06.04.2020

MOTHRA BEDROHT DIE WELT (Mosura 1961 Ishirô Honda)


Während einer Expedition auf einer Insel, auf der Atomversuche stattfanden, entdeckt man zwei winzige Frauen, welche der skrupellose Geschäftsmann Nelson mit nach Japan nimmt, um sie dort einem großen Publikum vorzuführen. Ihr Gesang lässt die Kassen klingeln, aber der lockt in Wirklichkeit den Retter der beiden Damen an: Mothra, eine riesige Raupe...


Nelson bedroht die Welt...

Ein Jahr bevor Godzilla seinen ersten Buntfilm mit "King Kong vs. Godzilla" erfahren durfte, da ließ dessen Schöpfer Ishirô Honda Mothra auf die Menschheit los. Diese darf zunächst als Raupe die Großstadt zerstören, bevor sie zur übergroßen Motte gewandelt das Endszenario des Streifens bestimmt. Man mag ja auf diese Verwandlung warten, zumal mit dem Wandel im selbst gesponnenen Kokon eine Erwartungshaltung entfacht wird, die es ansonsten in derartigen Werken nur zu Beginn gibt, bis endlich der erste Monsterauftritt erfolgt. Sich für eine derartige Kreatur zu entscheiden war somit nicht nur bezogen auf den Buntfilm ein guter Kniff, sondern auch im Nutzen des zweifachen Entfachens, bzw. Puschens der Zuschauererwartungen. Mir persönlich haben die Angriffe der Riesenraupe jedoch besser gefallen, wirkt sie doch bedrohlicher und machen ihre Attacken auf Miniaturbauten, die keine Illusion von Größe entstehen lassen, doch weitaus mehr Laune als die Luftangriffe einer Kreatur in wolliger Ausstattung. Dass die Miniaturbauten und winzigen Fahrzeuge nie echte Illusion entstehen lassen, macht "Mothra bedroht die Welt" anbei keinesfalls zu einem unfreiwillig komischen Film. Die Geschichte funktioniert dennoch, und es tut gut, dass Kino dieser Art nie an Perfektion gebunden war, die der Zuschauer von heute scheinbar benötigt, um überhaupt in einem Film aufgehen zu können.

Wie auch immer ist "Mosura" (Originaltitel), trotz allem was die Geschichte vermuten lässt, überraschend ernst ausgefallen, und thematisiert die intolerante Haltung von Eroberern und Plünderern fremder Kulturen, übt Kritik am Kapitalismus durch den Nicht-Japaner Nelson, dessen Herkunftsland ein Alibi-Namen erhält. Wenn das Finale, geradezu untypisch für die Kaiju-Filme, nicht in Japan, sondern stattdessen dort spielt, wird dem letzten klar welches real existierende Land Pate stand. Es geht in "Mothra" (Alternativtitel) um Menschlichkeit, um Respekt andersartiger Kulturen, im Finale sogar um Gemeinsamkeiten mit fremden Kulturen, leider auf die Religion bezogen, was dem Ganzen einen etwas bitteren Touch beschert. Letztendlich ist es aber ohnehin das Finale, welches den Gesamteindruck schmälert, weil die dort präsentierte Lösung doch etwas arg an den Haaren herbeigezogen ausgefallen ist. Zuvor bereitet Ishirô Hondas Werk, welches drei Jahre später mit dem vierten "Godzilla"-Film "Godzilla und die Urweltraupen" fortgesetzt wurde, jedoch genügend Freude, um nicht allzu enttäuscht mit dem Finale ins Gericht zu gehen. Für mich gehört er bisher zu den sympathischsten Werken dieser Art, zumal er bereits in seiner langen Vorgeschichte zu gefallen mag, lange bevor Mothra aus ihrem Ei geschlüpft ist.

Ein interessantes Szenario mit sympathischen Charakteren beherrschen hier das Szenario, welches trotz seines abenteuerlichen Fantasy-Schwerpunktes selbst mit dem Auftauchen der zwei Elfen-artigen Frauen nie wirklich kitschig wird. Auch wenn sie später in Gefangenschaft singen, wird der Kitschgehalt nur zart eingesetzt, fast nur gestreift, um das Schicksal der Gefangenen besser zu symbolisieren, während dieser Einfall freilich gleichzeitig von der Idee des Irrtums lebt (mal ganz abgesehen von der Promotion der beiden Sängerinnen "The Peanuts"). Wer würde schon bei so jammernden Gesichtsausdrücken damit rechnen, dass in Wirklichkeit ein Lockgesang stattfindet, um Hilfe von einem Monster zu erhalten? Mothra tritt spät ins Geschehen, letztendlich lebt der Film bis dahin aber nicht einzig von der gut funktionierenden Erwartungshaltung, die mystisch gelungen das Auftauchen des Monsters vorbereitet, sondern tatsächlich auch von seiner interessanten Geschichte, so dass "Mothra bedroht die Welt" in dieser Phase keinesfalls nur ein Produkt des Hinhaltens ist. Aus dem Ei geschlüpft weiß das Biest zudem von Anfang an zu gefallen, wirkt es im Wasser doch gleichsam bedrohlich, wie an Land, so dass es in dieser Raupenform bereits mehr Wirkung besitzt als manche Viecher der Konkurrenz, die so gar nichts Bedrohliches mehr ausstrahlen. Die Ironie daran ist, dass Mothra eigentlich kein Aggressor ist, sondern lediglich ihre Mission erfüllt, um ein Gleichgewicht wieder herzustellen, welches durch Unrecht ausgelöst wurde. Eine erste Fortsetzung ohne Godzilla erfuhr die Riesenmotte anbei erst in den 90er Jahren, wo sie sogleich innerhalb von drei Jahren drei Filme beschert bekam. unterhaltsam


Trailer,   OFDb

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