Samstag, 9. Mai 2015

SCARY MOVIE (2000 Keenen Ivory Wayans)


Just ein Jahr nachdem sie einen Unfall mit Todesfolge vertuscht haben, wird Cindys Clique von einem Mitwisser der damaligen Ereignisse bedroht, der in einem Kostüm getarnt Schüler der örtlichen Highschool ermordet...


Von einer Welt, in welcher die Spice Girls der wahre Horror sind...

„Scary Movie“ mag nicht die Königsübung in Sachen Filmparodie sein, da er lieber zitiert anstatt das veralberte Genre wohlüberlegt an der Wurzel zu packen und zu entlarven, aber er ist in seiner recht infantilen Art überraschend treffsicher ausgefallen, inszeniert in einer entspannten Weise, welche den meisten Fortsetzungen und anderweitigen Ablegern („Fantastic Movie“, „Ghost Movie“, "Superhero Movie", ...) aufgrund noch höherer Gag-Quote, noch plumperem Getue und noch größerer Anzahl parodierter Filme fehlte.

Regisseur Keenan Ivory Wayans, dessen Bruder Marlon u.a. das Drehbuch verzapfte, hat es hauptsächlich auf „Scream“ abgesehen und zitiert diesen teilweise Satz für Satz und einzelne Szenen fast eins zu eins. Deswegen ist es auch so lustig, dass der Film nach dem Arbeitstitel von Wes Cravens Überraschungshit benannt wurde, als Kern aller Geschehnisse, um die herum sich freilich auch andere meist große Filmereignisse aus dem Radius der Herstellungszeit mit eingeschlichen haben. Zwar liegt hierbei das Hauptaugenmerk auf Horrorfilmen wie „Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast“, „The Sixth Sense“, „The Blair Witch Project“ und „Scream 2“, mit an Bord sind aber außerdem Genre-fremde Werke wie „Matrix“, und „Titanic“.

Zur selben Zeit wie „American Pie“ erschienen überraschte „Scary Movie“ ebenso wie dieser mit einer sexuellen Freizügigkeit, wie sie für Amerika bis dahin in einem regulären Kinofilm als unmöglich galt. Ein aus der Hose hängender Hodensack, ein Sexualpartner der von einer Spermafontäne an die Decke gepresst wird, oder der extreme Schamhaarbüschel einer Jungfrau sind nur einige Beispiele einer Extremkomik, die sich nicht um biedere Zurückhaltung kümmert, die bislang als stille Abmachung in Kinofilmen eingehalten wurde. Ganz im Gegenteil, anhand der Hauptfigur Cindy wird diese bislang typische sexuell weltfremde Art auf wunderbare Weise veralbert, so kindlisch naiv diese von der schauspielerisch gern unterschätzten Anna Faris verkörpert wird.

Man muss nichts schön reden. Die meisten Witze des Streifens sind simpelste, gern auch geistfreie, Flachköpper, aber sie funktionieren in ihrer Umsetzung, Anordnung und Darstellung. Hin und wieder schleicht sich gar wahre Beobachtungsgabe ein, z.B. wenn Wayans gekonnt mit den Erwartungen des Zuschauers spielt, der nun einmal weiß dass er sich in einer Parodie befindet. Wissendlich dass zunächst etwas verarscht werden muss, bevor ein echter Bezug zum Thema oder zum Genre angegangen wird, lässt er z.B. den verhörenden Sheriff Cindy einige anzügliche Fotos von sich selbst zeigen, nur um ihr nach diesem Kalauer ein Foto zu zeigen, welches ihr aus der Reihe der anzüglichen Sheriff-Fotos bereits zuvor gezeigt wurde. Das ist aufgrund der ernst gespielten Art des Gesetzeshüters, der Form dessen Fragestellung und der bereits erwähnten durchkreuzten Erwartungshaltung des Zuschauers einer der köstlichsten Momente des Streifens.

Zur Hochform kommt „Scary Movie“ auch immer dann, wenn er die bereits im Originalfilm so tolpatschige Figur des Mörders wie eine Comicfigur wirken lässt. Mag die Masse auch über kiffende Alternativmimiken der Maske lachen, am komischsten ist der Killer doch dann, wenn er z.B. wie ein Gegner Bugs Bunnys auf einer Treppe vor einem Klavier flüchten muss. Oder dann, wenn Wayans uns zeigt was im in Horrorfilmen stets ausgeblendeten Moment passiert zwischen jenem Moment in welchem das zukünftige Opfer den Killer sichtet und jenem, in dem sie noch einmal hinguckt und der Killer verschwunden ist.

In diesen Ausnahmeszenen wird wahrlich mit den Elementen der Vorlagen und mit Methoden von Film und Komik gespielt, die man im Großteil des Streifens ansonsten verzweifelt suchen darf. „Scary Movie“ ist kaum vergleichbar mit tiefer greifenden Parodien wie „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ und „Frankenstein Junior“. Er konzentriert sich lieber auf Albernheiten wie es „Spaceballs“, „Hot Shots“ oder „Loaded Weapon 1“ vorgemacht haben. Sprich er ruht sich auf das Bekannte des Originals aus, um dessen Ereignisse auf eher zotenhafte und klamaukige Art noch einmal zu erzählen. Damit erreicht man zwar keinen großartigen Vorzeigefilm, unterhaltsam ist es aber definitiv. Und so lange ein solch simpler Streifen den Zuschauer zum lachen bringt, kann er ja nicht völlig verkehrt angegangen sein.


Weitere Reviews zum Film: 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen