28.06.2020

BLACK CHRISTMAS (2019 Sophia Takal)


Mitglieder einer Studentinnenverbindung werden von wem Maskiertes bedroht und nach und nach getötet...


Das Geheimnis der Statue...

"Jessy - Die Treppe in den Tod" ist ein hoch interessanter Slasher, da er Jahre vor Carpenters "Halloween - Die Nacht des Grauens" erschien, welcher das Genre in seinen Mechanismen prägte. So geht Bob Clarks Werk eigene Wege mit den Sehgewohnheiten von heute und ist in seiner individuellen, wie spannenden Art zu Recht ein kleiner Klassiker des Horrorfilms geworden. 2006 erfuhr er mit "Black Christmas" eine blasse Neuverfilmung, die zwar ein routiniertes, aber damit definitiv ein dem Original nicht würdiges Ergebnis ablieferte. Zumindest blieb man aber dem Bereich des Slashers treu, was man von der dritten Verfilmung aus dem Jahr 2019 nun nicht mehr behaupten kann. Sie kommt im Gewandt eines solchen daher, täuscht absichtlich, offenbart im weiteren Verlauf aber eher ein Szenario im Stil von "Dich kriegen wir auch noch!" Ich will nicht zu viel verraten, das wäre gemein, es sei nur so viel gesagt: zu einem Remake besagter Vorgänger passt dieser inhaltliche Umschwung allen zuvor Geglaubten so gar nicht. "Black Christmas" nutzt den in den USA bekannten Namen eines Klassikers, um etwas eigenes zu präsentieren, anstatt eine Neuverfilmung abzuliefern. Es wird derart stark verfremdet, dass man sich fragt, warum nicht unter einem eigenen Titel das Projekt verwirklicht wurde.

Ein solcher Kritikpunkt mag Kleinkrämerei sein, man kann das Werk schließlich trotzdem für sich allein betrachten, doch selbst da hinterlässt es keinen guten Eindruck. Dabei scheint zunächst alles in Ordnung zu sein. Die Schauspieler stimmen, die Stimmung ist okay, das Erzähltempo angenehm flott, ein unterhaltsamer Film scheint "Black Christmas" zunächst zu sein, nichts großes, aber etwas das man durchaus als Slasher-Freund konsumieren kann. Das geht sogar über eine lange Zeit, bis weit hinter der Mittellinie, gut. Dann kommt der Überrumpelungseffekt, mit dem man sich schließlich arrangiert bekommt, so dass Sophia Takals Genre-Beitrag weiterhin guckbar bleibt, wenn in seinen Veränderungen auch unnötig anmutend. Und was soll man sagen? "Black Christmas" gehört zu den wenigen Werken, die zur kompletten Katastrophen aufgrund ihres Finalbereichs werden. In dümmlicher Umsetzung und zu gehetzt erzählt, wird plötzlich ein Kampf der Geschlechter zelebriert, der alles unangenehme falsch verstandener Emanzipation und unterdrückender Phallokratie unreflektiert serviert, diesbezüglich eine Gesellschaftssatire abliefern will und so ziemlich alles falsch macht, was falsch zu machen ist. Sinn ergibt hier nichts mehr, psychologisch wurde nichts durchdacht, nicht einmal die taktische Herangehensweise der Aggressoren des Streifens, ebenso wenig der Befreiungsakt der sich zusammenschließenden Gegenseite.

Das ist der Fluch unbedingt ein dritter "Black Christmas" sein zu wollen. Hätte man von Anfang an einen eigenständigen, für sich stehenden Film angegangen, hätte das Drehbuch, anstatt zunächst die Vorgänger vorzutäuschen, genügend Zeit gefunden alles sinnvoll vorzubereiten für den gleichen, aber früher angesetzten Wendepunkt, um darauf aufbauend beide konkurrierenden Seiten sinnvoller und reflektierter aufeinander treffen zu lassen. Man hätte die Möglichkeit gehabt den in der hier vorliegenden Fassung viel zu kurz angerissenen Mythos der Vereinigung des Universitätsgründers zu vertiefen und ihn somit dem Zuschauer verständlicher und vertrauter nahe zu bringen. Im Zuge dessen hätte man auch die Motivationen vertiefen können, den aufgebauten Frust einer Männergeneration, die verzweifelt ihr Geschlechterbild neu bzw. alt ausrichten möchte. Und innerhalb derartiger Vorbereitungen hätte es einen triftigen Beweggrund geben können, warum der zwielichtige Literatur-Professor tut was er tut. So wie dargeboten ist er lediglich der Schurke ohne Motiv, ein Täter der sich zwar erklärt, jedoch aus der Luft gegriffen heraus, ohne dass man wüsste was er überhaupt möchte. Ebenso wenig wird uns erklärt, warum der finale Schritt der Heldin den Untergang des Vorhabens bedeutet, denn in die Magie und Natur des schwarzen Schleims werden wir als Zuschauer ebenso wenig eingeführt. Zudem ist das vor Erklärungsnot nur so strotzende, dümmliche Finale eine derart plumpe und Action-überladene Kampfansage ohne Neutralität zur Thematik zu beziehen, dass letztendlich nur naive Teenager und radikale Emanzen Spaß an der Chose haben können, beides Zuschauergruppen, die den Plot sicherlich (zu) ernst nehmen können. Diese Neuverfilmung ist meiner Meinung nach jedoch lediglich Augenwischerei und Propaganda, getarnt als Popkorn-Unterhaltungskino der zunächst angenehmen, schließlich aber vernichtend schlechten Art. missglückt


Trailer,   OFDb

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