Freitag, 20. Juli 2012

DAS KLEINE ARSCHLOCH UND DER ALTE SACK - STERBEN IST SCHEISSE (2006 Michael Schaack)


Während der alte Sack es sich in der Hölle gut gehen lässt, lässt sein Enkel nichts unversucht den Großvater ins Leben zurückzuholen - freilich nicht ohne dabei den ehemaligen Nachbarshund Peppi ein wenig zu quälen, der nach dem Dahinscheiden von Frau Mövenpick nun in der Obhut vom kleinen Arschloch ist...


Flugenten treffen auf Fick und Fotzi...

Neun Jahre nach Erscheinen des Zeichentricks „Kleines Arschloch - Der Film“ hat wohl niemand auf eine Fortsetzung gewartet. Das zeigte sich spätestens am Flop an den Kinokassen. Aber immerhin waren alle wichtigen Beteiligten von Teil 1 auch bei der Fortsetzung wieder mit dabei. Die Synchronstimmen sind die selben, Walter Moers schrieb das Drehbuch, Helge Schneider übernahm diesmal den kompletten Soundtrack, und der zuletzt eher mit Werken wie „Derrick - Die Pflicht ruft“ und „Dieter - Der Film“ schlecht aufgefallene Michael Schaack, der einst mit Arbeiten wie „Felidae“ und „Der kleene Punker“ positiv auf sich aufmerksam machte, führte erneut Regie.

Mit dem Zeichentrickfilm „Pippi Langstrumpf“ immer braver und diversen „Werner“-Fortsetzungen immer kommerzieller werdend, hätte eine Fortsetzung in den Händen des eigentlich begabten Zeichentrick-Schaffenden leicht scheitern können. Doch davon ist „Das kleine Arschloch und der alte Sack“ noch weit genug entfernt. Allerdings fällt schon im direkten Vergleich auf, dass der Humor etwas zahmer ausgefallen ist und der einst anarchische Grundgedanke nur noch hinter dem Kommerzgedanken eines damals gut verkauften Produktes hervor schielt.

Die FSK 12-Freigabe ist weiterhin ein Witz. Ich würde diesen Film zumindest niemand so Junges vorsetzen, der noch gar nicht versteht wie der Film bzw. die Filme gemeint sind. Mit anderen Worten: brav sieht anders aus. Aber das Niveau geht schon ein wenig nach unten, wenn z.B. aus dem Leiden eines Hundes unter der Fuchtel des tyrannischen Hundesitters ein allgemeiner Pechvogel wird, der auch außerhalb des Einflusses vom kleinen Arschloch immer nur den Leidensweg gehen darf.

Aber aus einer der Realität nicht abgeneigten Satire ist ohnehin ein reiner Fantasy-Streifen geworden, darf der alte Sack doch die Wahrheit über die Hölle erfahren (mit einer wundervollen, gar nicht mal so doofen, Schlusspointe), Peppi Sex mit Außerirdischen haben und der Held des Streifens selbst sich dem Phantastischen zumindest nähern, wenn er sich auf eine schwarze Messe vorbereitet.

Wie in so vielen Fortsetzung liegt der eigentliche Fehler darin von allem was gut ankam mehr bieten zu wollen. Der alte Sack, so beliebt wegen der Helge-Vertonung, wird zur zweiten Hauptfigur, was auch nur deshalb gut geht, weil die Geschichte um sein Dasein im Jenseits recht interessant ausgefallen ist. Peppi wird pausenlos gequält, was nur deshalb nicht nervt, weil der arme Köter einfach unglaublich mitleidig und auf sympathische Weise erbärmlich gezeichnet ist. Und dass auf die erste Ejakulation vom Arschloch, ein Witz aus Teil 1, immer wieder herumgeritten wird, rettet sich durch überhaupt nichts.

Aus einer grenzhumorigen Satire ist eigentlich nur reine Kinderkacke geworden, die für derart warmen Stuhl jedoch überraschend angenehm zu gourmieren ist. Wende ich mich von Werken wie „Jackass - The Movie“ im Intellekt beleidigt ab, und bekomme ich einen Kotzreiz bei Dämelfilmen wie „Disaster Movie“ oder „Flotte Teens und das ausgeflippte Klassenzimmer“, so weiß der reine Provokationshumor im hier besprochenen Streifen doch recht gut zu funktionieren, auch wenn auffällt dass die Trefferquote im Vergleich zu Teil 1 ebenso nach unten gesunken ist wie der Humorgehalt an sich.

So mancher, wenn auch nicht jeder, Schwulenwitz weiß zu ziehen, Pimmelwitzchen aus der Hölle und der Tropfsteinhöhle überraschen mit Lustigkeit und selbst der von mir verpönte Fäkalhumor erlebt eine geglückte Variante, wenn Peppi wie in einem Computerspiel damit beschäftigt ist, tauchend in den Abwasserrohren der Toiletten auf sich zukommenden Stuhl ausweichen zu müssen.

Wahrscheinlich bin ich da recht leicht zufriedenzustellen, hatten die beliebten Moers-Comics und der erste Kinofilm doch nie einen großen Stellenwert für mich. Und ich gehöre schließlich auch zu den wenigen Menschen auf Erden, die noch über die „Police Academy“-Reihe schmunzeln können, selbst in Folgen ohne Steve Guttenberg. Andererseits macht es einen „Das kleine Arschloch und der alte Sack“ mit den tollen Zeichnungen und sehr passenden Synchronstimmen auch recht einfach dieses Meer an freiwilligen Humorentgleisungen sympathisch zu finden. Freilich ist der Unterhaltungswert des Streifens unter Altersniveau, andererseits packe ich ganz gerne hin und wieder meine damalige jugendliche Seite aus, um mich auf Teen-Art zu amüsieren.


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