Sonntag, 4. September 2016

MONSTER SHARK (Shark rosso nell'oceano 1984 Lamberto Bava)


Als Leichen aus dem Meer geborgen werden, die ungewöhnliche Biss-Spuren aufweisen, gehen Meeresbiologen zunächst von der Sensation aus, dass ein längst als ausgestorben gegoltener Ur-Hai sein Unwesen treibt. Doch die Wahrheit sieht noch bedrohlicher aus...


Umarmungen des Todes...

Bereits drei Jahre bevor das Kinopublikum „Der weiße Hai 4“ desinteressiert die kalte Schulter zeigte, merkte man in Italien dass es nicht mehr reicht auf klassische Art einen ollen Hai auf die Menschheit losgelassen. Also griffen die Autoren von „Monster Shark“ schon lange vor „Megalodon“, „Shark Attack 3“, „Jurassic Shark“ und Co auf den Kniff zurück dem Publikum einen Urzeit-Hai für ihre nimmersatten Horrorgelüste vorzuwerfen. Doch damit nicht genug, da auch mancher Tentakelfilm Erfolge feierte kreuzte man die ausgestorbene Kreatur auch gleich mit einem Oktopus, und fertig war die reißerische Sensation, mit welcher man sich von den Konkurrenzprodukten zweier Monstergattungen abheben wollte.

Übernommen hat man sich mit dieser Übertreibung glücklicher Weise nicht. Die Kreatur weiß tatsächlich zu wirken, wahrscheinlich weil Lamberto Bava, den man für die Regie gewinnen konnte, und der seine Arbeit unter dem lächerlichen Pseudoym John Old Jr. ablieferte, die Kreatur wohl dosiert in Szene setzte und es lange Zeit schafft eine hohe Erwartungshaltung, ja geradezu eine mystische Atmosphäre, um die Existenz des Monsters zu schaffen. Es dauert bis der Zuschauer einen Blick auf die Kreatur erhaschen darf. Auch erste Sichtungen bleiben zaghaft und halten das Mysterium der Kreatur lange Zeit hoch. Informationen werden uns nur Häppchen-weise zugespielt. Verschwommene Bilder und einzelne Teile des Monsters wissen optisch zu wirken, allein schon weil „Der Monsterhai“ (Alternativtitel) lange Zeit vor der Computeranimation gedreht wurde, so dass selbst die meist langweilig ausgefallenen Fangarme in ihrer glibberigen Gummiart zu gefallen wissen.

Sicherlich kann man diese Vorgehensweise auch als Zeitstrecken und Kostenminimierung bezeichnen, was sicherlich beides kein Fehlurteil wäre. Aber Bava schafft es dies anzugehen ohne zu langweilen und, ganz im Gegenteil, den Zuschauer trotzdem für die Kreatur zu interessieren. Deshalb bedarf es hier auch noch nicht des Tricks von Roger Cormans Quasi-Remake „Sharktopus“ das Tier an Land agieren zu lassen. Unser „Devil Fish“ (Alternativtitel) ist lediglich im Wasser aktiv, was ihn aufgrund der kostengünstigen Produktion so auch besser aussehen lässt.

Während Bava inszenatorisch ordentliche Arbeit leistet, wenn auch nicht mehr als angenehme Routine, angereichert mit kleinen blutigen Einlagen, weiß das Drehbuch die immergleiche Geschichte ereignisreich genug zu gestalten, was bei den hier agierenden eindimensionalen Charakteren auch dringend nötig ist. Für einen Italienfilm typisch müssen sie alle Nase lang miteinander Sex haben, selbst dann wenn es gerade so gar nicht in die Geschichte passt. Und freilich folgen die Figuren den üblichen Stereotypen des von „Der weiße Hai“ vordiktierten Storyablauf, inklusive des üblichen Tier-Horror-Konflikts darüber ob die Kreatur nun lebend oder tot gefangen werden soll.

Zumindest verzichtete man diesmal auf einen Bürgermeister, der Panik um das Einkommen der Bevölkerung hat. Stattdessen erleben wir unsere nichtssagenden Figuren dabei, wie sie solidarisch zusammenarbeiten, was sie ähnlich wie in „Taranteln - Sie kommen um zu töten“ sympathischer macht als es das biedere Weltbild des Streifens eigentlich zulassen dürfte. Bava schafft somit in Zusammenarbeit mit den Autoren, dass man zumindest mit den Charakteren mitfiebern kann, so dünn sie auch gezeichnet sind. Da es zudem einige Überrschungen darüber gibt wer auf menschlicher Seite nun Überltäter ist und wer nicht, und besagte Übeltäter das Projekt nicht nur vertuschen wollen, sondern auch mörderisch tätig werden, ist auch eine zusätzliche Bedrohlichkeit mit an Bord, die es versteht zwischen den Monsterattacken ebenfalls für Spannungsmomente zu sorgen.

Auch mancher Tod kommt überraschend, so dass der Zuschauer für solch ein olles Routineprodukt einer oft erzählten Geschichte relativ gut auf Trab gehalten wird. Kleinere Längen haben sich dennoch eingeschlichen. Die sind aber nicht so gravierend, als dass sie „Red Ocean“ (Alternativtitel) wirklich auszubremsen wissen. Allein der herrlich schundige Elektrosound, den es in dieser billigen Art auch nur in 80er Jahre-Produkten zu hören gab, peppt die Chose ordentlich auf, selbst dann wenn gerade nichts aufregenderes passiert, als dass irgendwer eilig eine Leiter hinauf steigt. „Der Monster-Hai“ (Alternativtitel) ist somit eine der konsumierbaren und sogar unterhaltsamen Beiträge im Meer der vielen Hai-Horror-Produktionen, von denen so unglaublich viele zu langweilen wissen - ansatzweise auch Cormans Quasi-Remake vom hier besprochenen Film.


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