10.01.2021

AFTER MIDNIGHT (2014)

Kurzfilme über Spuk und Psychopathen...

Vom Haselwurm und anderem...

"After Midnight" ist die Aneinanderreihung diverser Horror-Kurzfilme verschiedener Regie-Anfänger Italiens, die mal mehr, mal weniger bemerkbar auf Independent-Film-Basis einen kurzen Einblick ihres Könnens offenbaren. Manche Ergebnisse sind mehr Filmfragment anstatt Kurzfilm, so schnell wie sie fast ereignislos abbrechen,  zu simpel und austauschbar bleiben sie alle, frei von eigenen Ideen und tatsächlich Erzählenswertem. Bei manchem Beitrag ist man gar überrascht, wenn nach der Blende der nächste Kurzfilm beginnt, so austauschbar bleibt selbst manche Pointe. Stilistisch durfte man sich hingegen munter austoben, da ist vom Grusel-Film, zum Gore mit Gedärmerausreißen, einem märchenhaft angehauchten Fantasy-Grusler, bis hin zum komödiantischen Werk alles kunterbunt zusammengewürfelt vorhanden. Warum das alles zu einem großen Ganzen in dieser Form zusammengefügt wurde, ist mir nicht bekannt. Laut dem lustig gehaltenen, Metaebenen durchbrechenden, Kurzfilm um einen getöteten Bauern ist "After Midnight" jedoch ein offizielles Projekt, sprich die Beiträge wurden speziell für dieses angegangen. Da darf es das eine Mal lediglich einen Kapitelwechsel zum nächsten Kurzfilm geben, wie in so vielen anderen Zusammenfügungen diverser Kurzgeschichten, ein andermal ist ein Beitrag mit Vor- und/oder Abspann gesegnet, das ist so unterschiedlich der Fall, wie alles im fertigen Film.

Thematisch sieht es dabei nicht anders aus. Zwar geht es meist um Spuk und Psychopathen (nur einmal bricht man aus diesem Muster heraus, wenn wir das Naturphänomen des Haselwurms als letzten Beitrag kennenlernen), aber auch in diesen beiden Themenbereichen geht man völlig unterschiedlich vor. Ob Killerclown, Kettensägen-Mörder, post-apokalyptische Kannibalen, Rachegeister oder ein Dämon in Nonnentracht, für Abwechslung ist gesorgt, jeder durfte scheinbar drehen was er wollte, solang ein morbider Ton vorhanden ist. Dass es dann ausgerechnet der erste Kurzfilm ist, der den einzig tatsächlich wirksamen Schockmoment bereit hält, darf überraschen. Mehr jedoch noch, wenn man bedenkt, dass es zudem der einzige Beitrag ist, in dem zu Metal-Musik gemordet wird, eine typische, gerade gern von Amateurfilmern genutzte, Horrorfilm-Zutat, die mir noch nie geschmeckt hat. Inhaltlich gefällt keiner der Beiträge so wirklich, manche wissen aufgrund ihrer Gehversuche oder kurz aufkommenden Atmosphäre dennoch zu gefallen, so z.B. die Verbeugung vor Hoopers "Kettensägenmassaker" (man soll es nicht meinen, so oft wie gerade dieser Bereich von Hobbyfilmern meist missglückt nachgeahmt wird), die Geschichte um einen mordenden Zombiebauern (der erst mit Auftritt des Regisseurs nachlässt), und bis auf den mauen Schluss weiß auch das Schicksal eines Geschwisterpaares zu gefallen, dass ein Jahr nach einem Autounfall von der damals Verstorbenen heimgesucht wird.

Man muss sich schon für die ersten Gehversuche im Filmbereich interessieren, um Gefallen an "17 a mezzanotte" (Originaltitel) zu finden, steckt doch jeder Beitrag zu sehr im Grundgerüst dessen fest, was erst mit zusätzlichen Elementen zu einer erzählenswerten Kurzgeschichte führen würde. Diese Kurzfilm-Zusammenführung reizt somit eher im theoretischen Bereich, nicht in einem von dem man sich tatsächlich einen kurzweiligen Unterhaltungswert wünscht. Es ist, als wäre man ein Lehrer, der die Video-Projekte seiner Schüler beurteilen müsste. Das besitzt einen gewissen Reiz, auf fast 90 Minuten schaut sich das Gesamtergebnis aber dann doch etwas zu bemüht, als dass es einen über einen derartigen Zeitabschnitt bei Laune halten könnte. Ich freue mich über das Engagement aller Beteiligten, weiß es zu schätzen, dass man bei der deutschen DVD-Veröffentlichung ihre Werke wertschätzte, indem sie keine billige deutsche Synchronisation erhielten, sondern stattdessen einen deutschen Untertitel, und völlig abgeneigt bin ich "After Midnight" sowieso nicht, empfehlen kann ich ihn jedoch nicht, und ein zweites Mal werde ich ihn mir auch nicht zu Gemüte führen. Aber allen beteiligten Regisseuren sei gesagt: macht weiter, schön dass es Euch und Euer Interesse für die (Horror)Filmwelt gibt, aber achtet in Zukunft etwas mehr auf das Drehbuch, dem wohl am meisten unterschätzten Bereich der laufenden Bilder, selbst bei Großproduktionen.  OFDb

Keine Kommentare:

Kommentar posten