21.04.2020

FRECHE TEENS UND DIE SCHARFE PAUKERIN (La professoressa di scienze naturali 1976 Michele Massimo Tarantini)


Eine sexy Vertretungslehrerin verdreht einem Teenager den Kopf. Der verzweifelt daran, dass sie sich mit einem Erwachsenen liiert...


Das Küchenrollenperiskop... 

Es ist nicht leicht zu den Komödien der 70er Jahre Italo-Klamaukwelle einen Zugang zu bekommen. Die inmitten dieser entstandene Pennäler-Welle, deren Beiträge seit dem Erfolg von "Flotte Teens und heiße Jeans" in Deutschland stets Titelvariationen von diesem erhielten, sind in meinen persönlichen Fokus geraten und bilden meiner Meinung nach die Paradebeispiele dieser Dekade Italo-Komödie. Verzweifelt anmutender Holzhammer-Klamauk wird pausenlos in eine Alibi-Handlung gehauen, die lediglich aus Sketch-artigen Versatzstücken besteht, angereichert mit Erotikszenen und meist einen attraktiven Lehrkörper beinhaltend. Zoten, billige Wortspiele und Grimassenschneiderei werden von untalentierten Beteiligten dargeboten, in einer notgeilen Welt spielend, wie sie infantiler kaum ausfallen könnte. Michele Massimo Tarantini, der Regisseur des hier besprochenen Filmes, war auch für besagten "Flotte Teens und heiße Jeans" verantwortlich und drehte zudem "Sexy Teens und die Hauslehrerin", sowie die ebenfalls der Flotten Teens-Filme untergejubelten "Flotte Teens beim Militär" und "Flotte Teens und das verrückte Polizeirevier". Es braucht also alleine schon deswegen und aufgrund der Thematik des Streifens nicht verwundern, dass auch sein "La professoressa di scienze naturali" (Originaltitel) mit ins Boot geschubst wurde, zumal der ein oder andere Mime, der immer wieder in diesen Werken auftaucht, auch hier präsent ist.

Zu Unrecht ist der zudem als "Spiegelei und Hitzefrei" betitelte "Freche Teens und die scharfe Paukerin" nicht dabei, allerdings unterscheidet er sich in manchem Punkt von den restlichen mir bislang bekannten Streifen dieser Art. So geht es diesmal z.B. maximal Fifty Fifty um die Teenager, die Geschehnisse rund um die Erwachsenen herum bilden nicht nur eine Nebenhandlung. Die Synchronisation haut dümmliche Wortspiele diesmal etwas reduzierter heraus, unterbietet sich in Sachen Unwitzigkeit jedoch noch erheblicher als sonst, wenn dann doch ein solches fällt. Und obwohl bereits die Vergleichsfilme wirr zusammengeschusterte Geschichten erzählen, kommt "School Days" (Alternativtitel) tatsächlich noch orientierungsloser und wirrer daher, als habe tatsächlich kein Drehbuch existiert. Das Gefühl, dass hier einfach frei improvisiert drauf los gespielt wurde, verstärkt sich im Finale, wenn der Film eigentlich an einer x-beliebigen Stelle endet, zumindest was den zentralen Konflikt betrifft, um den es immer wieder geht. In einer Komödie, die durchdacht wirkt, wäre der Schluss sogar eine gute Idee, die sich den üblichen Konventionen, wie eine solche Geschichte zu enden hat, gewitzt widersetzt. Durch all die vorangegangene Schlamperei weiß man jedoch, dass hier irgendwer einfach die Notbremse gezogen hat, nachdem man genügend Material abgefilmt hatte, ohne zu erkennen, welchen Reiz das zufällig gewählte Ende besitzt.

