Sonntag, 29. September 2013

THE WORLD'S END (2013 Edgar Wright)


Auf einer Sauftour der alten Zeiten wegen stößt ein Trupp ehemaliger Schulfreunde auf eine Alien-Verschwörung...


Cornetto die Dritte...

Ziemlich zeitgleich zu Seth Rogens Regie-Debut „This Is The End“ startete ein weiterer humoristischer Film der sich im Titel mit dem Ende der Welt befasst. Es ist der dritte Teil der Cornetto-Trilogie, die auch unter dem Begriff Blood And Icecream-Trilogie bekannt ist, und die mit „Shaun Of The Dead“ und „Hot Fuzz“ ihren Anfang nahm, zwei hochgradig gute Komödien, die albern und geistreich zugleich waren, ein von mir gern gesehener Mix in diesem Genre. Aufgrund der Vorgänger hatte ich an diesen dritten Teil der Reihe wesentlich größere Erwartungen gesetzt als an einen ollen Seth Rogen Film. Da mag er mit „Ananas Express“ und „Shopping- Center King“ noch so köstliche Genrebeiträge abgeliefert haben.

Nachdem sich das Trio bestehend aus Regisseur Edgar Wright und den Hauptdarstellern Nick Frost und Simon Pegg (der mit am Drehbuch beteiligt war) zunächst im Horror-Genre und danach im Bereich des Action-Kinos ausgetobt haben, ist sinnvoller Weise nun die dritte Kategorie des phantastischen Films an der Reihe: der Science Fiction-Bereich. Und der handelt eben nicht wie der Titel vermuten lässt vom Ende der Welt, sondern von einer Alien-Rasse die eine Kleinstadt und manch andere Orte dieses Planeten eingenommen hat, jedoch nicht einer Invasion wegen, sondern um die Menschheit zu erretten.

Mag es als Printmedie „Puppet Masters“ auch vor „Invasion Of The Body Snatchers“ gegeben haben, „The World‘s End“ stützt sich auf die Idee von Letztgenanntem, in welchem Menschen durch außerirdische Doppelgänger ersetzt werden, ein im Science Fiction-Genre häufig aufgegriffenes Thema, so z.B. angewendet in „I Married A Monster From Outer Space“, „Dark Forest“ und „Faculty“, außerhalb der Alienthematik auch in Werken wie "Die Frauen von Stepford" und "Futureworld". Obwohl bereits die dritte Verfilmung von „Die Dämonischen“, mit dem Titel „Body Snatchers“, frisch zur Entstehungszeit der politisch korrekten Mentalität den Stoff hätte nutzen können um diese fragwürdige Art zu Denken anzuprangern, nutzt erst „The World‘s End“ diese Gelegenheit und nimmt gleich noch Kritik an der Globalisierung und dem Zerstören von Individualität durch den Kapitalismus mit an Bord.

Treffsicher stellen die Köpfe dieser Geschichte diese drei real existierenden Bedrohungen der Freiheit des Einzelnen einer Alien-Belehrung gegenüber, um gegen Entmündigung des Bürgers zu protestieren, die nur all zu gerne von sich berufenen Menschen angegangen wird, trauriger Weise immer öfter unterstützt von Menschen, die mit dieser Mentalität groß geworden sind und es nicht besser wissen. Dennoch mögen die meisten Leute keine Bevormundung, und in einem schlichten aber unglaublich gelungenen Schluss-Dialog wird genau dieser Fakt hervorgehoben. Wen kümmert Perfektion? Wir wollen lediglich Mensch sein.

Insgesamt hat jeder der drei Cornetto-Teile den Verlust von Individualität und/oder die Bevormundung durch Dritte zum Thema gehabt, aber der Abschluss der Trilogie bringt es am besten auf dem Punkt, einfach weil das Science Fiction-Genre hierfür auch besonders geeignet ist. Trotzdem! So lobenswert das Gespann Wright, Frost und Pegg ihren Stoff auch angegangen sind, rein vom Unterhaltungswert ist der dritte Teil ihrer Trilogie der schwächste, zwar noch immer ein guter Film, aber im direkten Vergleich einfach nicht mehr ganz so witzig zu gucken wie die Vorgänger.

Das liegt aber auch an der Konsequenz der Verantwortlichen, die auf den Stoff gesehen richtig erkannten, dass es nicht so aberwitzig losgehen darf wie zur Heißphase des Filmes. Doch obwohl diese Methode theoretisch richtig angegangen wurde, stört sie auch, wenn man darauf eingestellt ist ein Gag-Feuerwerk zu erwarten, wie es die beiden Vorgänger boten. Wahrscheinlich dürfte eine Zweitsichtung diesen Kritikpunkt lindern, wenn man „The World‘s End“ erst einmal als Gesamtwerk kennt. Bei der Erstsichtung war das Zurückschrauben des Humoranteils eher ernüchternd zu schauen.

