Mittwoch, 6. November 2013

DONOVANS HIRN (Donovan's Brain 1953 Felix E. Feist)


Einem Wissenschaftler gelingt es das Gehirn eines verstorbenen Millionärs außerhalb des Körpers am Leben zu halten. Doch das Gehirn scheint Kontrolle über den Forscher zu gewinnen...


Zwei Gehirne sind eins zu viel...

Seit ich in meiner Kindheit Ausschnitte von „Donovans Hirn“ in Steve Martins Komödie "Der Mann mit zwei Gehirnen" gesehen habe, war ich schon neugierig auf diesen Film. Irgendwie kam es lange Zeit nie dazu und nun endlich habe ich es geschafft: Donovans Hirn, ich habe ihn gesehen. Wenn man so viele Jahre auf etwas wartet, kann das schnell zu hohe Erwartungen wecken. Und ganz ehrlich, der Streifen um einen Forscher, der ein Gehirn außerhalb eines menschlichen Körpers am Leben hält, ist kein Meilenstein wie "Die unglaubliche Geschichte des Mr. C" oder "Der Unsichtbare" aus dem Jahr 1933. Ein putziges kleines Gruselfilmchen ist er allerdings sehr wohl.

Die Wissenschaft machte täglich Fortschritte, dennoch verwundert es aus heutiger Sicht erst einmal, dass nie erwähnt wird warum es der Forscher mal eben so schafft ein Gehirn am Leben zu halten. Das wird alles geradezu selbstverständlich thematisiert, und das hat man zu akzeptieren. Dass der Forscher die Kontrolle über sein eigenes Hirn verliert, kommt sehr plötzlich, da muss man sich recht schnell drauf einstellen, ohne dass einen der Film dabei an die Hand nimmt. Kann man mit all diesen Dingen umgehen, wird man in der zweiten Filmhälfte mit einer netten Monsterhirn-Story belohnt, die ab und an in den Bereich des Gaunerfilms abrutscht.

Dass Donovan ein sehr böser Mensch war, gehört auch zu den Tatsachen die man als Zuschauer einfach zu akzeptieren hat. Rätselt man zunächst noch einsam vor dem Bildschirm warum das Hirn bloß so böse ist, so wird einem urplötzlich die simple Lösung präsentiert: Donovan war bereits als Mensch böse. Solche Erkenntnisse kommen für den Zuschauer immer sehr plötzlich und sehr schnell. Es ist etwas ungewöhnlich eine Geschichte auf diese Art erzählt zu bekommen. Nur das wenigste wird storytechnisch langsam vorbereitet. Seinen eigenen Reiz hat der Film damit jedoch schon.

Neben dieser inszenatorischen Holprigkeit fällt auf, dass auch Hauptdarsteller Lew Ayres eher zwischen schwarz und weiß hin und herspringt, anstatt mit Graustufen zu arbeiten. Zwar wirkt es als habe er Spaß an seiner Rolle, aber der Wandel vom guten Doc zum bösen kommt doch sehr ruppig, und zeigt sich eher außerhalb der Mimik, z.B. mittels Humpeln.

Die Hauptattraktion, das Gehirn, sieht nie wirklich realistisch aus. Es ist auch nicht glibberig, und je größer es wird desto stählerner und damit härter wirkt es. Aber es pulsiert fröhlich vor sich hin, das besitzt Wirkung.

Ob wir es im Finale mit der Lösung der Probleme mit einem Zufall zu tun haben oder mit dem Eingreifen Gottes wird nicht ganz klar. Zumindest wird diese Möglichkeit im Film zuvor erwähnt, so nach dem Motto „Dann soll eine höhere Macht das Experiment auch beenden." Der angehängte Schluss, der uns zeigt was aus den Überlebenden geworden ist, ist für meinen Geschmack etwas arg optimistisch ausgefallen, wenn man einmal bedenkt dass das Gehirn gestohlen war und einem hilflosen Toten einfach so entnommen wurde. Aber dies sind halt die 50er Jahre, in denen immer ein gewisser Grad Naivität durch solche Stoffe wehte. Vielleicht auch besser so, heutige Produktionen nehmen sich oft viel zu ernst.

Wer nach „Donovans Hirn“ von Gehirnen noch immer nicht genug hat, sollte unbedingt auch zum eben erwähnten „Der Mann mit zwei Gehirnen“ greifen, der ist eine großartige Komödie. Einen Blick wert ist auch der freiwillige 80er Jahre-Trash "Das Gehirn", nicht zu verwechseln mit Charles Bands „The Brain“ aus den 90er Jahren. In dem visuell sehr starken "Die Stadt der verlorenen Kinder" bekommt man es auch mit einem Gehirn im Glas zu tun, dies ist aber nur Teil einer sehr komplexen Geschichte. Einen Flug durchs All mit allerhand Gehirnen darf man in einem der vier „Lexx“-Filme erleben. Und wer gerne mal ein fliegendes Alien-Gehirn sehen will, der ist beim 50er Jahre Trash „Die Augen des Satans“ ganz gut aufgehoben. „Donovans Hirn“ selbst wurde insgesamt drei mal verfilmt. Die hier besprochene zweite Verfilmung zählt sicher nicht zu den besten Beiträgen seiner Zeit, aber Freunden des Genres, die gerne zu Klassikern greifen, werden ein Sichten sicher nicht bereuen.


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