Sonntag, 31. Januar 2016

ANT-MAN (2015 Peyton Reed)


Ein Einbrecher wird vom Erfinder eines Miniaturanzugs zum schrumpfenden Ant-Man ausgebildet, um den ehemaligen Schüler des Erfinders aufzuhalten, der mittlerweile selbst kurz davor steht Lebewesen zu miniaturisieren...


Scott der Ameisenschreck...

Superhelden-Filme aus dem Hause Marvel sprießen wie Pilze aus dem Boden und sind durch ihre Fließband-Produktion so austauschbar ausgefallen, dass sie nur noch in der Ausnahme zu gefallen wissen. „Ant-Man“ kommt inmitten dieser Flut an Exemplaren ein klein wenig anders daher, allein schon aufgrund der Idee dass die Größe eines Helden in dessen Miniatur steckt. Und dass aufgrund dieser Gegenidee zu den üblichen Superhelden vieles andere ebenfalls umgekehrt zum üblichen Erzählmuster dieser Art Film verläuft, weiß dem Werk von Regisseur Peyton Reed einige individuelle Momente zu bescheren - dank ideenfauler Drehbuchautoren und mutloser Produzenten jedoch leider auch nicht mehr als das.

Ein auf niedliche Rollen abonnierter Paul Rudd und ein auf Komödien spezialisierter Regisseur („Der Ja-Sager“, „Girls United“) machen recht deutlich, dass „Ant-Man“ nicht so ganz der klassische Superhelden-Film werden sollte. Seine besten Momente besitzt der Streifen auch immer dann, wenn er Gesetze des Blockbuster-Kinos veralbert. Wenn gigantische Miniatur-Kämpfe durch einen Wahrnehmungswechsel plötzlich aus der menschengroßen Perspektive eingefangen werden und damit absichtlich und humoristisch extremst popelig wirken, oder die klassische Materialschlacht einer Verfolgungsjagd durch die Stadt vergleichbarer Weke mittels Miniaturbauten parodiert werden und damit absichtlich unspektakulärer wirken, dann ist dieser unspektakuläre Blick von uns Großen auf eine Miniaturwelt zwar nicht komplett innovativ zu nennen, man erinnere nur an die aus menschlichem Blickwinkel harmlose Explosion in „Ab durch die Hecke“, aber inmitten eines Superheldenfilmes für ein mehr oder weniger erwachsenes Publikum weiß diese Spielerei trotzdem individuell zu wirken.

Leider rückt der Fokus von „Ant-Man“ viel mehr als „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“, „Die phantastische Reise“ und „Die Reise ins Ich“ vom Science Fiction-Bereich in jenen des Fantasy-Genres, was für einen Marvel-Film zwar nicht unüblich ist, alleine schon mit Blick auf die „Fantastic Four“ oder die „X-Men“, aber andererseits hatte die „Iron Man“-Reihe doch recht vorbildlich vorgemacht wie die Ballance daraus aussehen kann. In „Ant-Man“ lässt man den Titelhelden jedoch so dominant mit der Ameisenspezies spielen wie es Batmans Erzgegner Pinguin mit Pinguinen konnte. Was in Burtons „Batmans Rückkehr“ interessant bizarr wirkte, verkommt hier zum Fantasy-Tierdressur-Brimborium, aufgebläht in einer Extreme, die der Held mit seinen Möglichkeiten überhaupt nicht nötig gehabt hätte um ans Ziel zu gelangen. Zudem werden die Hintergründe diesbezüglich immer schwachsinniger je mehr man versucht zu beleuchten wie die Zusammenarbeit von Ant-Man und den Ameisen funktioniert. Dieser Negativpunkt weiß viel vom vorhandenen Potential zu zerstören.

Selbiges gilt für die 08-15 Story, die letztendlich beweist dass „Ant-Man“ trotz so mancher Andersartigkeit eben doch nur einer unter vielen austauschbaren Superheldenfilmen ist, auch wenn der Held selbst mehr sein könnte. Von daher passt es dass „Ant-Man“ nicht nur in der Marvel-Welt spielt in welcher die Avengers existieren, sondern auch dass der Mini-Held von dieser Elitegruppe der Superhelden aufgenommen wird, um an deren Seite zu kämpfen. Und um den Bereich der Austauschbarkeit durch Massenware gleich komplett auszuwalzen bekommen wir nach dem Abspann gleich noch einen Holzhammer-Hinweis auf ein zukünftiges Ant-Girl beschert.

Trotz einiger Ärgernisse und hauptsächlich aufgrund mancher Andersartigkeiten weiß „Ant-Man“ aber immerhin, wenn schon das Superhelden-Genre nicht revolutionierend, zu unterhalten. Die Klischees dieser Art Film und die Stereotype werden nicht umgangen, aber immerhin hin und wieder für kurze Momente gebrochen um in kurzen unbedeutenden Momenten die Erwartungshaltung zu umgehen. Aber letztendlich verlässt man sich ansonsten viel zu sehr auf das bewährte Rezept, welches mittels sympathischer Darsteller und einer halbwegs interessanten Geschichte zumindest zu jener Art Routine wird, mit welcher man einen Film angenehm verfolgen kann ohne sich zu langweilen. Gefordert wird die Aufmerksamkeit des Zuschauers freilich nie, und alles hat man irgendwie variiert schon irgendwo bereits so ähnlich erlebt, aber zumindest ist „Ant-Man“ kurzweilige Kost geworden, die sich um besser zu sein jedoch an ihren Helden hätte orientieren müssen.

Denn weniger wäre mehr gewesen. Mit Weniger als Mehr hätte die Geschichte nicht so gehetzt erzählt werden müssen. Und Zeit für die Geschichte hätte bedeutet, dass man Sympathie zu ihr und ihren Figuren hätte aufbauen können wie zu Zeiten von Raimis „Spider-Man“. Der erste Film einer Superhelden-Reihe ist aufgrund der Entstehung des Helden und dem Erforschen der neuen Fähigkeiten in der Regel der beste Film einer solchen Reihe. „Ant-Man“ hingegen könnte es in einem zweiten Teil zugute kommen diese hinter sich zu haben. Dann könnte er sich vielleicht endlich etwas mehr auf die bislang im Ansatz recht reizvollen Charaktere konzentrieren.

Aber wie ich Marvel kenne wird man eine Fortsetzung dadurch verhunzen, dass man dem Helden in Zukunft direkt mehr als einen Gegner gegenüber setzen wird, womit wieder die selbe Hektik und damit eine unnötige emotionale Distanz zum Zuschauer entstehen wird, wie in der hier zu gehetzt erzählten Geschichte. Dass es Reed trotzdem geschafft hat sich inmitten von Chaos manch ruhigen Moment für augenzwinkernde Spielereien zu gönnen, zeigt zumindest dass er theoretisch gesehen eine gute Wahl für dieses Projekt war. Ich glaube nervige Unsinnigkeiten wie die Riesenameise als Haustier auf dem Kitsch-Niveau eines „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ haben wir eher den von Produzenten dirigierten Drehbuchautoren zu verdanken als dem positiv auf „Ant-Man“ wirkenden Regisseur.


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