Dieser ist dennoch treffsicher, so wie man es von den anderen Teilen gewohnt ist. Und Gag-Feuerwerk bedeutet keinesfalls, dass hier hirnlos herumgealbert wird. Alle drei Filme bieten unterschiedlichste Arten und Schichten an Komik. Das ist das was diese Reihe so außergewöhnlich macht. Die Kritik bezieht sich also nur auf den direkten Vergleich mit den Vorgängern. Für sich gesehen ist das also alles noch unbedingt sehenswert. Das muss mal deutlich ausgesprochen werden.

Was jedoch wirklich in der Anfangsphase des Streifens stört, ist der zu penetrante Charakter den Pegg darstellen darf. Er passt zur Geschichte, und er ist wieder so hervorragend gespielt wie die beiden anderen völlig unterschiedlichen Charaktere Peggs, aber er nervt. Das soll er auch, zugegeben, aber dennoch: er nervt selbst das Publikum. Da tut es gut zu sehen, dass sich dies irgendwann lindert und die von Pegg gespielte Person irgendwann auch förderlich für den Sehwert des Films wird. Mag sein dass sich diesbezüglich ebenfalls eine Zweitsichtung angenehmer guckt. Möglich wäre das sowieso, ist die tatsächliche Faszination für die beiden Vorgänger bei mir doch auch jedes Mal erst durch die Zweitsichtung ausgebrochen. Keine Ahnung warum, immerhin sprechen wir hier von unglaublich gelungenen Filmen, die einem Respekt vor dem gerne unterschätzten Genre Komödie einflößen.

„The World‘s End“ ist gut, sowohl in seinem Humor als auch in seiner Gesellschaftskritik. Und auch die geradezu schlichte Story wird konsequent erzählt und weiß gerade deshalb zu trumpfen, wird sie bei manch eingefahrenem Filmfreund heutiger Kinokost doch nicht gerade Lob ernten, weil man fälschlicher Weise kritisieren wird, sie müsse abwechslungsreicher oder nachvollziehbarer angegangen werden. Beides ist nicht der Fall. Wie schon die Vorgänger, so stützt sich alles was passiert auf die Charaktere des Films, und deren Psychologie wurde von ihren Schöpfern treffend erkannt, und so darf die Geschichte nur jenen Pfaden folgen, für die sich das Autoren-Team auch entschieden hat.

Dass es an den Darstellern nichts zu maulen gibt, dürfte klar sein. Dennoch ist ein Schauspieler besonders hervorzuheben, und das ist Martin Freeman, der in den anderen beiden Teilen nur sehr kleine Rollen spielen durfte, und nun durch die TV-Serie „Sherlock“ und durch die Hauptrolle in „Der Hobbit“ zu Berühmtheit gelangt ist, und deshalb einen größeren Part beschert bekommen hat. Das wurde auch höchste Zeit, ist dieser Mann doch ein großartiger Schauspieler, und das bewies er schon lange vor seinen publikumswirksamen Auftritten. Wer Freeman in seiner bislang besten Rolle sehen will, der muss zur britischen TV-Serie „The Office“ greifen, in welcher er neben Ricky Gervais zu brillieren weiß.

Auch wenn „The World‘s End“ bei der Erstsichtung den anderen beiden Teilen der Reihe hinterherhinkt, so ist er doch dennoch ein würdiger Abschluss der großartigen Cornetto-Trilogie, die schon immer wusste dass der Stoff eines Filmes das wichtigste ist und nicht die Suche nach einem Zielpublikum. Wrights dritter Streich ist geistreich und witzig, und er ist feinsinnig und grob zugleich - quasi all das was die Vorgänger ausmachte. Frosts Rolle mag ein wenig überraschen, wandelt sich aber mit der Zeit zu dem was der Fan an ihm mag, und die obligatorische Cornetto-Szene lässt zwar lange auf sich warten, bietet dafür aber auch einen großartigen Lacher.

Was mir humoristisch anbei mit am besten gefallen hat, ist die wunderbare Idee die außerirdischen Blaublüter von ihrem körperlichen Aufbau her an den Einzelteilen einer Barbie-Puppe orientiert zu haben. Wenn der erste Kopf abgerissen wird und uns der typische Plastikstumpf anlächelt, auf welchen man den Kopf nun theoretisch wieder dranploppen müsste, dann ist das so freiwillig trashig wie doppelbödig treffsicher.


Nachtrag:
Nach der x-ten Sichtung innerhalb kurzer Zeit kann ich nun behaupten, dass "The World's End" mit seiner erwachsenen Art, seinen ernsten Themen und dem wundervollen Humor in einer sich langsam entwickelnden Geschichte mein Lieblingsteil der Cornetto-Trilogie geworden ist. Peggs Charakter King gefiel mir ab der zweiten Sichtung von Anfang an, und wieder hat es der Schauspieler geschafft sich perfekt in eine Rolle hinein zu fühlen. Auch für Nichtkenner der ersten beiden (völlig unabhängigen) Teile ist "The World's End" absolut empfehlenswert!

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