Freitag, 20. Juli 2012

PUNK ROCK SPLATTER MASSACRE (Punk Rock Holocaust 2004 Doug Sakmann)


Während eines Punk-Festival läuft ein maskierter Psychopath mordend umher...


This Is Not A Punk Rock Song - It’s A Movie...

Ein Mörder killt auf einem Punk-Festival jede Menge Fans, Mitarbeiter der Veranstaltung und Musiker. Das klingt eigentlich recht lustig, ist es aber kaum. In dem lustig gemeinten Streifen zieht kaum ein Witz. Dieser Punkt ist zumindest noch Ansichtssache, aber dass so etwas wie eine Handlung kaum stattfindet, ist leider ein Manko nicht subjektiver Art.

Der Irre tötet einen nach dem anderen, dies mitten in der Öffentlichkeit, sprich unter einer Vielzahl an Zeugen, und das Festival geht dennoch ganz normal weiter. Kein Mitarbeiter macht einen ernsthaften Versuch den Mörder aufzuhalten oder die Polizei zu rufen.

Zwar mordet der Killer auf recht einfallsreiche Art, aber die Spezialeffekte sind typisches Amateurfilm-Niveau und können somit nicht überzeugen. Das würde mich nicht zwingend stören solange dennoch ein Unterhaltungswert vorhanden wäre, aber weder die Witze noch der Partyfaktor wollen aus dem uninspirierten Stück Film Kurzweile machen.

Freilich ist die Punkmusik-Untermalung großteils geglückt und wird sicherlich beim Zielpublikum ankommen. Leider dürfte diese Zutat jedoch nur den hartgesottensten unter den Punks ausreichen um mit “Punk Rock Holocaust” (Originaltitel) angenehme 90 Minuten zu verbringen. Für jeden anderen Cineasten wird auch die nette Musik das Werk  nicht auf Dauer tragen.

Bei einem Film diesen Titels erwartet man sicherlich nicht viel Handlung oder Hirn. Aber dass es eine geschlagene Stunde Laufzeit dauert bis die Hauptrolle ernsthaft beschließt etwas zu unternehmen, ist schon arg schlecht erzählt. Zuvor wird zwar immer angekündigt etwas unternehmen zu wollen, aber es passiert nichts. In der letzten halben Stunde bekommt der Film mit besagtem Wandel des Helden nun endlich jene trashige Story, die er schon viel früher gebraucht hätte. Wir bekommen Zombies vorgesetzt, wenn auch nicht im klassischen Sinne, es wird geklärt wer der Mörder ist, es kommt ein satanisches Storyelement hinzu, und der Film bekommt damit einfach endlich Pepp.

Leider ist dieser Zustand für die Rettung des Gesamtstreifens viel zu spät eingetreten. Wäre der Film von Anfang an so geartet wie im letzten Drittel, er wäre anspruchslose Fun-Unterhaltung geworden. Er wäre somit also auch nur ganz nett ausgefallen, ohne zum großen Wurf zu werden. Ein "ganz nett"-Gehalt in der finalen halben Stunde kann jedoch nichts mehr bewirken. Ich war schon eine gewisse Zeit kurz davor auszuschalten und guckte nur deshalb weiter weil ich im Hinterkopf die Info hatte dass es u.a. auch um Zombies gehen soll.

Wenn man bedenkt wie dieser Film gedacht ist und wie er umgesetzt wurde darf man zurecht darüber erstaunt sein, dass inmitten diesem Nichts aus Kill und Punk eine ernste Aussage heraussticht, die auf geglückte Art eingebaut wurde. Hier wird gesellschaftskritisch, wenn auch auf recht alberne Art, die Musikindustrie in die Mangel genommen. Da fallen wahre Worte, wie man sie zwar schon des öfteren mal hören durfte, jedoch nie die Punkszene betreffend.

Es ist meist so, dass Randgruppen wie Punks ernsthaft glauben, ihre Musik wäre noch nicht davon betroffen berechnende Kapitalisten fröhlich reicher zu machen.  Aber viele Punkbands werden ebenso gecastet wie die Musiker der Charts, und viele Bands spielen verwässerten Punk, der als solcher schon nicht mehr zu bezeichnen ist. Mit dieser Thematik geht “Punk Rock Splatter Massacre” schön hart ins Gericht, und das ist ein klarer Pluspunkt.

Die Darsteller sind bemüht, für einen Independentfilm also durchaus okay zu nennen, mit Ausnahme einiger Festival-Teilnehmer, die einfach als Gast augenzwinkernd als Opfer mitspielten und diesen Job dann auch sehr unprofessionell erledigen. Das ist aber nicht weiter wild, da ohnehin alles augenzwinkernd gemeint ist. Allerdings kann diese Haltung nicht auf den kompletten Film angewendet werden. Wenn echte Stimmung nie aufkommt, nicht einmal die Maske des Mörders interessant ausfällt, Humor und Spezialeffekte die Toilette heruntergespült gehören, dann ist ein solcher Film, egal wie augenzwinkernd er gemeint ist, einfach langweilig und vergeudete Lebenszeit. Und da nutzt es auch nichts in Horrorkreisen noch kurz damit zu trumpfen Lloyd “Troma" Kaufman in den Film gelotst zu haben.

Das ist alles sehr schade um die eigentlich doch sehr nette, wenn auch schlichte Grundidee des Streifens. Die Punkszene hat man leider viel zu selten im Zentrum einer Filmgeschichte. Das Produkt wurde viel zu schnell heruntergekurbelt um eine positive Ausnahme darzustellen. Man hätte sein Augenmerk mehr auf das Drehbuch richten sollen anstatt auf schlecht getrickste Morde. Aber das ist in Amateur- und Independentfilmen ein häufig anzutreffender Fehler.


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