Sonntag, 3. April 2016

CABARET DER ZOMBIES (The Incredibly Strange Creatures Who Stopped Living and Became Mixed-Up Zombies 1963 Ray Dennis Steckler)


Der Draufgänger Jerry legt sich auf dem Jahrmarkt mit einer Hellseherin an, die ihn daraufhin unter Hypnose zum Mörder macht...


Die Wahrsagerin mit der haarigen Warze...

Fast hätte ich gedacht das in Deutschland bislang nie erschienende Zombie-Musical „Nudist Colony of the Dead“ sei doch nicht so innovativ ausgefallen wie vermutet, werben die Plakate von „Cabaret der Zombies“ doch damit das erste Monster-Musical zu sein. Aber erstens verstand man 1963 unter Zombies noch Menschen die einem fremden Willen unterstanden und damit etwas anderes als 1991 als der Vergleichsfilm entstand, und zweitens ist die Verwendung des Begriffs Musical ohnehin eine Mogelpackung der Werbung, wird in Ray Dennis Stecklers Film zwar oftmals gesungen, aber in solchen Momenten zeigt der Streifen lediglich Bühnenprogramme der auf dem Jahrmarkt anzusehenden Shows. Nie fängt ein Darsteller überraschend zu singen an, nie geschieht dies außerhalb einer Bühne, geschweige denn ohne Publikum.

Stilistisch passt es eigentlich ganz gut zum Film, dass er immer wieder Tänze, Gesänge, Comedy-Nummern oder das was biedere Amerikaner unter einem Stripteas verstehen abfilmt, die als Attraktionen auf dem Jahrmarkt dargeboten werden, denn immerhin bedient er sich ebenso dem Aberglaube und der Naivität der Kundschaft dort ab jenem Moment, in welchem er den Horrorpart in die Geschichte einsteigen lässt. Dies passiert recht spät, so dass die abgefilmten Showattraktionen definitiv dazu dienen die eher dünn ausgefallene Geschichte möglichst lang zu strecken, aber wenn der Horrorpart beginnt badet er auch gleich in so ziemlich jedem esoterischem Hokuspokus-Klischee, das man mit einer Kirmes in Verbindung bringen würde.

Wo in anderen klassischen Zombiefilmen Zauber herhalten darf um Menschen in willenlose Wesen zu verwandeln, da reicht es in „The Incredibly Strange Creature Who Stopped Living and Became Mixed-Up Zombies“ (was‘n Originaltitel) lediglich das Opfer mittels einer sich drehenden Spiralscheibe zu hypnotisieren. Hypnose ist ein ebenso klassisches Mittel der Bauernfängerei wie es das Handlesen und die Kristallkugel ist, auf die hier ebenso wenig verzichtet wird. Weitere Klischees wie die haarige Warze der Wahrsagerin, der Einfluss einer mysteriösen Zigeunerin und der bucklige Gehilfe dürfen ebenso wenig fehlen. Und schon ist man mittendrin in einer naiven wie simplen Horrorstory, welche zwar verspielt mit seiner Thematik umgeht, sich mangels kritischer Elemente aber nie vom faulen Zauber distanziert, der einem auf einen Jahrmarkt angedreht wird. Stattdessen bedient man sich des Aberglaubens der dort finanziell Ausgebeuteten, in der Hoffnung damit auch das Kinopublikum zu erreichen.

Somit können nur höchst einfältige Menschen intensiv ins Geschehen eintauchen, und solch extrem naive Persönchen wird es wohl heutzutage kaum noch geben. Einen Klassiker wie „Diabolic Dr. Voodoo“ (Alternativtitel) schaut man mittlerweile aber ohnehin eher aus spaßigen, nostalgischen oder künstlerisch interessierten Gründen, und da ist der sehr kostengünstig umgesetzte „The Teenage Psycho Meets Bloody Mary“ (Alternativtitel) doch tatsächlich einen Blick wert. Man kann ihn bei all seinen Unzulänglichkeiten zwar nicht wirklich als gelungenen Genrebeitrag bezeichnen, aber inwiefern Regisseur und Hauptdarsteller Steckler versucht das geringe Budget mittels einfachster und billigster Tricks zu verheimlichen, weiß aufgrund der charmanten Umsetzung schon zu gefallen, auch wenn es dem guten Mann nicht gelungen ist wirklich über die Kostengünstigkeit hinwegzutäuschen.

Seine optischen Ausflüchte sieht man „Cabaret der Zombies“ jederzeit an. Aber wie ein wirres Herumwirbeln der Kamera von fehlenden Stuntleuten und Spezialeffekten ablenken soll, ist für milde gestimmte Cineasten ein ebensolch optischer Leckerbissen wie der missglückte Versuch Stecklers bei der ersten Hypnoseszene einen surrealen Moment zu gestalten, in welchem sich auch der Zuschauer verlieren soll. Sicherlich wird es Leute geben, die sich an diesen Unzulänglichkeiten belustigen, man kann es wohl kaum jemandem vorwerfen über das hier Gezeigte schmunzeln zu müssen, aber „The Incredibly Mixed Up Zombie“ (Alternativtitel) lediglich als unfreiwillig komischen Trash abzutun wird dem Werk auch nicht gerecht, erkennt man doch das Herzblut das drin steckt und das Bemühen Gesehenes aus professionelleren Filmen auch hier einzuarbeiten.

Das fällt insbesonders im Finale auf, in welchem die wichtigsten Figuren am Strand bei tosenden Wellen herumlaufen, das Monster über kleinere und größere Gesteinsbrocken klettert, bis es schließlich, so wie es spätestens seit „King Kong und die weiße Frau“ zur Pflicht wurde, den höchsten Punkt erreicht, um dort sein unausweichliches Schicksal zu erleben. Wenn man aber keinen Stuntman oder eine lebensgroße Puppe besitzt, um den Sturz aus der Tiefe abfilmen zu können, dann fragt man sich warum Jerry nicht einfach den Fluten zum Opfer fallen konnte, anstatt nun schon wieder mit einer wild umherschwenkenden Kamera arbeiten zu müssen, damit der Zuschauer überhaupt versteht was hier gerade passiert.

Aber was soll man über so etwas in einem solch kostengünstig und frei von wahrem Talent entstandenen Streifen ernsthaft kritisieren, wenn er doch selbst innerhalb seiner Außenseiterrolle des amerikanischen Kinos nicht zu den nennenswerten Beiträgen seiner Zeit zählt. „The Incredibly Strange Creature: Or Why I Stopped Living and Became a Mixed-up Zombie“ (Alternativtitel) ist ein Film der Cineasten hauptsächlich theoretisch zu interessieren weiß, der aber unterhaltungstechnisch nicht wirklich etwas von dem entfaltet was er gerne darstellen würde.

Zumindest schaut es sich ein wenig skurril dass Steckler wie ein etwas hässlicheres 60er Jahre-Double von Nicolas Cage aussieht (wer auf ihn steht: Steckler hat auch in Pornos mitgespielt), und dass Jerry, der ein harter Kerl sein soll, in der deutschen Synchronisation ausgerechnet die Stimme von Volltrottel Vern aus „Die Teufelsbestie“ erhalten hat. Das lässt den ohnehin schon ungewöhnlichen „Cabaret der Zombies“ noch bizarrer gucken. Hier werden Elemente aus „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ ebenso verarbeitet wie logischer Weise Fragmente aus klassischen Zombiefilmen und Klischees aus alten Monsterfilmen. Stecklers Werk ist kein wirklicher Hingucker, interessierte Cineasten können aber ruhig einmal einen Blick riskieren - vorausgesetzt sie erwarten keinen wirklich unterhaltsamen oder gar guten Film.


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