SSSSNAKE KOBRA (Sssssss 1973 Bernard L. Kowalski)


David Blake nimmt eine Stelle beim Schlangenforscher Dr. Stoner an, der ihn dank langjähriger Experimente in Tarnung angeblicher Impfungen heimlich in ein Schlangenwesen verwandelt...


Die Kobra mit den blauen Augen...

Zwei Jahre bevor Steven Spielberg mit "Der weiße Hai" den Prototyp zukünftiger Tierhorrorfilme schuf und damit eine Welle solcher Werke noch im laufenden Jahrzehnt lostrat, da erschien "Ssssnake Kobra" auf der Bildfläche, der sich nicht dem klassischen Tierhorror widmete, sondern dank eines verrückten Wissenschaftlers von einer Schlangen-Mensch-Mutation, bzw. den Weg dorthin, handelt. Wer an "Wolf" und Cronenbergs "Die Fliege" denkt, der wird auf dem Weg zum Ziel das Annehmen tierischer Eigenschaften im menschlichen Alltagsleben bis auf einige wenige Ausnahmen vermissen. Letztendlich geht Kowalskis Film jedoch eher in die Richtungen "Die Insel des Dr. Moreau" und "Im Sumpf des Grauens", so wie später auch "Sharkman", in seiner Umsetzung aber mehr Wert auf den menschlichen Faktor legend, weswegen er auch wesentlich besser funktioniert als seine Hai-Konkurrenz aus den 00er Jahren.

Da wird manch einem die tatsächliche Horroraktion und das nötige Tempo fehlen, wenn dem zwischenmenschlichem Faktor mehr Beachtung geschenkt wird als dem gruseligen. Liebhabern alter 70er Jahre-Streifen wird es jedoch munden, dass wir recht einfühlsam, schleichend erzählt den Wandel eines ahnungslosen jungen Mannes miterleben, der sich gerade verliebt hat und einem Menschen vertraute, der ihn teuflisch hintergeht. Jene Person, der Schlangenforscher, wird jedoch nie diabolisch böse eingefangen, sondern passend zum Gesamtton des Streifens ebenfalls menschlich. Seine geistige Entrückung erscheint fast liebevoll, so wie sein Umgang mit Tieren, die er mehr wertschätzt als seine eigene Gattung. Er ist die personifizierte Ökobotschaft dieses Films und vereint sowohl das Gute im Denken um Umwelt- und Tierschutz, als auch den Fanatismus idealistischem Schwarz/Weiß-Denkens zu diesen Themen. Von Anfang an spielt der Film mit offenen Karten, dass er der Bösewicht ist. Zumindest muss man, gerade bei heutigen Kenntnissen derartiger Geschichten, sehr ignorant sein um nicht schnell die Andeutungen zu erkennen wohin die Geschichte führt und wer dafür verantwortlich ist. Trotz allem verabscheuen wir den Wissenschaftler nicht wirklich, dabei zusehend wie sein Experiment ahnungslos in seiner Falle sitzt.

Der stets in Deutschland titelvariierte mal als "SSSS Snake", "Sssssnake Kobra", "SSSSNAKE", "Ssssnake Kobra", "Snake Kobra" und "SSSSSnake" erschienene Film ist recht liebevoll und stimmungsreich erzählt, badet seine Figuren zwar in Stereotype, gerade was den Schulschläger betrifft, aber die wahren Stars sind ohnehin die Schlangen, die, wie zu Beginn des Filmes erwähnt, alles echte Exemplare sind, welche die Schauspieler vor Herausforderungen stellte. Einige wenige Szenen hätte man dennoch mit Modellen umsetzen sollen, gerade jene, in welcher ein Konkurrent des Doktors von einer Schlange erwürgt wird, wäre glaubwürdiger ausgefallen, wenn sie sich wirklich um seinen Hals gepresst hätte, anstatt dies nur einseitig am Hals liegend vorzugaukeln. Aber das sind Schwachpunkte in einem ansonsten gut funktionierenden Film, dessen Tricks trotz simpler Anwendung meist zu überzeugen wissen. Und die meisten Tierszenen funktionieren ebenfalls, obwohl viele Konkurrenzprodukte des Tierhorror-Bereichs beweisen, wie schlecht oft das Anwenden echter Tiere für einen solchen Film zu wirken weiß. "Sssssss" (Originaltitel) ist die Ausnahme, hier funktioniert die Interaktion zwischen Schlange und Mensch tatsächlich gut, eben weil es zu echten Kontakten zwischen einander kommt. Und die Scheu, die während des Drehs garantiert vorhanden war, fällt nur dann auf, wenn die gespielte Situation es so will.

