08.04.2019

SILENT MADNESS (1984 Simon Nuchtern)


Aufgrund eines Namenverdrehers wird versehentlich ein gefährlich Gestörter aus der Nervenheilanstalt entlassen, der fortan beginnt Menschen auf irrsinnigste Art zu töten. Eine junge Ärztin entdeckt den Fehler und reist dem Killer in seinen Heimatort hinterher...


Einer entflog dem Kuckucksnest...

"Silent Madness" gehört zu den Slashern im Fahrwasser von "Freitag der 13.", "Halloween" und Co, die bereits zu ihrer Entstehungszeit selbst in den USA kaum beachtet wurden. Eine kleine Vergessene Perle, wie es z.B. "Madman" und "The Creeper" waren, ist er allerdings nicht, dafür ist er von Regisseur Simon Nuchtern zu dröge umgesetzt. Das ist recht schade, hat er doch einige interessante Ideen zu bieten, die den wenigen Fans, die der Streifen hat, als Argumente dazu dienen ihm mehr zuzugestehen, als das Endergebnis einzuhalten weiß. Ignorieren kann man die guten Ansätze jedoch nicht, die in der Hand fähigerer, bzw. engagierterer Filmemacher vielleicht ein besseres Ergebnis hätten erzielen können. So erweist sich der Irrtum im Hospital nicht einzig als Auslöser der Geschichte, sondern bleibt wichtiger Bestandteil der Fortschreitung dieser, insbesonders auf das Finale gesehen. Auch eine dort aufgeworfene veränderte Sicht auf alles bislang Geglaubte, weiß zu gefallen und wirkt weit weniger reißerisch und weit mehr glaubwürdig als das ewig gefeierte Finalgeheimnis aus "Sleepaway Camp".

Aus der weiblichen Hauptfigur einen Mix aus Scream Queen und einer Dr. Loomis-Variante zu machen, weiß ebenso zu gefallen. Und der versteckte Kniff einer "Frankenstein"-Andeutung, gerade des Einflusses der Nutzung von Strom betreffend, habe ich von selbst nicht erkannt und erst interessiert dem Beiheft des Mediabooks entnommen. Allerdings bin ich mir bei dem ansonsten schlicht und geistlos ausgefallenem Drehbuch nicht sicher, inwieweit das Absicht war oder eher instinktiv aufgetreten ist, denn trotz aller Bemühungen der ewig gleichen Geschichte neue Facetten zu bescheren, fehlt dem restlichen Drehbuch doch das psychologische Verständnis um die Geschichte auch halbwegs glaubwürdig zu erzählen. Unser nicht maskierter Killer, der mal peinlich herum grinst, in anderen Momenten wiederum zu wirken weiß, geht für seine irrationale Art in seinen Mordmethoden etwas zu geplant und durchdacht vor, als dass man sein blutiges Treiben innerhalb der Möglichkeiten eines Horrorreißers als realistisch annehmen könnte. Dementsprechend reißt einen jeder Mord aus der Fiktion heraus, teilweise unterstützt durch schlechte, lächerlich anmutende, 3D-Momente, wie sie damals zuhauf im Kino präsentiert wurden. Da zudem das Gespür für eine düstere, funktionierende Atmosphäre fehlt, nutzen die Pluspunkte dem Streifen nur in der Theorie, nicht aber im Unterhaltungswert.

Erschwerend kommt hinzu dass trotz mancher Innovation das im Slasher ohnehin stets wiederholte Treiben eine Spur zu direkt von den Vorbildern kopiert wurde und damit weit plumper daher kommt, als in manch anderer Kopie des ewig gleichen Sub-Genre-Musters. Freilich kopiert man ohne ein Verständnis dafür entwickelt zu haben warum die Vorlageszenen in den Vorbildern zu funktionieren wussten, was innerhalb der zu öde ausgefallenen Inszenierung den Todesstoß für mögliche Kurzweile bedeutet. Wer es zum lang andauernden Finale von etwa ungefähr 20 Minuten Laufzeit schafft, wird zumindest mit einem besser funktionierenden Szenario belohnt. Hier wird die Geschichte aufgrund besagter Aufdeckung und der Bösartigkeit des Klinikpersonals interessanter, der düstere Handlungsort des Heizungskellers weiß recht gut zu funktionieren, und auch die Mordszenen haben mir in ihrer technischen Umsetzung hier besser gefallen als im Restfilm. Es kommt sogar eine kleiner Grad Spannungsgehalt auf, was sicher auch den düsteren Bildern zu verdanken ist.

Sollte man "Silent Madness - Der Schlächter" (Alternativtitel) mittels des deutschen Mediabooks zu Gesicht bekommen, nutzt das einem jedoch nur bedingt etwas, ist das Bild doch unterdurchschnittliche VHS-Qualität, und dies nicht nur in der Theorie. Denn dass die zu sehende Kopie eine VHS-Aufnahme war, sieht man auch an der Art der Bildfehler, welche diese Fassung aufweist. Aber ohnehin handelt es sich um ein schlechtes Mediabook, enthält es doch, wie so viele Veröffentlichungen dieser Art seit neuestem, nicht einmal einen deutschen Untertitel für die englische Tonspur. Zwar wurde dem Film seinerzeit noch eine der alten deutschen Vertonungen beschert, schreckliche Pornosynchro braucht man also nicht befürchten, aber so wirklich dolle weiß diese nicht zu wirken, so dass ein Sichten im Originalton reizvoller scheint, Menschen wie mir mit schlechten Englischkenntnissen ohne Untertitel jedoch nicht viel nützt. Das Beiheft beinhaltet für meinen Geschmack trotz kritischer Worte etwas zu viel Lobhudelei, ist aber zumindest mit interessanten Gedanken und Details versehen. Da es sich bei "The Omega Factor" (Alternativtitel) aber ohnehin um einen unterdurchschnittlichen Slasher handelt, sollten sowieso nur Komplettisten auf eine DVD-Veröffentlichung zurückgreifen. Ob es jedoch gleich ein teures Mediabook sein muss, dass bei seiner kostengünstigen Umsetzung seinen für dieses Medium üblichen Preis nicht einmal wert ist, ist bei dem schlechten Ergebnis von Film und Veröffentlichung jedoch anzuzweifeln.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen