29.09.2019

THE TOXIC AVENGER 2 (1989 Lloyd Kaufman u.a.)


Tromaville ist eine friedliche Stadt geworden, seit der Atomic Hero alle Verbrecher getötet hat. Ein Großkonzern möchte die Stadt übernehmen und muss hierfür den mutierten Helden beseitigen. Da dieser fast unzerstörbar ist, entfernt man ihn mit einer List aus der Stadt. Melvins Vater soll in Japan wohnen, also reist das Monster dorthin um ihn zu suchen, während die Bewohner der Stadt von nun an unter den Gräueltaten der Industrie leiden müssen...


Eine Nasenlänge Fisch-Fast Food...

Man sollte meinen, dass die Fortsetzung eines schrägen Kultfilmes, dessen Gelingen eher dem Zufall anstatt echtem Können geschult ist, keine gute Idee darstellt, zumal auf dessen Stil aufbauende weitere Werke der Troma-Studios, bishin zu den aktuell produzierten, meist unangenehmer Natur sind. Das liegt daran die Übertreibung des Grundrezeptes noch um einige Grade mehr auf die Spitze zu treiben, so dass der Klamauk eine unerträgliche Form erhält, die selbst die Geister des ursprünglichen Zielpublikums scheidet. Glücklicher Weise schaut sich "The Toxic Avenger 2" noch so klassisch wie "The Toxic Avenger" und "Class of Nuke 'em High" und damit in der irren Tromawelt halbwegs bodenständig. Wer die Werke dieser Filme kennt, weiß was das heißt, so aufgedreht und unter der Gürtellinie wie hier Humor, Brutalitäten und Nacktheiten zelebriert werden. Für den Zuschauer von Ausnahmekost kann aber auch dieser Teil 2 aufgrund seiner Treffsicherheit funktionieren. Mir hat er sogar ein klein bisschen mehr gefallen als der Vorgänger, was mitunter daran liegt, dass die Schnitte nicht mehr so amateurhaft gesetzt sind und der rote Faden inmitten der noch immer vorhandenen Episodenhaftigkeit und Sprunghaftigkeit, in der es keine tatsächlichen Wichtigkeiten gibt, eine Spur dicker ausgefallen ist als zuvor.

Zudem trumpft die Fortsetzung mit tatsächlichen Aufnahmen in Japan, die dem Streifen ein angenehm frisches Flair bescheren. Wie kompatibel der Troma-Humor mit dem üblichen Japan-Klamauk ist, wird einem erst mit Sichten dieses Werkes bewusst. Und in Japan, wie in den USA, sind alle Beteiligten mit sichtbarer Spielfreude dabei, nichts von dem Präsentierten zu ernst nehmend, trotz aller Härte in Humor und Goreszenen eine gewisse Unschuld bewahrend und doch jenen Hauch professioneller herangehend, der "Atomic Hero 2" (Alternativtitel) ein gutes Stück aus dem Amateurfilm-Flair befreit, in welchen Teil 1 gefangen war. Schön dass auf dem Weg dorthin nicht die Seele des Stoffes verloren ging, die erneute Regiearbeit von Lloyd Kaufman und Michael Herz atmet die selbe gewollte Trash-Luft, den selben Mittelfinger, der sich gegen alles richtet was den USA und Hollywood heilig ist, und das Ganze schauspielerisch überraschend geglückter ausgefallen als es zunächst scheint, auch wenn man hierfür inmitten des ganzen Overactings genau hin gucken muss. Gerade in den Japanszenen fallen als gelungenes Bonuselement die improvisierten Szenen auf, in welchen nicht eingeweihte Passanten auf den Atomic Hero stoßen. Zudem überrascht der Japan-Part bei einem solch überdrehten Film mit versteckter Ehrverbeugung der japanischen Kultur, so liebevoll wie sie hier auf absurde Art einfühlsam und vielseitig eingefangen wird.

Aber auch die Szenen, die in Tromaville spielen, sind nicht von schlechten Eltern. Gerade der Einstieg, der uns endlose Kämpfe nach einem Terroranschlag auf ein Blindenheim präsentiert, ist eine Wucht an schrägen Einfällen, derart lang zelebriert, mit immer neu auftauchenden Gegnern, dass es verwundern darf, dass die ganze Chose so gut zu funktionieren weiß. Nie erhält diese lange Szene einen Einbruch, stets bleibt sie witzig und einfallsreich, wird immer dann grotesker, wenn man nicht mehr damit rechnet, und erleichtert einem somit den Einstieg in einen ungewöhnlichen Streifen. Einige Stellen des restlichen "The Atomic Hero Part II" (Alternativtitel) mögen im Gegensatz zu dieser Eingangssequenz manche Längen besitzen, sie sind jedoch nicht mehr so nervenstrapazierend wie im Vorgänger ausgefallen und blitzen nur recht kurz auf. Wie scheiß egal den Verantwortlichen des Streifens das tatsächliche Erzählen einer Geschichte ist, beweisen sie besonders auffällig gegen Ende, wenn sie das Finale gegen einen auf die Schnelle aus dem Nichts präsentierten Endgegner stattfinden lassen, wohingegen die eigentlichen Feinde, die Leiter des bösartigen Konzerns, nur am Rande Vergeltung erfahren. Allerdings kehren diese, oder zumindest der Konzern an sich, in der im selben Jahr entstandenen Fortsetzung "Toxie's letzte Schlacht" wieder auf. Ich bin schon gespannt ob auch dieser mit den ersten beiden Teilen mithalten kann.


Weitere Besprechungen zu The Toxic Avenger 2:


Trailer,   OFDb

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