"Ssssnake Kobra" lebt jedoch nicht nur von seinen Tier(horror)szenen. Wäre dies der Fall würde er langweilen, so viel Zwischenraum wie die zwischenmenschlichen Szenen einnehmen. Man lernt die Figuren gut genug kennen um sich über Banalitäten im Alltag zu freuen, aber auch dadurch funktionierend dass man eingeweiht ist, bzw. ahnt wohin das Ganze führt, so dass Alltäglichkeiten, wie das bessere Kennenlernen zwischen Mann und Frau, bereits einen dramatischen Touch erlangen, noch bevor der eigentliche Grund zur Tragik auftritt. Er schwebt quasi über den Dingen, gepaart mit der Bedrohlichkeit die in der Luft liegt, welch herrlicher Mix. Stimmige Momente bekommt der überraschend gut funktionierende, simple Film zusätzlich beschert, wenn wir in einer Jahrmarktsausstellung Davids Vorgänger kennen lernen dürfen, eine bedauernswerte Kreatur, die nicht zu Ende entwickelt wurde und nun ein erbärmliches Dasein fristen muss. Ihren Verkauf Dr. Stoners an den Schausteller wohnen wir unwissentlich, aber bereits in diese Richtung ahnend, zu Beginn des Filmes bei, was ein sympathischer, schwarzhumoriger Einstieg in die Geschichte ist, im Nachhinein sich noch fieser anfühlend als währenddessen.

Lediglich der Schluss des Streifens weiß etwas zu ernüchtern, liegt das Ziel des Doktors doch nicht darin einen wirklichen Mutanten zu kreieren, sondern lediglich einen Mensch in eine Schlange zu verwandeln, so dass David am Ende von einer Kobra anstatt von einem Menschen gespielt wird. Angeblich sei sie aber so intelligent wie ein Mensch, wie auch immer das bei gleicher Größe einer echten Kobra, und somit mit kleinerem Gehirn als jenes eines Menschen, funktionieren soll. Andererseits: wer fragt bei dieser Thematik überhaupt nach Logik, das ist doch unsinnig, also sollte man die Prozedur der Verwandlung lieber nicht hinterfragen und den Sinn des Experiments ohnehin das Rätsel eines verwirrten Geistes bleiben lassen. Zumindest fiel den Verantwortlichen des Streifens die zu plötzliche Geschwindigkeit der Metamorphose in der einen Phase und der Stillstand dieser in der anderen auf, so dass man inhaltlich zumindest darauf verwies, dass dies angeblich üblich sei. Eine solche Erwähnung reicht bereits aus, damit trotz gewagter Irrsinnsthematik nicht alles zu dümmlich wirkt. Tatsächlich überrascht Kowalski mit einem halbwegs glaubwürdigen Film, was nach seinem stümperhaften "Attack of the Giant Leeches" kaum zu glauben ist. Hauptsächlich liegt dies wahrscheinlich an der Figurennähe, die den halben Film zu tragen weiß, womit das Lob eher Richtung Drehbuch, anstatt Richtung Regie gehen sollte. So oder so ist "Ssssnake Kobra" für einen Streifen seines Kalibers ein geglücktes Erlebnis, nicht gleich überragend ausgefallen, aber unterhaltsam und interessant allemal, auch zum noch mal schauen.


Weitere Besprechungen zu Ssssnake Kobra: 
F.LM 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen