Samstag, 9. Februar 2013

DIE MORDE DES HERRN ABC (The Alphabet Murders 1966 Frank Tashlin)


In England eigentlich nur im Urlaub, untersucht Privatdetektiv Hercule Poirot eine Mordserie, in der die Opfer eine alphabetische Reihenfolge ergeben. Bisher gab es Tote mit den Initialen A.A und B.B., nun sucht der Profi nach C.C., um weitere Morde zu verhindern und in der Hoffnung den Mörder zu finden. Gern gesehen wird sein Treiben nicht, denn die Londoner Polizei tut alles daran Hercule zurück nach Belgien zu schicken...


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Das selbe Studio, das seinerzeit die vier glorreichen "Miss Marple"-Filme mit Margaret Rutherford produzierte, servierte dem Kinogänger nur wenige Jahre später die Verfilmung des wohl zweitbekanntesten Detektivs aus Agatha Christies Feder: Hercule Poirot. Mit „Die Morde des Herrn ABC“ habe ich meinen persönlich ersten Film mit diesem Charakter gesichtet (die Bücher kenne ich auch nicht), und ich muss sagen es war schwer die Figur des Poirot begreifen zu können ohne Vorkenntnisse.

Die Verantwortlichen schienen sich darauf zu verlassen, dass man die Figur ja kenne und schupst den Unwissenden orientierungslos ins Wasser. Da sichtet man ihn nun, den völlig unerwartet konfus handelnden Wichtigtuer, dessen Hilfe niemand will und den die Engländer aus dem Land vertreiben wollen. Poirot ist trickreich, oft auf die linke Art und ist somit kein reiner Sympathieträger wie die schrullige Miss Marple. 

Irgendwann fand ich mich einfach mit dieser unerwarteten Art und Weise Poirots ab, um mich konkreter dem Film widmen zu können. Dieser irritierte allerdings zusätzlich mit einer sofortigen angeblichen Mörderaufdeckung, die zwar dem Titel nicht gerecht wird, am Ende allerdings noch für eine Überraschung gut ist.

Ich weiß ja nicht ob es da Änderungen im Vergleich zum Roman gab, so dass der Titel im Buch mehr Sinn macht als hier, aber wie man liest war das alles nicht sehr hilfreich um der Verwirrung zu entkommen, die der Film in mir auslöste. Da ich zunächst ähnliches wie die Miss Marple-Filme erwartete, wurde ich zudem vom sehr albernen Humor überrumpelt, den ich in diesem Werk so gar nicht erwartet hatte.

Wo die Filme um die alte Lady noch humoruntermalte Krimis waren, ist „Die Morde des Herrn ABC“ eine krimiuntermalte Komödie. Seinen größten Klamaukanteil erntet das besagte Werk durch die Nebenfigur, die Poirot zur Seite steht, und die selbiger ewig versucht abzuschütteln. Gespielt wird dieser Mann von dem Schauspieler, der in „Der Wachsblumenstrauß“ den Leiter des Reithotels mimte. Zum Glück bescherte man ihm im Poirot-Film die selbe sympathische Synchronstimme, die ihre Wirkung auch in einer anders angelegten Rolle nicht verfehlt. Leider spielt der Darsteller selbst nicht mit der gleichen Würde wie seine Hotelmanager-Rolle, was das Drehbuch dieses Fast-Krimis ohnehin nicht zugelassen hätte. Somit agiert er blasser trotz mehr Präsenz.

Zu viel nicht funktionierende Komik, ein fast unsympathischer Held und die Art der Mörderauflösung selbst sorgen für eine nur mittelmäßige Unterhaltung. Der Mörder ist zu früh enttarnt, der Zusammenhang der einzelnen Morde wird zu früh erkannt (bereits nach B.B., dem zweiten Opfer), lediglich im finalen Bereich, als sich der Mordhintergrund als etwas anderes entpuppt, weiß der Kriminalgehalt der Geschichte zu überzeugen.

Es ist schade dass man sich zu sehr der Komik gewidmet hat. Diese hat durchaus ihre funktionierenden Szenen, selbst diese sind aber für diese Art Film für meinen Geschmack allerdings zu albern ausgefallen, und das schreibe ich als Freund alberner Komik. Eine direkte, gleichbesetzte Fortsetzung scheint es nicht gegeben zu haben. Das lässt wohl vermuten, dass es nicht nur mir so ging und sich somit der Erfolg der "Miss Marple"-Filme nicht so ideenlos kopieren ließ, wie es die Produzenten gerne gehabt hätten.

Dafür ließ sich die Musik kopieren, sie klingt in den Untersuchungsszenen genauso wie in Vergleichszenen aus den Rutherford-Streifen. Ob es haargenau die selbe Musik oder nur eine angelehnte ist, konnte ich allerdings nicht heraushören. Wenigstens wurde das kultige Titellied der alten Lady nicht geklaut, zumindest nicht als Titellied.

In einem kurzen Gastauftritt im ersten Drittel, in dem sie übrigens bereits die Mörderauflösung verrät, bekommen wir Miss Marple präsentiert, untermalt von ihrem Song. Dieser wäre für den Witz gar nicht nötig gewesen, im Gegenteil, der an sich gute Gag wird damit etwas zu aufgedrückt präsentiert. Ein Paradebeispiel, viele Witze des Films schwächeln auf ähnliche Art.

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