Freitag, 12. Oktober 2012

DIE MÖRDERKLINIK (La lama lel corpo 1966 Elio Scardamaglia)


In einer einsam gelegenen Irrenanstalt geht ein Mörder um, getarnt mit einer großen Kapuze und bewaffnet mit einem Rasiermesser. Eine Krankenschwester, die gerade erst neu zum Personal dazugestoßen ist, beginnt zu zweifeln wem sie trauen kann. Und eine hinterhältige Frau, die vom leitenden Arzt aufgrund eines Unfalls für einige Nächte als Gast ins Hospital eingeladen wurde, weiß mehr als gut für sie ist...


Ganz schön irre dieses Irrenhaus...

Hätte man sich bei der deutschen Wallace-Reihe mehr dem Horror als dem Krimi zugewendet, das Ergebnis wäre dem von „Die Mörderklinik“ recht ähnlich gewesen. Das Rezept an sich stimmt überein: klassische Gruselelemente wie ein verschleierter Killer, eine klassische Mordwaffe, jede Menge verdächtiger Gestalten, Irrungen und Wirrungen Richtung Finale und eine interessante Location, die wohl, wenn man schon mit Wallace vergleicht, am ehesten an „Das indische Tuch“ erinnern dürfte.

Nun ist „Die Mörderklinik“ aber nicht aus der Feder des berühmten Krimi-Autors entstanden. Das Werk ist ein Gruselfilmchen mit klassischer, packender Atmosphäre, die in der zweiten Hälfte des Mittelteils etwas bröckelt. Das Buch ist trotz einiger naiver und unlogischer Elemente geglückt, spielt es doch gekonnt mit dem Zuschauer. Es werden falsche Fährten gelegt, verdächtig sind viele. Wenn dem Zuschauer zu früh zu viel verraten wird, dann wird dies ausgenutzt um zu täuschen. Für einen kleinen billigen Schundfilm, zudem noch aus Italien, ist das schon recht viel.

Das Wirrwarr in der Klinik für Geisteskranke wurde stimmig inszeniert. „Die Mörderklinik“ trumpft mit allem, was man unter nostalgischem Gruselcharme versteht: Die dunklen Töne des Klaviers ertönen häufig, die ruhigen Melodien grenzen an makaberer Melancholie, in spannenden Momenten werden Erinnerungen zum hervorragenden Soundtrack der „Miss Marple“-Reihe mit Margaret Rutherford wach. Das Hospital selbst ist ein Schloss mit endlosen Gängen, abgeschottet in der Einöde. Es gibt verdächtige Charaktere, und Geheimnisse und Intrigen legen nach und nach seelische Abgründe frei. Das klassische Szenario zu Kerzenlicht fehlt ebenso wenig wie die Anwesenheit eines Monstrums.

Wenn man das fertige Werk betrachtet, insbesonders in der Szene, in der eine fragwürdige Frau hinter das Geheimnis im Inneren des Hauses kommt, könnte man zu der Annahme kommen, „Die Mörderklinik“ habe Dario Argento zu seinem großartigen „Suspiria“ inspiriert. Vielleicht urteile ich auch arg voreilig, spielt der Film doch lediglich mit so vielen klassischen Gruselelementen, wie dies seiner Zeit nun einmal üblich war. Und der künstlerische Touch eines „Suspiria“, sprich das Spiel mit Farben und Terrormusik, fehlt komplett. Dennoch liegt eine stille Verwandtschaft zwischen diesen beiden Werken. Wer weiß, vielleicht macht es auch die Mentalität aus, immerhin stammen beide Werke aus dem selben Land.

Punkteabzug gibt es für einen höchst lächerlichen Rückblick, in dem dauerhaft glückliche, lächelnde Menschen zu einer tragischen Geschichte gezeigt werden. So etwas würde heutzutage nur noch in Parodien wie „Die nackte Kanone“ Verwendung finden. Es ist kaum zu glauben, dass dies einst ernsthaft gedreht wurde. Außerdem gibt es ein paar nervige Unlogiken. Dass das erste Opfer statt nach Hilfe zu rufen in die Weiten der Einöde rund um das Hospital flüchtet mag noch Standard-Unlogik sein. Warum es kurz vor seinem Tod allerdings an einem Brunnen Halt macht, um daraus zu trinken, wird wohl ewig ein Rätsel bleiben. Selbst Kinder könnten länger dem Durst widerstehen als diese besagte Person.

Auch die finalen Worte des enttarnten Mörders sind eine Idiotie für sich. Dabei geht es weniger um das was gesagt wird, als viel mehr um die Tatsache unter welchen Umständen der Täter noch so geschwätzig sein kann. Da ich den Schluss nicht verraten möchte, kann ich dies nicht näher vertiefen.

Wichtig zu erwähnen wäre noch, dass die Mörderauflösung gelungen ist und auch eine akzeptables Motiv vorhanden ist. Von einem richtig gelungenem Film kann man jedoch nicht sprechen, dafür sind die Darsteller zu mittelmäßig und das Drehbuch trotz aller Pluspunkte etwas löchrig und zu unausgegoren. Da der Film für ein Werk seines Kalibers aber wesentlich mehr bietet als erwartet, spreche ich für Freunde des Genres eine Empfehlung aus.


OFDb

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