Neben diesem Pluspunkt existiert noch die Entscheidung, für die Rolle der sexy Lehrerin Lilli Carati besetzt zu haben, besitzt diese 2014 leider jung verstorbene Schauspielerin doch einen Schlampenblick, der das notgeile Verhalten der männlichen Figuren, und somit erst recht der pubertierenden Teenager, von ganz allein erklärt. Carati setzt diesen inklusive provozierende Körperhaltungen derart extrem ein, dass ihr komplettes Handeln auf ihre Rolle und die zu erzählende Geschichte gesehen, überhaupt keinen Sinn ergibt. Ahnungslos verführt sie angeblich, die Unschuld vom Lande verkörpernd, während sie eine bewusst Verführende spielt. In einer durchdachten Geschichte könnte dies absichtliche Manipulation sein, um den Zuschauer zu verwirren und herauszufordern. Im einfach drauf los gedrehten "Freche Teens und die scharfe Paukerin" bedeutet es nur das, was fast alles bedeutet: man hat drauf los gelegt ohne zu wissen was man tut und ohne psychologisch zu begreifen was man erzählt.

Das zeigt sich bezogen auf das Verhalten der Lehrerin überdeutlich, wenn sie kurz mit dem Teenager schimpft, nachdem sie entdeckte, dass er sie zusammen mit Mitschülern heimlich beim Ausziehen beobachtet hat, sie ihn eine Sekunde danach aber nackt in seinem Bett verführt. Welche Frau macht es nicht an von sabbernden Jugendlichen, die zudem noch ihre Schüler sind (anbei ein Aspekt der nie moralisch und als ungesetzlich hinterfragt wird), beobachtet zu werden? Die beiden machen miteinander rum, dann stoppt die Lehrerin plötzlich mittendrin, angedeutet wird ein aus dem Nichts aufkommendes Gewissen, und der angemachte Schüler bleibt notgeil zurück. Tat sie dies aus Rache? Könnte man meinen, ist sogar möglich, macht die Komödie jedoch nicht deutlich, da sich die sexy Frau von nun an stets an ihren Lebenspartner und an den Teenager zugleich ranwirft, oder ihnen wahlweise, je nach Szene, zumindest jeweils Chancen in Aussicht stellt. Die Motivation der Lehrerin ist weder als Unschuldslamm, noch als hilflos, provokativ, manipulativ oder sexgeil auszumachen. Keine Szene steht diesbezüglich zu einer charakterlichen Einheit. Schritte die bereits gegangen wurden, werden wieder verworfen. Hier passt nichts zusammen.

Und ebenso ergeht es dem Komplettfilm, der die Dreiecks-Situation zum zerfahrenen Hauptereignis macht, inmitten eines Filmes der sonst von fast völlig nicht zusammen gehörenden Szenarien lebt, deren Figuren kaum etwas mit denen der Hauptgeschichte zu tun haben. "Freche Teens und die scharfe Paukerin" ist Klamauk-reduzierter ausgefallen, als man es von den üblichen Pennäler-Komödien der 70er Jahre Italo-Klamauk-Welle kennt, in entscheidenden Momenten puscht er diese extremen Albernheiten aber dann umso mehr, so z.B. in einem völlig unnötig eingebrachten Fußballspiel, welches einiges an Laufzeit einnimmt, um eine schlechte Pointe an die nächste zu reihen. Als Beispiel sei hier nur einmal genannt, dass der Schiedsrichter seine Trillerpfeife verschluckt. In einer anderen, völlig unnötig eingebrachten, Szene, verschluckt eine Figur einen Weinkorken, der ihr dann per Korkenzieher aus dem Mund geholt wird. Einfallsreicher wird die hier angewandte Komik nicht. Und der mir rätselhafte Restcharme, den ich sonst, warum auch immer, bei derartigen Filmen empfinde, kam diesmal überhaupt nicht auf, quälte das sinnlose Aneinanderreihen oftmals lustlos abgefilmter Klamaukmomente, sowie die zu soft angegangenen Hauptgeschichte, doch zu sehr, als dass sich da diesmal noch irgend etwas schön reden ließe. Einzig Alvaro Vitali, die Dauerbesetzung dieser Filme, belustig ein wenig mit nicht minder unnötig eingebrachten Handkanten-Momenten, die der einfältige Kerl kurzerhand spontan einem Karatebuch entnimmt, um sich Berufsverbrecher zu entledigen. Das lockert den Streifen zumindest für einen kurzen Augenblick, freilich sinnlos und weiterhin unter Niveau präsentiert, an einer Stelle ein wenig auf. missglückt


OFDb

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