Freitag, 18. Mai 2012

DIE HORDE (La horde 2009 Yannick Dahan u.a.)


Eine Gruppe Polizisten macht das Versteck einer Gang ausfindig, die einen ihrer Kollegen umgebracht hat. Sie sind nicht aus beruflichen Gründen vor Ort, es geht schlichtweg um Rache. Von der Bande überrumpelt ehe sie ihr Vorhaben wahrmachen können, dringt eine Horde Zombies in das Hochhaus ein, in welchem sich die rivalisierenden Gruppen befinden. Nun müssen sie zusammen halten, um vom obersten Stockwerk nach unten zu gelangen. Und ein Blick aus dem Fenster verrät, dass die Untoten im Gebäude nur ein kleiner Teil dessen sind, was in der Welt draußen tatsächlich passiert...


Blut ist nicht immer dicker...

Frankreich mischt nicht zum ersten Mal in einer Zombiewelle mit. Auch nun in der modernen Variante der rennenden Leichname sind sie wieder mit dabei, und einer ihrer Beiträge heißt schlicht „Die Horde“. Und so wie sein Titel, so kommt auch die Geschichte des vorliegenden Filmes daher. Dabei schreckt man nicht davor zurück sich an Vorbildern zu bedienen, zitiert diese ab und an mehr schlecht als recht und zieht ansonsten sein Ding durch.

Viel Hoffnung auf ein gutes Ergebnis machte ich mir nach den ersten 10 Minuten nicht mehr. Erst darf man viel zu langen Soap-Dialogen auf einer Beerdigung beiwohnen, dann stürmt eine Gruppe Proleten das Hochhaus, es kommt zum Massaker mit der gegnerischen Gruppe, und dann kommen sie auch schon angerannt, die lebenden Toten. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde kein Charakter vertieft, Brutalitäten wurden selbstgerecht und arg dominant zelebriert, und für den Anfang eines Zombiefilms war die Geschichte damit ziemlich unpassend eingeleitet.

Aber wer die ersten 10 Minuten tapfer übersteht wird mit einem Film belohnt, der seine Fehler der ersten schwachen Phase zwar auch rückblickend nicht wieder wettmacht, der aber auf interessante wie simple Art zu gefallen weiß. Um zu diesem brauchbaren Ergebnis zu kommen bedient man sich wie erwähnt an allerhand Vorbildern. Die Situation des sich im Haus verbarrikadieren, klassisch angewendet seit „Die Nacht der lebenden Toten“ wird hier umgedreht. Man möchte raus aus dem Haus. Und da es ein Hochhaus voller ansteckender Monstren ist, darf man sich zurecht an „Dance Of The Demons 2“ erinnert fühlen.

Der wichtigste Aspekt, weshalb der an sich plumpe und auf äußere Schauwerte achtende „Die Horde“ funktioniert, ist jedoch seine Verwandtschaft zu „Zombie 2“. Ebenso wie dort, gibt es hier keinerlei Sympathiefiguren, und dies in einer Konsequenz die es manchem Zuschauer sicherlich schwer machen wird dran zu bleiben, bietet „Die Horde“ doch immer nur kurzfristige Identifikationsfiguren und gegen Ende gar keine mehr. Jene vorhandenen sind einem trotz alledem nicht sympathisch. Zumindest ist der Film mit den Figuren die er uns zuwirft glaubwürdig erzählt. Schwächlinge sind schnell tot. Nur die Harten haben eine Chance zu überleben. Mitleid und Gesetze gibt es nicht mehr. Zombies und ein Haufen blutgeiler Überlebender als Warnbild der Anarchie, so kann man den Film der Regisseure Dahan und Rocher beschreiben, in welchem der Egoismus mehr zählt als die Verbundenheit durch Familie.

Dass sich dieser Horrorbeitrag trotz fehlender Sympathiefiguren nicht all zu theoretisch guckt, hat er seiner flott inszenierten, actionreichen Erzählweise zu verdanken, die einem kaum Luft zum Atmen lässt und mit schnellen Schnitten und wackeligen Bildern, das Manko vieler anderer Werke, zu trumpfen weiß. Es ist nicht alles sinnvoll was man sieht, aber es wird nicht vollkommen in Idiotie gebadet, so dass der schlichte Anteil an Unsinnigkeiten durch das hohe Tempo ignoriert werden kann.

Das bisschen Zeit welches einem zum Denken bleibt lässt einem Raum für im Film nicht gestellte Fragen. Was kommt nach dem Hochhaus? Was kommt nach der Vereinbarung bei solch konsequent unsympathischen Gesellen? Doch auch bei der Beantwortung dieser Fragen bleibt „Die Horde“ schlicht und konsequent, entlässt einen aber auch nur bedingt befriedigt aus dem Film. Dies jedoch auf eine Weise, welche Neugierde für eine mögliche Fortsetzung wecken könnte. Was noch offen ist muss ein anderer Teil erzählen. „Die Horde“ hört da auf wo er enden muss. Gut so!


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