GINGERCLOWN (2011 Balázs Hatvani)


Ein ewig gemobbter Schüler lässt sich auf eine Mutprobe ein, bei welcher er nachts auf das Gelände eines seit Jahrzehnten stillgelegten Jahrmarktes eindringen soll. Dort trifft er auf monströse Gestalten, die ihm nach dem Leben trachten möchten...


Was Penny nicht weiß...

Während andere Horrorbegeisterte zur Zeit der Killerclownwelle fleißig in die kürzlich erschienende Kino-Version von Stephen Kings “Es” stürmen, machte ich einen Ausflug in den lediglich auf DVD erschienenden “Gingerclown”, der uns Tim Curry in der Rolle eines Clowns verspricht, jenen Mann, den man zwar immer als erstes mit der “Rocky Horror Picture Show” in Verbindung bringen wird, daneben aber eben auch mit Pennywise aus der damaligen TV-Verfilmung “Es”. Zwar wunderte ich mich, dass er sich erneut auf eine ähnliche Rolle einließ, nach Sichten von “Gingerclown” kann man diese Frage jedoch erweitern auf die grundlegende Frage warum Curry überhaupt an solch einem schrottigen Film beteiligt war.

Selbiges gilt für den stets im Genre auftauchenden Lance Henriksen und der sehr merkwürdigen Besetzung des damaligen Geräuschemachers Michael Winslow aus der “Police Academy”-Reihe. Logisch dass mit diesen mal mehr, mal weniger berühmten Namen geworben wurde, wer sich den Streifen von Regisseur Balázs Hatvani jedoch angeschaut hat, darf enttäuscht feststellen, dass sie lediglich Monstern ihre Stimme liehen, persönlich jedoch nie vorbei schauen. Wahrscheinlich hätten sie ansonsten am Set bemerkt an welcher Gurke sie beteiligt sind und hätten das Weite gesucht.

“Gingerclown” lockt zunächst nicht nur aufgrund der beliebten Killerclownthematik und durch Tim Curry in dieser angeblichen Rolle, es reizte auch die ungarische Herkunft des Streifens und das Versprechen man wäre darin bemüht das 80er Jahre Horrorkino wiederzubeleben, welches in den Videotheken bis Anfang der 90er Jahre eine ganz eigene Nische Genrebeiträge füllte. Der ungarische Touch war durch das Einbringen sämtlicher US-Klischees von Beginn an über Bord geworfen, und wo bitte 80er Jahre-Feeling wehen soll, wie nicht nur der Coveraufdruck der DVD verspricht, sondern auch Autoren von Filmbesprechungen, die alles Gelesene hirnlos nachplappern müssen, ist mir nicht klar geworden.

Sicherlich: die im Film auftauchenden Monster sind handgemacht. Optisch erinnern diese jedoch eher an einen Puppenfilm a la “Die Reise ins Labyrinth”, freilich ohne wirklich geglückt zu sein, während der Film bereits aufgrund seiner Harmlosigkeit, der Geschichte und dem Verhalten der Monster eher wie eine leicht erwachsenere Version von “Alice im Wunderland” daherkommt. “Gingerclown” hat weder mental etwas von den Videotheken-Horrors der zweitschönsten B-Filmzeit des Genres zu bieten, noch von deren Äußerlichkeiten und Zutaten. “Gingerclown” spielt lediglich selbst in den 80er Jahren, so dass die ein oder andere Mode von einst kurz aufblitzt. Da der Film großteils aber an einem neutralen Ort zwischen den Zeiten spielt, ist auch dies ziemlich egal.

Bereits die erste Szene nervt gewaltig, die ellenlang innerhalb nur eines Spielortes und Zeitpunktes alles abarbeitet, was eine ausführlichere und liebevoller angegangene Einleitung durch mehrere Handlungsorte interessanter und feinfühliger hätte vertiefen können. Erschwerend kommt dieser mies gespielten und übel beleuchteten, sowie erbärmlich abgefilmten Szene hinzu, dass jene Person, die hier am meisten plappern darf, auch gleich die schlechteste Synchronstimme beschert bekommen hat, innerhalb einer Deutschvertonung, die über Mittelmaß ohnehin nicht hinaus kommt.

Das Makel der schlechten Optik und des ebenso schlechten Schauspiels bleibt auch nach der Einleitung bestehen, nur dass nun noch weitere Negativpunkte hinzukommen, ergibt doch nicht nur der komplette Plot keinen Sinn (ein Jahrmarkt, der seit Jahrzehnten nie betreten wurde, ist klar), sondern auch das übernatürliche Treiben, was den eigentlichen Reiz der Geschichte ausmachen sollte. Warum hier spukt, was hier lebt, wird nie geklärt, warum die Teenies nicht einfach wieder über den Zaun klettern, sondern sich stattdessen dem übernatürlichem Treiben stellen, ebenso wenig. Andererseits: bedrohlich erscheint in diesem zahmen Streifen ohnehin nichts, sind die Monster doch gerne mit sich selbst beschäftigt anstatt mit den menschlichen Protagonisten, und selbst wenn sie ein Auge auf diese geworfen haben, wird das Geschehen im Film doch niemals unheimlich.

Eher episodenartig stolpern die beiden Hauptfiguren durch das dunkle, unatmosphärische Jahrmarktset, angetrieben durch die düstere Stimme des kaum zu sehenden Clowns (im Original weiß zumindest diese ein wenig zu wirken), von einem uninteressantem Geschehen zum nächsten hüpfend, was der ohnehin schon drögen, wie hirnlosen Chose endgültig den Reiz nimmt, da jeder Augenblick für sich zu stehen scheint, ohne einen echten roten Faden abzuliefern. “Gingerclown” guckt sich derart langweilig, dass es einer großen Leistung gleicht, diesen Scheißdreck bis zum Schluss sichten zu können. Mir war meine Lebenszeit dafür zu schade. Ich habe irgendwann aufgegeben.


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