten Filmes.

Da der politische Hintergrund von Teil zu Teil immer wichtiger wurde, wird er auch hier wieder eingebaut, kommt mir persönlich zwar ein wenig zu kurz, ist neben dem Hintergrund warum die Purge überhaupt stattfindet aber auch wichtiger Motor einer Wendung aller Geschehnisse. Wer glaubt die Regierung habe erst spät angefangen sich einzumischen, wie wir seit Teil 2 wissen, der wird sich wundern warum die Ereignisse in der Testnacht derart ausufern werden. Das ist im ersten Gedankenansatz eine folgerichtige Idee, zumal die an sich reißerisch dargebotene Reihe damit zumindest kurzfristig ein Zurückrudern aufblitzen lässt. Immerhin erzählt Teil 4 zunächst davon, dass die Bevölkerung bei weitem nicht so blutrünstig auf die Purge abfährt, wie von der Regierung erhofft. Mit diesem Umschwung der Geschichte geraten aber endgültig die Schwachpunkte des Streifens ins Zentrum, besonders unangenehm durch jenen Fakt auffallend, dass man glauben soll, dass halbstarke Kriminelle und Möchtegern-Gangster es ernsthaft mit professionell ausgebildeten Soldaten aufnehmen können - selbst im waffenfreien Nahkampf. Hier bröckelt die Glaubwürdigkeit nun etwas zu extrem, während gleichzeitig ein unsympathischer Charakter unpassend zum Helden transformiert wird. Zumindest hat der Wandel dieser Ereignisse auch ein paar augenzwinkernde Randerscheinungen zu bieten, so z.B. eine ungenannte Antwort auf die Frage, warum es in den Purge-Nächten später üblich wurde sich grotesk zu maskieren.

Dass sich "The Purge - The Island" (Alternativtitel) auch gucken lässt, wenn man keinen der Vorgänger gesichtet hat, ist für Neulinge eine tolle Sache, letztendlich wird aber ohnehin das Stammpublikum mit all dem bedient, wonach es lechzt, der Film bleibt Fan-orientiert. Das beraubt der Reihe zwar der Möglichkeit wahrer Vertiefungen seines Stoffes, ist aber nichts womit man ernsthaft in einem Teil 4 einer stets naiv erzählten, dem Unterhaltungswert zugewendeten, reißerischen Filmreihe gerechnet hätte. Somit bietet "The First Purge" übliches Grundlagenprogramm, welches zu dem ausgelutscht klingenden Ergebnis führt, dass jene, welche die Vorgänger mochten, auch hier zufrieden gestellt werden, und jene, die mit den Teilen 1 bis 3 nichts anfangen konnten, auch mit der dritten Fortsetzung nicht glücklich werden. Ich mag die Reihe, auch wenn ich immer wieder bedaure, dass sie nie ihr volles Potenzial ausschöpft, und freue mich dementsprechend auch auf die erste Staffel der TV-Serie "The Purge", in der Hoffnung, dass es trotz ihrer Existenz auch im Kino irgendwann mit der Filmreihe weitergehen wird.


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Trailer,   OFDb

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